2018 - Nationalpark "Hohe Tauern"

 

 

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 Bergtour-Bericht in Text und Bild sowie einigen Videosequenzen:

 

 Ort und Umgebung:

Das Virgental mit seinem Hauptort Virgen (1194m) sowie den Nebenorten Prägraten und Hinterbichl liegt, umrahmt von den Bergmassiven des Venediger- und Lasörlinggebietes mit zahlreichen 3000er Gipfeln, in Osttirol in unmittelbarer Nähe des Felbertauerntunnels im Nationalpark "Hohe Tauern". Der Nationalpark selbst umfasst seinem Namen entsprechend wiederum das gesamte Gebiet der "Hohen Tauern" einschließlich des Großvenediger- sowie Großglockner-Gebietes. Im Nationalpark sucht man Skilifte und Seilbahnen vergebens, dafür findet man eine weitgehend naturbelassene alpine Tier- und Pflanzenwelt. Gämsen, Steinböcke und Adler sowie Bartgeier (Europas größter Greifvogel) trifft man hier an und auch Bär und Wolf halten wieder Einzug in den teils verlassenen Tälern. Das Virgental wird wegen seiner südlichen Ausrichtung und der daraus resultierenden, ungewöhnlich hohen Sonneneinstrahlung auch das Meran Osttirols genannt. Prägraten liegt auf 1309m Höhe und ist nach Virgen der zweitgrößte Ort (knapp 1200 Einwohner) in diesem langgesteckten Tal. Er umfasst das hintere Virgental mit den Seitentälern. Die Haupteinnahmequelle ist neben Landwirtschaft der Wander- und Bergsteigertourismus im Sommer sowie der Skilanglauf im Winter. Mehr Einzelheiten durch einen Klick auf  nachfolgende Links:

 

Tour-Zeitraum:

Die achttägige Tour wurde vom 01.07. bis zum 08.07.2018 durchgeführt

  

Teilnehmer:

Ich wurde dieses Mal von zwei 30jährigen Arbeitskollegen begleitet 

 

Tourgebiet:

Auch in diesem Jahr führte die 8tägige Bergtour wieder wegen der unendlichen Routen-Möglichkeiten, 

der phantastischen und weitgehend unberührten Natur sowie der bisherigen unwiederbringlich schönen Erlebnisse

wieder nach Prägraten im Nationalpark "Hohe Tauern" in Osttirol/Österreich

  

Gemeinde Prägraten im Virgental

Virgental

Virgentaler Hütten

Nationalpark "Hohe Tauern"

Grossglockner

Grossvenediger

 

Touren und Extras: 

Bergsteigen in Form von Gipfel- und Hochtouren in verschiedenen Schwierigkeitsgraden je nach Wetterlage  

Besichtigung der imposanten Wasserfälle"Krimmler Wasserfälle" und "Umbal Wasserfälle"

Besuch der Provinz-Hauptstadt Lienz

  

Unterkunft:  

Auch in diesem Jahr wie bereits 2017 wieder bei Familie Weiskopf

 im beschaulichen Dörfchen Prägraten im Virgental

 

 

Tourverlauf:

 

Vorab sei gesagt, dass ich den Großteil der diesjährigen Touren bereits 2017 allein absolvierte, mit vielen einzigartigen Landschaftsfotos. Daher legte ich den diesjährigen fotografischen Schwerpunkt auf die teilnehmenden Personen in dieser gewaltigen Landschaft.

 

Sonntag 01.07.2018: Morgens um 5.00Uhr befinde ich mich mit meinen Arbeitskollegen Coskun Okan Türkoglu (kurz Yoshi genannt) und Sven Wloch, beide ebenfalls in Berlin wohnhaft, auf der Autobahn Richtung Süden. Da die Sommerferien bereits begonnen haben, ist die Autobahn  an diesem Sonntagmorgen verhältnismäßig voll. Trotz einiger Staus und zähfließendem Verkehr kommen wir jedoch einigermaßen zügig durch.

 

Nachdem wir die deutsch-österreichische Grenze überfahren, die Autobahn verlassen und das Kaisergebirge passiert haben, machen oberhalb von Mittersill auf einem Panoramaparkplatz eine kurze Pause. Während eines kleinen Snacks machen wir hier ein paar Fotos und genießen die gewaltige Kulisse der Hohen Tauern, die sich uns hier bietet.

 

Danach führt uns der Weg ins Tal zum Ort Krimml zu den gleichnamigen, mit 385m Gesamtfallhöhe imposanten Wasserfällen.

