2019 - Nationalpark "Hohe Tauern"

 

  

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Bergtour-Bericht in Text und Bild sowie einigen Videosequenzen:

 

Ort und Umgebung:

 

Das Virgental mit seinem Hauptort Virgen (1194m) sowie den Nebenorten Prägraten und Hinterbichl liegt, umrahmt von den Bergmassiven des Venediger- und Lasörlinggebietes mit zahlreichen 3000er Gipfeln, in Osttirol in unmittelbarer Nähe des Felbertauerntunnels im Nationalpark "Hohe Tauern". Der Nationalpark selbst umfasst seinem Namen entsprechend wiederum das gesamte Gebiet der "Hohen Tauern" einschließlich des Großvenediger- sowie Großglockner-Gebietes. Im Nationalpark sucht man Skilifte und Seilbahnen vergebens, dafür findet man eine weitgehend naturbelassene alpine Tier- und Pflanzenwelt. Gämsen, Steinböcke und Adler sowie Bartgeier (Europas größter Greifvogel) trifft man hier an und auch Bär und Wolf halten wieder Einzug in den teils verlassenen Tälern. Das Virgental wird wegen seiner südlichen Ausrichtung und der daraus resultierenden, ungewöhnlich hohen Sonneneinstrahlung auch das Meran Osttirols genannt. Prägraten mit dem Nebenort Hinterbichl liegt auf 1300m bis 1500m Höhe und ist nach Virgen der zweitgrößte Ort (knapp 1200 Einwohner) in diesem langgesteckten Tal. Er umfasst das hintere Virgental mit den Seitentälern. Die Haupteinnahmequelle ist neben Landwirtschaft der Wander- und Bergsteigertourismus im Sommer sowie der Skilanglauf im Winter. Mehr Einzelheiten durch einen Klick auf  nachfolgende Links:

 

Tour-Zeitraum:

Die gesamte Tour wurde vom 12.07. bis zum 20.07.2019 durchgeführt

  

Teilnehmer:

Diese Tour führte ich als Alleingänger durch

 

Tourgebiet:

Virgental im Nationalpark "Hohe Tauern" 

mit Unterkunft in Prägraten-Hinterbichl (s.u.)

  

Gemeinde Prägraten im Virgental

Virgental

Virgentaler Hütten

Nationalpark "Hohe Tauern"

Grossglockner

Grossvenediger

  

Touren und andere Unternehmungen: 

Bergsteigen und Bergwanderungen in verschiedenen Schwierigkeitsgraden

Gletscher- und Gletschertor-Besichtigung mit Hüttenübernachtung 

Besuch der Provinz-Hauptstadt Lienz

 

Unterkunft: 

Gästehaus Dorer in Hinterbichl

 

Tourverlauf:

 

Vorab: Die diesjährige Tour führte mich nochmals, allerdings wahrscheinlich für längere Zeit letztmals, in den Nationalpark "Hohe Tauern" und ins Virgental. Dazu später mehr. Da die meisten der durchgeführten Einzeltouren bereits aus den vergangenen Jahren bekannt sind, konzentriere ich mich in diesem Bericht in erster Linie auf den Gletscherbesuch im Umbaltal. Alle anderen Tagesberichte sind dagegen aufs Wesentliche verkürzt.  

 

Freitag 12.07.2019: Schon um 5.00Uhr befinde ich mich auf der Fahrt gen Süden und verlasse bereits am frühen Nachmittag die Autobahn in Richtung Kufstein und Felbertauern-Tunnel. Wenig später erreiche ich bei Matrei in Osttirol das Virgental und durchfahre dieses fast komplett bis zum kleinen Örtchen Hinterbichl. Hier befindet sich meine diesjährige Unterkunft.

 

Nach Begrüßung bekomme ich mein kleines Einzelzimmers zugewiesen, dieses befindet sich auf der Giebelseite direkt unter dem Dach. Einige Zeit später, nachdem Bergsteiger- und Foto-Utensilien im Zimmer verstaut sind, mache ich einen kleinen Rundgang durch das Dorf und fotografiere u.a. das Haus meiner Gastgeber Dorer und die naheliegende Wassermühle, als leichter Regen einsetzt schließt sich noch das Abendessen im Gasthaus Islitzer sowie die Tourenplanung für morgen an.

 

Samstag 13.07.2019: Während und nach dem Frühstück erfahre ich vom Gastgeber, dass durch die gewaltigen Schneemengen des Winters und ungewöhnlich vieler Lawinenabgänge viele Höhenwege betroffen waren und einig noch immer gesperrt sind. Mit den Folgen werde ich während meines Aufenthaltes einige Male konfrontiert. Dazu später mehr.

 

Gleich danach beginnt meine diesjährige Einstiegstour, die mich heute als Rundwanderung zunächst recht gemächlich zum Parkplatz Ströden am Ende des Virgentals in den Nationalpark über Islitzer Alm und per Höhenweg über die Lasnitzenalm nach Hinterbichl zurückführen soll. 

 

Die Strecke bis zum Nationalparkeingang und zur Islitzer Alm (1513m) ist schnell geschafft. Wenig später überraschen mich bereits mehrere der vom Gastgeber Dorer beschriebenen Wegesperrungen, einerseits durch Lawinenabgänge, andrerseits durch Ausbau des Alternativweges und heute anstehender Sprengungen. Außerdem ist diese Alternative durch Baggerarbeiten und ergiebige Niederschläge der vergangenen Tage sehr morastig.

 

Also kürze ich die Tour ab, lasse mich hier auf etwa 1600m Höhe am sonnigen Berghang oberhalb der Islitzer Alm nieder, verzehre den mitgeführten Proviant und genieße dabei die ziehenden Wolken sowie das Geläut der um mich herum weidenden Almkühe.

 

Damit die Rückkehr nach Hinterbichl nicht zu eintönig wird suche ich nach einer Alternative, quere die tosende Isel über einen Holzsteg und benutze den bis vor einigen Tagen ebenfalls wegen eines gewaltigen Lawinenabganges gesperrten Waldweg entlang einiger Fallstufen und einer Schlucht und erreiche bald den gerade geräumten Berghang. Hunderte von Baumstämmen liegen noch abgeknickt am Hang oder sind zu riesigen Scheiterhaufen aufgeschoben. Danach führt mich der Weg weiter der Isel entlang bis zum Campingplatz Bergkristall und an ihm vorbei zu meiner Unterkunft. Ich freue mich auf die Dusche und das Abendessen, dass ich dieses Mal wieder im bewährten Gasthaus Linder im Prägrater Ortsteil Bobojach zu mir nehme.

 

Gesamtstrecke: 6,5km, Höhe: 300m+ / 300m-, Gehzeit: 1Stdn30Min

 

Sonntag 14.07.2019: Heute plane ich mit dem Aufstieg zur Sajathütte meine erste Hochtour dieses Jahres. Während des Aufstiegs merke ich jedoch ungewöhnlich früh ein Brennen in den Beinen und bin froh, dass ich mich bei Erreichen der Stabanthütte (1777m) erst einmal einem kühlem Radler widmen kann. Während das Brennen nachlässt, begrabe ich meine bisherige Tagesplanung und beschränke sie auf den Abstieg über den Katinweg, der mich jedoch zunächst noch auf eine Höhe von etwa 1850m, dann jedoch stetig bergab und zurück nach Hinterbichl führt. Auf dem sogenannten Wiesenkreuz genieße ich eine lange Weile die schöne Aussicht auf die umgebende Bergwelt.

 

Gesamtstrecke: 7km, Höhe: 650m+ / 650m-, Gehzeit: 2Stdn30Min

 

Montag 15.07.2019 (Aufstieg zur Clarahütte): Nach einigen Einkäufen in Matrei breche heute erst nachmittags zu meiner zweitägigen Tour ins Umbaltal auf. Endziel wird am zweiten Tag der Besuch des Umbalkeeses (Kees=Gletscher) und des gleichnamigen Gletschertores sein. Der Umbalgletscher ist der am stärksten zurückgegangenen Gletscher im Osttiroler Alpengebiet. Ich bin auf ein Wiedersehen nach meiner letzten Tour im Jahre 2000 gespannt. Meine körperliche Konstitution und Kondition hat sich in den vergangenen Tagen entscheidend verbessert und ich fühle mich fit für die kommende Herausforderung.