 

"Krimmler Wasserfälle" Wikipedia-Info

"Krimmler Wasserfälle" Touristen-Info

 

Der Weg vom Parkplatz zum Scheitelpunkt der Wasserfälle führt in etwa einer Stunde in engen Serpentinen direkt am Wasserfall in die Höhe und fordert unsere Kondition erheblich. An der "Schettkanzel" auf 1460m Höhe stürzt die "Krimmler Ache" über drei gewaltige Stufen ins Tal. Nach ein paar Fotos und Videosequenzen gehen wir wieder hinab und genießen, filmen und fotografieren die Wasserfall-Aussichten auf einigen angelegten Aussichtskanzeln.

 

Wieder auf dem Parkplatz angelangt, lässt Sven erstmals seine mitgeführte Drohne aufsteigen und filmt die Wasserfälle aus der Höhe. (Einen Link zu den Drohnen-Aufnahmen findet Ihr am Schluss dieses Berichts) Nach Wiederaufbruch unterbrechen wir unsere Fahrt im Prägrater Ortsteil Bobojach nochmals, um den Gasthof Linder zu besuchen und unsere ersten Alpen-Köstlichkeiten der diesjährigen Tour zu genießen. Danach erreichen wir erst in anbrechender Dämmerung  die Pension von Petra und Toni Weiskopf. Meine beiden Mitstreiter übernehmen das Zweibett-, ich selbst mein vom letzten Jahr bekanntes Einbett-Zimmer.

 

Aufstieg: Zurückgelegte Strecke: 9km, Überwundene Höhe: 862m (hälftig jeweils im Auf- und Abstieg), Gehzeit: 2Stdn 30Min

 

Montag 02.07.2018: Gegen 7.00Uhr sitzen wir gemeinsam beim Frühstück und beraten unser erstes Ziel. Da ich meine beiden Mitreisenden und deren Kondition noch nicht genug kenne, beschreibe ich mehrere mögliche Tagestouren, darunter Tal- sowie Hüttenwanderungen und lasse Sven und Yoshi wählen. Nach einiger Zeit fällt die Entscheidung zugunsten der Berger-See Hütte. Ich kann Sven und Yoshi aufgrund des Drohnenverbotes innerhalb des Nationalparks davon abhalten, unnützes Gepäck in die Höhe zu schleppen.

 

Ca. 9.00Uhr brechen wir, queren unweit des Dorfes zunächst die Isel, dann den Zopatnitzenbach Richtung Lassnitzenalm, biegen im Wald jedoch linksseitig Richtung Zopatnitzenbach ab. An manchen Stellen genießen wir nochmals einen Rückblick auf Prägraten, bevor der Fahrweg endet. Von hier an führt uns ein schmaler Steig wesentlich steiler zunächst durch Wald, dann am Bach entlang durch üppigen Wildkrautwuchs, teils an steilen und rutschigen Hängen entlang. Aufgrund der hiesigen Schwüle sowie des steilen Aufstiegs sind unsere T-Shirts schnell schweißgetränkt, so dass ich es zum Beispiel vorziehe, oben ohne weiterzulaufen. Einige Male müssen wir Querbäche mit Rest-Schneefeldern überschreiten.

 

Unterhalb der Berger See Hütte wird das Gelände offener und eigentlich sollte hier eine Holzbrücke über den Zopatnitzenbach führen. Diese ist aber von einem großen Schneefeld verschüttet oder gar weggerissen. So müssen wir uns eine alternative Querung suchen. Da mir das Schneefeld zu unsicher ist, gehen wir noch ein bisschen weiter bachaufwärts und wechseln an einer engen Stelle.

 

Nach Überwindung dieser Gefahrenstelle wandern wir über einen offenen, seichten, sonnigen, daher blumenreichen Hang und gelangen auf den Verbindungweg Berger Alm zur Berger See Hütte, wechseln per Holzsteg nochmals die Bachseite und erblicken kurze Zeit später gegen 12.30Uhr unser heutiges Ziel.

 

Wir halten uns etwa eine Stunde an der Berger See Hütte (2181m) auf, wechseln bzw. trocknen unsere verschwitzte Kleidung, genießen Radler und Weizenbier sowie das kalte Wasser des Sees. Dann entschließen wir uns bezüglich des Rückweges für den Muhs-Panoramaweg, der uns über die Lasnitzenalm zurück nach Prägraten führen wird.