 

Zunächst wieder über Parkplatz Ströden und Islitzer Alm erreiche ich schnell die gewaltigen Umbalfälle, passiere diese aber ohne Aufenthalt Richtung Clarahütte (2036m) und erreiche sie bei einsetzendem leichtem Nieselregen gegen 18.00Uhr. Für den nächsten Tag sagt die Wetterprognose hervorragendes Bergwetter voraus. Da ich vorab telefonisch ein Zimmer reserviert habe, wird mir dieses gleich zugewiesen. Nach dem Abendessen und Wanderkarten-Navigation für den nächsten Tag ist der Restabend nur kurz.  

 

Heutige Gesamtstrecke zur Clarahütte ca: 9km, Höhe: 1260m+, Gehzeit: 2Stdn30Min

 

Dienstag 16.07.2019 (Aufstieg zum Gletscher):  Früh gegen 8.00Uhr breche ich gleich nach dem Hüttenfrühstück zur Gletschertour auf. Der klare Himmel deutet wie vorhergesagt auf bestes Wanderwetter hin, wenn auch das Tal anfangs noch zum großen Teil im Schatten liegt. Es sind nur wenige Grad über Null und zusätzlich weht ein sehr kühler Wind von den Gletschern hinunter durch das Hochtal.

 

Zunächst relativ eben gelange ich durch einige Schuttfelder unterhalb der Steilhänge schnell zu einem provisorischen Steg und überquere hier die Isel. Nur kurz währt die Überlegung, ob ich den Gletscher direkt oder über die Phillipp-Reuter-Hütte (2677m) erwandere, die Entscheidung fällt recht schnell pro Gletscherweg. Er führt mich geradewegs zu einem vom Gletscher glattgeschliffenen Felsbuckel. Unterwegs quere ich viele kleine Wasserläufe, wasserdurchtränkte Hochgebirgswiesen und Mulden sowie einige Schneefelder. Hunderte Blütenteppiche in den schönsten Färbungen bedecken den Boden. 

 

Der etwa 150m hohe  und vom Gletscher ehemals glattgeschliffene Felsbuckel muss mittels mehrerer vorhandener Seil- und Kettensicherungen erklommen werden, was selbst jetzt im trockenen Zustand nicht gerade leicht fällt. Bei hoher Luftfeuchte, Regen oder Schnee besteht hier höchste Absturzgefahr. Diese Gefahrenstelle passiert, hat man nun auf dem Felsplateau freien Blick auf den Talschluss.

 

Nun gelange ich zu einem kleinen flachen und morastigen See, der mit Gletscherschwemmsand gefüllt ist. Bis hier war ich in den vergangenen Jahren bereits des Öfteren. Am Ende des Sees befand sich noch im Jahre 2000 während meiner ersten Besuches das Gletschertor, heute sucht man hier den Gletscher vergeblich. Die Gletscherzunge ist mittlerweile außer Sichtweite. Sie hat sich mittlerweile bereits über einen Kilometer hinter das rechtsliegende Essener Eck zurückgezogen. Über weitere kleinere Felsstufen gelange ich zum jetzigen Gletschertor. Je weiter ich dabei voranschreite um so gewaltiger und atemberaubender werden die Panoramen.

 

Am und auf dem Gletscher: Eine Weile später liegt der Umbal-Gletscher dann in ganzer Größe bis in einer Höhe von 3500 Meter vor mir. Ich wate durch das Gletscherabfluss-Delta, trete weiter bis ans Tor an den Gletscher heran und in einer wahren Foto-Ekstase halte ich das leider gerade eingestürzte Gletschertor, die Abflüsse und die Umgebung fest, steige anschließend über einen Schuttbuckel direkt auf den hier eher flachen und ungefährlichen Gletscher, beobachte eine kleine Herde Gämsen bei dessen Gletscherquerung in etwa hundert Meter Entfernung. Wenig später werde ich auch auf einige Steinböcke am Essener Eck aufmerksam, als diese beim Klettern im steilen Gelände einige Felsbrocken lösen, die polternd den Abhang herabfallen. Leider habe ich dieses Mal lediglich das Mobiltelefon als Fotoapparat zur Verfügung, die Mitnahme meiner Spiegelreflex-Kamera hatte ich mir absichtlich wegen des hohen Gewichts erspart. Dafür beobachte ich diese Tiere und ihre geschickte Kletterei aber intensiv und lang.

 

Gefühlsstürme jagen durch meinen Körper, angesichts dieser imposanten und menschenleeren Bergwelt, in der ich mich gerade befinde und die ich hier erleben darf. Bei Ansicht der Bergflanken bekommt man angesichts der blanken, ehemals vom Gletscher geschliffenen Felsen ein Gefühl dafür, wie gewaltig auch dieser Gletscher einst war und das Tal bis in große Höhen ausfüllte. Im Jahre 2001 wurde auf diesem Gletscher eine im Krieg hier notgelandete Junkers JU52 freigelegt. Wer weiß, was dieser Gletscher noch freigeben wird. Noch eine ganze Weile halte ich mich hier begeistert am und auf dem Gletscher auf, bevor ich mich förmlich losreißen muss und langsam den Abstieg beginne.



 

Gletscherschwund am Umbalkees (2000 bis 2019):

 

Der Klimawandel führt auch im Umbaltal (Osttirol) zu großen Veränderungen. Auf den beiden nachfolgenden Fotos ist unschwer zu erkennen, wie sehr sich das Umbalkees bereits zurückgezogen hat. Das obere Bild stammt aus dem Jahre 2000 während meiner damaligen Herbsttour. Das untere ist ein relativ aktuelles Bild aus dem Archiv des DAV (Deutscher Alpenverein)

 

Das Umbalkees hat durch seine gegen Sonneneinstrahlung ungeschützte südwestliche Lage den größten Rückgang aller Osttiroler Gletscher zu verzeichnen. Mehr Infos nachfolgend:

 

Vorläufiger Gletscherbericht 2019  

Gletscherbericht in Zahlen 2017/2018 (PDF)



 

Abstieg ins Virgental: Den See wieder erreicht, erblicke in der Ferne zwei junge Bergsteiger, die auf mich zukommen. Auch sie hatten in der Clarahütte übernachtet und fragen mich nach der Phillipp-Reuter-Hütte, dessen ehemaliger markierter Aufgang sich genau hier befand. Da ich mich in diesem Tal mittlerweile sehr gut auskenne, zeige ich ihnen die unscheinbare Hütte im Gelände und den möglichen, aber un- bis schlechtmarkierten Zustieg. Sie wollen jedoch auf die Dreiherrenspitze, die sich allerdings über dem Umbalkees in entgegengesetzter Richtung zur Hütte befindet. Lange beobachte ich sie bei ihrem Aufstieg, während ich hier eine ausgedehnte Pause und noch einige Fotos mache.

 

Dabei reift in mir das Verlangen, selbst das vorgenannte Biwak zu erreichen. Bereits während der Bergtour2000 befand ich mich in Begleitung eines Bergfreundes nur wenige Höhenmeter unterhalb dieser Hütte, als wir den Zustieg wegen einer Geländerutschung abbrechen mussten. Also starte ich den Abstecher Richtung Zugangsmöglichkeit zwischen zwei Felsabbrüchen. Diese jetzt zu absolvierenden weiteren knapp 400 Höhenmeter machen mir wieder klar, dass meine körperliche Vorbereitung nur ungenügend war, denn das Brennen in der Beinmuskulatur nimmt schnell und wieder überdurchschnittlich zu und ich frage mich, warum ich mich wieder so quäle. Meine Sturheit siegt jedoch. 

 

Als ich das Phillipp-Reuter-Biwak auf 2677 Höhenmeter erreiche, bin ich so sehr vom Aufstieg bedient, dass ich die Aussicht kaum genießen kann und ohne weitere Rast und erst während des direkten Abstiegs über den hier mäßig steilen Abhang realisiere, dass ich hier weitere Fotos vergessen habe. Daher habe ich nachfolgend aktuelle DAV-Fotos der Hütte sowie des Umbalgletscher-Panoramas sowie ein eigenes Vergleichs-Foto meiner Bergtour im September 2000 eingestellt. Wie schon im Jahre 2000 erreiche ich den Talboden oberhalb der Kletterstelle am Felsbuckel, die ich auch  jetzt im Abstieg wieder sehr vorsichtig absolviere. Ich befinde mich jetzt wieder in Gegenrichtung zum Gletscher-Aufstieg.