Vorher umwandern wir jedoch einmal komplett den See und genießen dabei die Alpenpanoramen, die sich hier bieten. Auf der Rückseite des Sees zeige ich den beiden Bergfreunden meine letztjährige Route über das Berger Törl, die man hier trotz der reichlich vorhandenen Schneefelder sehr gut verfolgen kann. 

 

Etwa 14.30Uhr auf dem Muhs-Panoramaweg angelangt, gehen wir noch eine Weile und etwa 200hm hinauf zur Zopatnitzenalm. Die Schutzhütte erreicht, in der ich im letzten Jahr während eines schweren Gewitters Zuflucht fand, machen wir eine kurze Trinkrast. Hier genießen wir gemeinsam das Virgental-Panorama. Wir entschließen uns, noch wenige hundert Meter bis zum höchsten Punkt, dem Kraftplatz "Muhs Pyramide" zu laufen und machen hier eine ausgedehnte Rast, plündern unseren Proviant und genießen hier auf 2375m Höhe die phantastischen Panoramen bis in die Eisriesenwelt des Venediger-Massivs. Erst gegen 17.00Uhr treibt uns aufkommender Appetit zum Abstieg. Jetzt nur noch abwärts wandernd, überwinden wir nochmals ein großes Schneefeld und erreichen nach gefühlt ewiger Zeit die Lasnitzenalm und die gleichnamige Hütte auf 1895Höhenmeter. Da wir erwarten, für ein Abendessen zu spät ins Tal zu kommen, probieren wir hier die angebotenen Lamm- und Wildgerichte.

 

Auf dem weiteren Rückweg durchlaufen wir unweit der Hütte eine Schneefeldhöhle und erkennen in der Rücksicht, dass der Lasnitzenbach wegen der nordseitigen Talausrichtung noch weitgehend mit Schneefeldern bedeckt ist, somit das sonst laute Rauschen des Wassers enorm unterdrückt wird.

 

Über den in einigen Serpentinen hinabführenden Fahrweg erreichen wir zunächst unsere Abbiegestelle im morgendlichen Aufstieg, nach insgesamt etwa eineinhalb Stunden auch unsere Bleibe in Prägraten.

 

Prägraten-Berger See Hütte: Strecke: 6,76km / Höhenunterschied: 874m+ / Gehzeit: 2Stdn

Berger See Hütte-Prägraten: Strecke: 10,5km / Höhenunterschied: 193m+ / 1067m- / 3Stdn

Gesamtstrecke: 17,3km, Höhe: 1067+ / 1067m-, Gehzeit: 5Stdn

 

Dienstag 03.07.2018: Beim gemeinsamen Frühstück erkennen wir, dass die gestern zurückgelegte Strecke unsere Muskeln doch sehr beansprucht hat. Sven erkennt zudem, dass er einen heftigen Sonnenbrand erlitten hat. Heute und in den nächsten Tagen ist unbeständigeres Wetter mit leicht zurückgehenden Temperaturen vorhergesagt. Erst zum nächsten Wochenende soll sich das Wetter wieder entscheidend bessern.

 

Das bedeutet für mich, dass eventuelle Gipfeltouren in Lagen ab 3000m komplett ausfallen, denn hier liegt der Schnee immer noch meterhoch. Aus diesem planen wir auch für den heutigen Tag eine gemächlichere Besichtigungstour per Auto. Ich unterbreite den Vorschlag, meine letztjährige Erkundung nach Matrei und Lienz sowie zum  Großglockner (Mehr Infos und Fotos dazu im Bergtour-Bericht 2017) wegen der schönen Erlebnisse zu wiederholen, was von beiden gern angenommen wird.

 

Wir besuchen zunächst die Ausstellung "150 Jahre Alpenverein" im Haus des ÖAV, die die Entwicklungsgeschichte des Bergsteigens beschreibt,  dann das unweit entfernt liegende Nationalpark-Zentrum in Matrei, in der die Geschichte des größten Nationalparks in der gesamten Alpenregion sowie des ältesten Nationalparks Österreichs dokumentiert ist. Nachfolgend führt uns die Erkundungstour in die wunderschöne Kreisstadt Lienz nahe der italienischen Grenze.