 

Unterhalb des folgenden Schneefeldes habe ich noch ein nettes Erlebnis mit einem Mutterschaf. Während ich meinen Restproviant verbrauche und das Brennen in meinen Beinen langsam nachlässt, besucht mich ein Mutterschaf mit Lamm. Das Lamm lässt meine Berührungen nicht zu, dafür wird das Mutterschaft immer zutraulicher und beginnt mit mir zu schmusen. Ich zücke mein Handy, fotografiere, filme und genieße die Situation.

 

Dann breche ich zum letzten, technisch weniger, konditionell jedoch anspruchsvollen Teil dieser Gletschertour, den Abstieg nach Hinterbichl. Eine kurze Trinkrast lege ich nur nochmal an der Clarahütte ein. Nach einer nochmals langen Wanderung über teils steile Abhänge entlang der Isel und des Umbalfalls erreiche ich gegen 17.00Uhr meine Unterkunft und das übliche Abendprogramm läuft an.  

 

Gesamtstrecke Clarahütte-Gletscher-Hinterbichl: 20,5km, Höhe: 1000m+ / 2260m-, Gehzeit: 7Stdn30Min

 

Mittwoch 17.07.2019: Mein Körper meldet an diesem Morgen wieder heftige Schmerzen in Muskeln und Gelenken mag heute keine weitere Bergtour und geben mir die erneute Erkenntnis, mich für die diesjährige Tour nur unzureichend vorbereitet zu haben. Aufgrund der gestrigen Gewalttour und zur körperlichen Regeneration fahre ich daher in die Provinzhauptstadt Lienz und genieße bei einem Rundgang den italienisch angehauchten Flair dieser Stadt. Ich lasse mich für einige Zeit an einem Eiscafe nieder und beobachte das Treiben vieler Menschen. Dann verlasse ich die Innenstadt und folge der Isel bis zur Mündung in die Drau. Als plötzlich ein schweres Gewitter aufzieht, befinde ich mich bereits in der Nähe des Autos. 

 

Auf der Rückfahrt lege ich oberhalb von Virgen noch eine längere Rast ein und genieße das dortige 360° Panorama auf einem Aussichthügel mit Parkbank. Hier im Virgental ist das Unwetter schnell vergessen, denn die hohen Berge halten die Gewitterfront noch zurück.

 

Zum Abschluss des Tages gönne ich mir heute im Gasthaus Linder in Bobojach ein gestern bereits vorbestelltes köstliches Gaumenerlebnis der Extraklasse: Ich genieße Rehfiletspitzen mit frischen Pfifferlingen. Äußerst lecker!!!

 

Heute keine wesentlichen Strecken oder Höhenmeter gemessen

 

Donnerstag 18.07.2019: Die Schmerzen des Vortages haben nachgelassen, so dass ich heute wieder vorsichtig in die Höhe möchte. Die Entscheidung, ob ich die Sajathütte (2600m) oder "nur" die Bodenalm (1960m) ansteuere, möchte ich am Berg fällen. Nach dem Frühstück wandere ich zunächst über Wiesen und Feldwege, vorbei am Nachbarort Bichl und Oberbichl, wo ich die entscheidende Weggabelung erreiche. Katinweg Richtung Sajathütte oder Wiesachweg Rchtung Bodenalm. Mein Kopf möchte gern zur Sajathütte, mein Körper aber sendet schon jetzt wieder schwerste Bedenken. Also gibt der Kopf nach und ich entscheide mich für die leichtere Alternative. 

 

Auch hier musste der ehemalige Steig durch Lawinenabgang neu angelegt werden und führt gleich steil in die Höhe, dann jedoch nur noch gleichbleibend schwach ansteigend über den sogenannten Dorfermähder (Mähder= Hangwiesen zur Heugewinnung) oberhalb Prägratens. Der südseitige Hang erlaubt wunderschöne Blicke auf das gegenüberliegende Lasörlinggebirge.  