 

Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher zum sehenswerten Staniskabach-Schleierwasserfall und weiter zum Großglockner, dem mit 3798m höchsten Berg Österreichs. Leider hält das Wetter nicht mehr sehr lang. Das Lucknerhaus auf 1920Höhenmeter am Ende der Kalser Glocknerstrasse erreicht, erwartet uns ein immer wieder in dichten Wolken versinkender Großglockner, wenig später beginnt es heftig zu regnen und die Temperaturen fallen ab. Wir retten uns zunächst ins Lucknerhaus, beenden die Tour schließlich wegen fehlender Aussicht auf Wetterbesserung. 

 

Unser Abendessen genießen wir heute wieder zeitig im Gasthof Linder. 

 

Die heute zurückgelegten Strecken und überwundenen Höhenmeter sind nicht erwähnenswert.

 

 

Mittwoch 04.07.2018: Beim gemeinschaftlichen Frühstück ist auch heute Sven´s erlittener Sonnenbrand Thema Nr. 1, denn dieser hat sich insofern verschärft, dass sich dicke und teilweise bereits geöffnete Blasen an Nacken und Beinen gebildet haben. Wir entscheiden uns auch aufgrund der Wettervorhersage für eine simple Berg-Rundwanderung zur Stabanthütte und weiter zur Bodenalm. Auch Sven versucht mitzulaufen, muss aber nach wenigen hundert Metern aufgrund großer Schmerzen seine heutige Teilnahme abbrechen. Er wird sich an diesem Tag mit seiner Drohne beschäftigen. Dazu gleich mehr.

 

Yoshi und ich gewinnen über die Strasse nach Bichl langsam an Höhe. Wenig später haben wir die Auswahl, Wald- oder Forstweg. Die Entscheidung fällt zu Gunsten des kürzeren Waldweges, dieser führt nun mäßig steil zur Stabant-Hütte (1777m), wo wir uns eine erste Trinkrast gönnen. (Archivbild unten, eigene Fotos im Bericht 2017)

 

Bei weiter stabilem Wetter entscheiden wir uns für den Übergang zur Bodenalm, der schon bald durch einen dunklen und verwünscht erscheinenden Märchenwald, durch und vorbei an riesigen haushohen Steinblöcken, führt. Als wir diesen verlassen, wird das Gelände bis zum Abzweig zur Sajathütte recht steil. Hier erreichen wir heute erstmals die 1900m Marke, steigen nun aber zunächst wieder durch offenes Hanggelände in Richtung Bodenalm ab. Am zu querenden Zopsenbach hindert uns ein großes Restschneefeld am ungehinderten Übergang. Wir kreuzen daher den Bach leicht unterhalb des Feldes. Nachdem wir den "Bichler Wald" durchwandert und dabei oberhalb von Bichl unserer Aufstiegsstrecke auf knapp unterhalb von 1600Höhenmeter sehr nahe gekommen sind, öffnet sich das Gelände auf dem sogenannten "Dorfermähder". Wir wandern jetzt stets bergauf unterhalb mächtiger Felsabstürze, queren dabei weites Gras- und Schottergelände mit üppigen Kräuter- und Blumenhängen. Wir bemerken nicht, dass wir hier von Sven´s Drohne verfolgt, beobachtet und fotografiert werden. Auf einer Bank machen wir eine längere Trink- und Essensrast und genießen dabei die Aus- und Übersichten auf das im Tal liegende Prägraten, auf die vor uns auf der gegenüberliegenden Hangseite befindliche und vorgestern bewanderte Berger See Hütte sowie den "Muhs-Panoramaweg".

 

Im weiteren Wegverlauf erreichen wir den Timmelbach, kreuzen diesen über einen schmalen Steg unterhalb des Wasserfalls, der seinen Ablauf ins Vigental darstellt. Nach einem weiteren Wechsel in Waldgelände erreichen wir die Bodenalm (1948m) wenig später und genießen hier Radler und Weizenbier. 

 

Das stete Auf und Ab dieses Tages sowie der sich verdunkelnde Himmel erleichtern uns die Entscheidung, nun doch ins Tal abzusteigen. Wenige Minuten nach unserer Rückkehr setzt Regen ein.

 

Gesamtstrecke: 10,9km, Höhe: 639m+ / 639m-, Gehzeit: 3Stdn 45Min

 

Donnerstag 05.07.2018: Schon am Vorabend habe ich mir Gedanken zu heute möglichen Touren gemacht und mir diesbezüglich per Tablet Informationen aus Internet, Alpenführer und Kartenmaterial gezogen. Dabei habe ich für mich entschlossen, heute endlich eine Gipfeltour zu wagen.