 

Da es fast unerträglich heiß und schwül ist, lasse ich mich einige Male ins Gras nieder und genieße diese Aussichten, die langsam ziehenden Wolken und die vielen Blumenteppiche. Nach einiger Zeit erreiche ich dennoch den tosenden Abfluss des Timmelbaches und überwinde ihn mittels Brücke. Danach ist die Bodenalm (1960m) nach einem letzten Geländeaufschwung recht schnell erreicht. Dunkle Wolken ziehen jetzt zeitweise auf und verheißen nichts Gutes für den weiteren Tag. Nach einer Weile Getränkerast steige ich über viele Serpentinen des Waldweges nach Wallhorn und Prägraten nach Hinterbichl ab. Gerade rechtzeitig erreiche ich meine Unterkunft, bevor ein schweres Gewitter niedergeht. Weitere Gewitter folgen am Abend.

 

Heutige Gesamtstrecke: 13,5km, Höhe: 630m+ / 630m-, Gehzeit: 4Stdn

 

Freitag 19.07.2019: Da heute bereits ab Mittag weitere Gewitter angesagt sind, fahre ich mit dem Auto ins nahegelegene Defereggental und erreiche dort die italienische Grenze auf dem Staller Sattel (2052m). Hier wandere ich ein paar Meter in die Höhe und fotografiere die österreichische sowie italienische Umgebung.

 

Auf der Rückfahrt kehre ich noch ins Matreier Nationalparkhaus ein und besuche die dortige Ausstellung, die in diesem Jahr als Schwerpunkt das Leben der Alpen-Steinböcke behandelt. Der Aufenthalt fällt heute für mich sehr lange aus. Dieser Besuch lohnt sich unabhängig davon immer wieder.

 

Als ich meine Unterkunft erreiche, geht wenig später das nächste Gewitter nieder. Zwar später als gemeldet, dafür wieder heftig und mit ungeheuren Regenmassen. Nicht auszudenken, wie gefährlich da die Situation während einer Bergtour werden kann.

 

Heute genieße ich eine frischgefangene Bachforelle im Gasthaus Linder, ein weiteres kulinarisches Highlight dieser Woche. Während des Essens lasse ich die bisherige Woche Revue passieren und verspüre immer noch unterschwellige Schmerzen in den Gliedern und Muskeln. Aufgrund dessen und der weiterhin fehlenden Fitness sowie der negativen Wettervorhersage für den morgigen Tag entscheide ich mich noch am Abend für die vorzeitige Rückfahrt am nächsten Tag und teile dieses meinen Gastgebern mit. So gewinne ich noch einen Tag Regeneration bis zum Arbeitsbeginn am Montag.

 

Heute keine nennenswerten Strecken oder Höhenmeter

 Gesamtstrecke der Woche: 56,5km, Höhe: 3840m+ / 3840m-, Gehzeit: 18Stdn

 

Samstag 20.07.2019: Gleich nach dem heutigen Frühstück bepacke ich das Auto mit vorbereiteten Koffer und Rucksack, verabschiede mich von meinen Gastgebern sowie weiteren anwesenden Gästen, die ich innerhalb der Woche kennenlernen durfte und mache mich auf den Heimweg. Ohne größere Aufenthalte und Staus erreiche ich am Nachmittag Berlin.

 

Fazit dieser Unternehmung: Sechs meiner bisherigen Jahrestouren führten mich nun ins Virgental und in den Nationalpark Hohe Tauern. Wenn es mir auch schwer fällt, diese atemberaubende und faszinierende Berglandschaft zu verlassen, so zieht es mich doch zu neuen Erlebnissen in weitere Berglandschaften. Daher werde ich meine nächsten Touren wohl in mir weniger oder bisher gänzlich unbekannte Gegenden planen. 

 

Die Leistungen dieser Tour sind bezeichnend für meinen diesjährig eher schlechten Konditions-Zustand. Das wird sich bis zur nächsten Tour ändern! 

 

Ein Bergheil an alle Leser und Bergfreunde!