Beim heutigen Frühstück teile ich Yoshi und Sven meinen Entschluss mit, denn die Wetterprognose ist günstig und der Blick aus meinem Stubenfenster bestätigt das. Es soll wechselnd bewölkt sein, erst im Verlauf des Nachmittags soll es unbeständiger werden und eventuell regnen. Ich habe den Rotenkogel (2762m) über Matrei ausgesucht, dessen Gipfelbesteigung ich im letzten Jahr bei widrigem Wetter aufgeben musste. (Bericht 2017). Beide Bergfreunde verneinen ihr Interesse zur Teilnahme, wollen einige Drohnenaufnahmen in der Umgebung machen.

 

Bevor sie jedoch ihren eigenen Interessen nachkommen, fahren sie mich nach Matrei zur Talstation der Goldried-Seilbahn in Matrei. Wir sind frühzeitig dort und fahren gemeinsam mit eine der ersten Bahnen hinauf zur gleichnamigen Bergstation. Hier besprechen wir uns noch kurz, dann verabschiede ich mich gegen 9.30Uhr schnell in Richtung Gipfel, denn ich möchte ihn noch vormittags erreichen, um das Wetterrisiko zu minimieren. 

 

Beim Anstieg über den Fahrweg sehe ich die beiden noch einige Male im Rückblick. Spätestens ab der Einstiegstelle zur Gipfeltour in Nähe der Bergstation Cimaross auf 2400m Höhe konzentriere ich mich nur noch auf den jetzt beginnenden Gipfelanstieg. Mit reichlich Energie geht es zunächst in kleinen und größeren Stufen 300hm hinauf zum 2702m hohen Gorner. An diesem vorbei führt der Steig über ein Schneefeld, an einer steil abfallenden Flanke entlang, dann wieder hinauf auf den schmalen Gratrücken entlang bis zu einem Felsbuckel, an dem ich letztes Jahr dieses Vorhaben abbrechen musste. Weiter dem zu beiden Seiten steil abfallenden Grat entlang genieße ich mehrmals das sagenhafte Panorama zu allen Seiten, muss dabei aber aus Sicherheitsgründen jeweils verweilen. Die Bewölkung ist zwar tief, lässt aber trotzdem recht klare Blicke ins nahe Umland zu. Auch die Herzform des im gleichnamigen Kar liegenden Goldriedsees ist von hier oben klar zu erkennen.

 

Im weiteren Verlauf ist jetzt unbedingte Trittsicherheit und Schwindelfreiheit gefordert. Der Steig wird immer schmaler, wechselt mehrere Male die Seiten über extrem schmale Grate, führt an mehreren ausgesetzten und absturzgefährdeten Stellen entlang, die teils mit Drahtsicherungen versehen sind, dann über ein großes Geröllfeld mit lockerem Blockgestein, um dann irgendwann endlich den Blick auf den Schlussanstieg freizugeben. Um 11.15Uhr erreiche ich nach endlos erscheinenden knapp 2Stunden das ungewöhnliche Gipfelkreuz auf 2762m Höhe und mache trotz der recht großen Menschenansammlung meine ersten Gipfelselfies. Es dauert nicht allzu lang, da beruhigt sich diese Szenerie, denn die Bergsteigergruppe steigt wieder ab und ich verbleibe mit einem weiteren Paar allein hier oben. Wir fotografieren uns gegenseitig, danach mache ich eine ausgedehnte Trink- und Essensrast und genieße das sagenhafte Panorama ins Defereggen-Gebirge, ins Virgental mit Lasörling- und Venediger- Umrahmung, gegen das Glocknermassiv und die Schobergruppe sowie bis zu den Lienzer Dolomiten.

Nach einer halben Stunde breche ich zum Abstieg auf, da sich ein Regengebiet zu nähern scheint. Über die gleiche Route aber in Gegenrichtung, bewältige auch diese Strecke ohne weitere Hindernisse und befinde mich bereits um 13.00 an der Adler Lounge auf 2200hm. Kaum eingekehrt, trifft die erwartete Wetterverschlechterung ein und es regnet unerwartet stark. Ich genieße währenddessen einen heißen Kakao und frische Krapfen und lasse dabei zufrieden die zurückliegende Strecke gedanklich noch einmal Revue passieren, poste Gipfelfotos an Yoshi und Sven sowie einige weitere gute Freunde und meine Partnerin.

 

Als der Regen nachlässt, breche ich gegen 13.45Uhr zur Bergstation der Goldriedbahn auf. Dichte Nebel- und Regenwolken behindern nun die Sicht auf die Berggipfel sowie ins Tal und kurzzeitig legt sich ein feiner weißer Schleier auf das Gestein ab ca. 2600Höhenmeter. Jetzt werden oben am Grat wahrscheinlich ähnliche Verhältnisse herrschen wie im letzten Jahr, als ich meine Gipfeltour abbrechen musste. Dieses Jahr war ich in einer glücklicheren Situation.

 

Beim weiteren Abstieg und während der Seilbahnfahrt ins Tal bessert sich das Wetter langsam. Meine verständigten Abholer erreichen die Talstation wenig später als ich. Auf dem Rückweg fahren wir gleich zum Gasthof Linder in Bobojach, genießen hier Alpenspezialitäten und unterhalten uns über das bis jetzt Erlebte. Da Sven sich wieder zu großen Taten möglich fühlt und sich das Wetter in den kommenden zwei Tagen entscheidend bessern soll, beschließen wir für morgen den Besuch des verlassenen Umbaltals.

 

Am Abend erhalte ich noch ein rührendes Dankeschön. In der Nacht regnet es noch einige Male ergiebig.

 

Gesamtstrecke: 8,6km / Höhe: 619m+ 619m- / Gehzeit: 2Std 15Min im Aufstieg / 1Std 15Min im Abstieg

Freitag 06.07.2018: Da der Wetterbericht für diesen Tag relativ angenehmes, wenn auch ab Mittags schauriges Wanderwetter vorhersagt, wollen wir die angestrebte Tour zu den Umbal-Wasserfällen, ins dahinterliegende gleichnamige Hochtal und eine Besichtigung des ebenfalls gleichnamigen Gletscher an dessen Ende durchführen. Je nach Vorankommen ist diese Tour als Ein- oder Zweitagestour mit möglicher Übernachtung auf der Clarahütte geplant.

 

Gleich nach Frühstück fahren wir mit dem Auto ans Ende des Virgentals und beginnen unsere heutige Tour auf dem Parkplatz Ströden (1403m) unweit des  Nationalpark-Eingangs. Schon bald erreichen wir per Fahrweg die Islitzer Alm auf 1513m Höhe und wenig später den Aufgang zu den gewaltigen Umbal-Wasserfällen am Eingang des gleichnamigen Tals.

 

"Umbalfälle" Wikipedia-Info 

 

Da wir noch einen weiten Weg bis zur Clara-Hütte vor uns haben und der Anstieg per Wasserschaupfad kräfteraubend ist, dränge ich dazu, diese Strecke erst einmal mit möglichst wenigen Unterbrechungen zu absolvieren. Aufgrund des Regens der vergangenen Tage ist der Boden sehr nass und an einigen Stellen aufgeweicht, was den Aufstieg zusätzlich erschwert. Die Alpen-Salamander scheint das jedoch zu freuen. Unzählige dieser Tiere sind hier momentan unterwegs. Einige Aussichten auf den tosenden 130m hohen Wasserfall genießen wir dennoch kurz.

 

Den Wasserschaupfad gegen 9.30Uhr passiert, führt uns nun ein Fahrweg bis Holzbrücke über den Umbalbach. Wir befinden uns hier auf ziemlich genau 1900Höhenmeter und haben bereits 600hm und einige Kilometer Gehweg überwunden. Da Yoshi´s Kondition bereits sehr gelitten hat, machen wir eine erste Trink- und Essensrast.

 

Im weiteren Verlauf verjüngt sich der Gehweg danach zu einem sehr schmalen Steig und führt hoch am immer steiler werdenden Hang oberhalb des Umbalbaches entlang. Absolut haben wir nun lediglich noch 100Höhenmeter Steigung bis zur Hütte zu überwinden. Das stete Auf und Ab des Steiges vervielfältigt aber die real zu überwindenden Höhenmeter und die scheinbare Endlosigkeit zehren an Konzentration und Kondition. Beides ist jedoch gerade jetzt gefragt, denn ein Fehltritt kann hier schnell zum meterhohen und gefährlichen Absturz ins steinerne Bachbett führen. Zu allem Übel steigt die Luftfeuchtigkeit gerade jetzt stark an und wenig später beginnt mäßiger Regen.

 

Da es Yoshi sichtbar immer schlechter geht, bleibe ich nahe bei ihm. Wir verlangsamen unseren Gang und machen vermehrt kurze Pausen. Erst um ca. 14.30Uhr erreichen wir endlich glücklich die Clarahütte auf 2038hm. Nach ersten Fotos (die Erleichterung ist Yoshi ins Gesicht geschrieben) lassen wir uns in der Hütte nieder und beraten zu dritt, was jetzt zu tun ist. Ich bestelle Getränke und DAV-Bergsteiger-Imbiss. Yoshi´s Zustand bessert sich nicht, er hat Kopfschmerzen, ist appetitlos und müde, hat Schwindelgefühle und übergibt sich wenig später auf dem WC. Alles deutet auf Anzeichen von  Höhenkrankheit hin, die allerdings auf knapp über 2000m äußerst selten ist.

 

Eigentlich wollten wir gleich gemeinsam weiter zum Gletscher, was aber aufgrund Yoshi´s Zustand unmöglich ist. Dagegen spricht ebenso, dass die Nässe die notwendige Überwindung einiger vom Gletschereis geschliffener Felsen zu einem äußerst gefährlichen Abenteuer macht. Wir könnten hier übernachten und morgen gemeinsam weitergehen, falls sich Yoshi´s Zustand bessert. Sven möchte jedoch unbedingt heute noch zum Gletscher, trotz der Gefahrenlage. Einerseits würde ich ihn gern begleiten, entscheide mich jedoch schlussendlich dagegen und für den Verbleib bei Yoshi, um notfalls mit ihm abzusteigen. Sven macht sich wenig später auf den weiteren Weg ins Umbaltal.

 

Yoshi und ich verbleiben noch einige Zeit in der Hütte, entschließen uns jedoch trotz leichter Besserung seines Befindens zum gemeinschaftlichen Abstieg. Mit abnehmender Höhe und jedem Kilometer Rückweg geht es Yoshi nun deutlich besser und die Erkenntnis reift, dass der Wiederabstieg das einzig richtige in dieser Situation war. Jetzt absolvieren wir die Strecke deutlich schneller als im Aufstieg. Daher gönnen wir uns,  am Wasserfall angekommen, noch einige Zeit, die verschiedenen Aussichten auf die tosenden Fluten zu genießen. Jetzt zeigt sich auch die Sonne wieder erstmals zögerlich.

 

Gegen 17.30Uhr erreichen wir den Parkplatz Ströden. Da Sven uns dankenswerter Weise den PKW-Schlüssel überlassen hat, fahren wir umgehend nach Prägraten, erfrischen uns und sind froh, das heutige Abenteuer letztlich erfolgreich beendet zu haben. Sven meldet sich erst sehr spät zur Abholung vom Parkplatz, so dass wir das gemeinsame Essen gleich anschließen. Wie erwartet hat er den Gletscher nicht erreichen können. (Meine Eindrücke in diesem Tal ausführlich in den Vorberichten) In der Dunkelheit brechen Sven und Yoshi nochmals mit dem Auto auf, um den aufklarenden Sternenhimmel zu fotografieren. Den Link zu diesen Fotografien findet Ihr am Schluss dieses Berichts.

 

Gesamtstrecke: 13km, Höhe: 635m+ / 635m-, Gehzeit: 4Stdn im Aufstieg / 2Stdn im Abstieg

Samstag.07.07.2018: In der Nacht ist mein Entschluss gereift, heute nochmal einen Gipfel-Alleingang zu versuchen. Dafür habe ich mir dieses Mal den Berger Kogel 2656m in unmittelbarer Nähe von Prägraten ausgesucht. Beim Frühstück teile ich das den anderen beiden mit, die daraufhin nochmals per Auto und Drohne die nähere Umgebung erkunden wollen.

 

Bei Aufbruch besichtige ich zunächst die Pfarrkirche "Zum heiligen Apostel Andreas". Sie ist wie viele Alpenkirchen außen schlicht, innen jedoch reich geschmückt. Der umliegende Friedhof trägt viele kunstvoll geschmiedete Kreuze.

 

Über die Isel hinweg erreiche ich bei mehr oder weniger bewölktem Himmel den Aufstieg zum Wetterkreuz. Hier lädt eine Bank mit Panoramablick auf Prägraten und darüber die mit Yoshi begangene Route (Stabanthütte-Bodenalm) zum Verweilen ein. Dann führt mich der Steig steil und über einige Serpentinen, mal durch dichten Wald, mal durch üppige Staudenwiesen, den Hang hinauf zum Wetterkreuz auf 2148m. Jetzt lichtet sich der Wald und im Wiesengelände öffnen sich nun Ein- und Ausblicke in und auf die umgebende Bergwelt. Hier oben lässt sich die Berger-See Tour vom Wochenanfang mit den Schneefeldern im Aufstieg, sowie der Muhs-Panoramaweg bis zur Pyramide noch einmal nachvollziehen, auf der gegenüber liegenden Talseite ist die Eiswelt des Venediger-Massivs gut erkennbar. Nun habe ich die Wahl: Geradeaus geht es weiter Richtung Gipfel, links zur Berger Alm, rechts zur Berger Hütte. Da sich der Himmel immer wieder verdächtig zuzieht, gehe ich noch etwas in die Höhe, lege mich dann aber ins Gras und genieße die relativ schnell ziehenden Wolken. Zwischendurch schließe ich die Augen und genieße mit den verbleibenden Sinnen die Umgebung. Der Antrieb zu einem heutigen Gipfelsieg ist mir nun völlig abhanden gekommen.

Bestimmt eine Stunde lang verbleibe ich so an dieser Stelle. Als sich der Himmel weiter zuzieht und es merklich kühler und windiger wird, gehe ich zum Wetterkreuz zurück, biege dort Richtung Berger Alm (1840m) ab und gehe gemütlich des Weges. Dort angekommen, genieße ich noch einmal den Panoramablick durch das vordere Virgental gegen den vorgestern erst bestiegenen Rotenkogel und das dahinter liegende Grossglockner-Massiv. Ein paar Fotos von den wunderschönen Almhäusern gemacht, beginne ich den steilen und manchmal schwierigen Abstieg durch den Wald zur Isel hinunter, laufe dann am Fluß entlang bis zum Zopatnitzenbach. Ich verweile hier noch einige Male und lasse die Tour-Woche Revue passieren, bevor ich diese mit Überschreitung der Isel abschließe.

 

Nach Eintreffen der beiden Mitstreiter schließen wir den Abend mit nochmals leckeren alpinen Wildgerichten im Gasthaus Linder in Bobojach ab.

 

Gesamtstrecke: 13km / Höhe: 890m+ /890m- / Gehzeit: 1Std 30Min im Aufstieg, 1Std 30Min im Abstieg

 

Die Tourdaten der gesamten Woche:

Gesamtstrecke: 61,8km / Höhe: 4712m jeweils im Auf- und Abstieg / Gehzeit: 23Stdn 45Min

 

Sonntag: 08.07.2018: Nach dem letzten gemeinsamen Frühstück beginnen wir unsere Rückfahrt. Ohne große Staus oder andere Hindernisse erreichen wir nachmittags Berlin.

 

Fazit dieser Tourwoche: Trotz Mitnahme der beiden Bergneulinge habe ich einiges an Streckenkilometern und Höhenmetern geschafft. Leider blieb die Gipfelausbeute auch dieses Jahr weit hinter meinen eigenen Erwartungen zurück, was aber eher am mäßigen Wetter lag. Die Woche hat mir und hoffentlich auch meinen beiden Mitstreitern trotz kleinerer Hindernisse viel Spaß gemacht. Daher werde ich im Jahr 2019 nochmals später zu meiner Bergtour aufbrechen. Ziel ist der späte August bis Anfang September. 

 

Nun anschließend noch zwei Links zu Film und Fotoaufnahmen meines Begleiters Sven Wloch:

 

  Hier geht´s zu Sven´s Drohnenaufnahmen...bitte klicken

Hier geht´s zu Sven´s Fotografien...bitte klicken

 

 

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Kommentare: 3
  • #3

    Norbert Schmidt (Dienstag, 11 Dezember 2018 05:56)

    Liebe Jeanette, danke für das Kompliment und das Angebot von Hamdi, dass ich gerne annehmen möchte. Würde gern mit ihm einige Exkursionen in den nahen Taurus machen und freue mich schon darauf!

    Lieben Gruß an Euch beide auch von Chrissi

  • #2

    Loher Jeannette (Montag, 10 Dezember 2018 20:46)

    Toll die bilder Hamdi und ich haben gestaunt wie du noch fit bist� Er will wenn du wieder in alanya bist mit dir auch eine bergtour machen im türkischem stil�

  • #1

    Norbert Schmidt (Montag, 10 Dezember 2018 16:36)

    Ich mache hier mal selbst den Anfang und hoffe auf möglichst rege Inanspruchnahme!!!

    Also los ….und viel Spaß!!!



 

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