2016 - Im Nationalpark "Hohe Tauern"

 

 

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Bergtour-Bericht in Text und Bild:

 

Ort und Umgebung:

 

Das Virgental mit seinem Hauptort Virgen (1194m) sowie den Nebenorten Prägraten und Hinterbichl liegt, umrahmt von den Bergmassiven des Venediger- und Lasörlinggebietes mit zahlreichen 3000er Gipfeln, in Osttirol in unmittelbarer Nähe des Felbertauerntunnels im Nationalpark Hohe Tauern. Das Virgental wird wegen seiner südlichen Ausrichtung und der daraus resultierenden, ungewöhnlich hohen Sonneneinstrahlung auch das Meran Osttirols genannt. Virgen ist eine alte keltische Siedlung, wurde um 1170 erstmals urkundlich erwähnt und hat heute ca. 2000 Einwohner. Der Ort liegt im größten Nationalpark Österreichs und umfaßt das gesamte Gebiet "Hohe Tauern". Im Gebiet des Nationalparks sucht man Skilifte vergebens, dafür findet man eine weitgehend naturbelassene alpine Tier- und Pflanzenwelt. Gämsen, Steinböcke und Adler sowie Bartgeier (Europas größter Greifvogel) trifft man hier an und auch Bär und Wolf halten wieder Einzug in den teils verlassenen Tälern. Mehr Einzelheiten durch ein Klick auf  nachfolgende Links:

 

Bilder: DAV-Internet-Fotos

Tourverlauf:

Freitag 17.06.2016 - Anfahrt und Eingangstour zur Ruine Rabenstein (1409m): Endlich ist es wieder soweit und meine Bergtour kann beginnen, die ich dieses Mal aufgrund der positiven letztjährigen Erfahrungen von vornherein für mich allein, nun jedoch in die 3000er Höhen geplant habe.

 

Bereits um 2Uhr in der Nacht befinde ich mich auf der Autobahn A9 und fahre aus dem Dauerregen Berlins in Richtung Süden, mit der Hoffnung auf besseres Wetter. Denn davon hängt entscheidend ab, ob ich meine diesjährigen Bergsteiger-Pläne realisieren kann. Das sind Ein- sowie Mehrtagestouren, mehrheitlich als Höhenwanderungen. Bei günstigen Voraussetzungen ist auch dieses Mal (wie bereits 2000 und 2002) eine Gipfelbesteigung auf den vierthöchsten Berg Österreichs, den Großvenediger (3657m) geplant. Dafür habe ich mir einige zusätzliche Ausrüstungsgegenstände (Helm, Leichtsteigeisen und Klettersteigausrüstung) neu zugelegt, die ich nun natürlich gern ausprobieren möchte. Übernachten werde ich im Hause Kratzer im Virgener Ortsteil Mitteldorf (1089m), eventuell werden auch Übernachtungen in Berghütten nötig sein. Als ich die Alpen erreiche bessert sich mit dem Wetter auch meine Laune und bei der Grenzüberfahrt nach Österreich ist erstmalig strahlend blauer Himmel mit ungehindertem Sonnenschein zu sehen.

 

Nach 957 Kilometern erreiche ich gegen 13.00Uhr die Pension der Gastfamilie Kratzer im Virgener Ortsteil Mitteldorf (1089m), werde dort freundlich empfangen und bekomme mein Zimmer zugewiesen. Nach dessen Beziehen und kurzen Einführungsgesprächen mit meinen Gastgebern mute ich mir als Eingangstour den Aufstieg zur Burgruine Rabenstein (1409m) zu, muss diesen jedoch wegen eines aufziehenden heftigen Gewitters kurz vor Erreichen abbrechen. Als Belohnung sehe ich allerdings später einen wunderschönen Regenbogen!

 

Abends kehre ich ins Virgener Gasthaus "Panzl Bräu" ein und lasse mich mit echten "Tiroler Gröstl" verwöhnen.

 

Laufleistung: 540Höhenmeter, hälftig auf und ab, 6km Wegstrecke, 2Stdn Gehzeit

 

Bilder von links nach rechts: 3x Hinfahrt, Pension Kratzer, Aufstieg z. Ruine, Erkeraussicht, Regenbogen, Neue Ausrüstung

 

Samstag 18.06.2016 - Zur Gottschaunalm (1946m): Heute frühstücke ich erstmals in der Pension und unterhalte mich währenddessen mit meinen Gastgebern. Dabei erfahre ich, dass der Bergwinter erst spät begann, dann lang anhielt und sich bis in den Tagen vor meiner Fahrt hierher eine sehr kühle und regnerische Witterung hielt. Dadurch hält sich auch der Schnee in den Bergen bis heute großflächig. Mein Ausblick auf die umliegenden Berge bestätigt diesen Eindruck und auch in der letzten Nacht hat es noch Schneeschauer oberhalb der 2500m Grenze gegeben. Das bestätigt das frische Weiß der Berge ab dieser Höhenmarke und verspricht zunächst nichts Gutes für meine kommenden Vorhaben.

 

Aufgrund der gestrigen Wettererlebnisse möchte ich heute die Eingangstour nachholen, dieses Mal aber zur Gottschaunalm aufsteigen, muss allerdings erfahren, dass diese aus Wettergründen wohl erst einen Tag später öffnet. Trotzdem werde ich heute diese Tour gehen, um erstmals die 2000m Marke zu erreichen, mich so zu akklimatisieren und einen eigenen Eindruck der Schneeverhältnisse oberhalb dieser Marke zu bekommen, um die Tourmöglichkeiten für die nächsten Tage abzuschätzen.

 

Interessante Gespräche und Informationen führen dazu, dass ich heute erst um ca. 9.30Uhr meine Tour beginne. Über den Ortsteil Marin erreiche ich den mit vielen Kreuzen gesäumten Weg zur Allerheiligenkapelle (1693m), gewinne auf ihm schnell an Höhe und erreiche die Kapelle gegen 11.00Uhr. Nach einer Trinkrast und ein paar Fotos gehe ich nun die zweite Etappe und erreiche die Gottschaunalm (1946m) nach knapp einer weiteren Stunde gegen 12.15Uhr.

 

Hier mache ich eine ausgedehnte Mittagsrast, genieße dabei die Aussicht auf die gezuckerten Gipfel ringsum und erinnere mich an die schönen Erlebnisse im Jahre 2000 und 2002 während der damaligen Bergtour mit meinen damaligen Sendener Bergkameraden. Die Schneeverhältnisse oberhalb der Gottschaunalm im Nilltal lassen mich erahnen, dass der geplante Aufstieg in größere Höhen schwierig aber vielleicht in ein paar Tagen gangbar ist, sofern die Temperaturen noch, wie vorhergesagt, steigen. Mit einer Mutter, die mit ihren beiden kleinen Söhnen ebenfalls den Aufstieg über den sogenannten Waldweg gemeistert hat, führe ich ein angenehmes kurzweiliges Gepräch, bis sich eine dicke dunkle Wolkenwand aus Nordwest über die gegenüber liegenden Gipfel schiebt und ein leises Grollen aufkommendes Gewitter verspricht. Die Mutter steigt aus Angst um ihre KInder eilig ab und auch ich breche bald danach auf, nehme allerdings meinen Aufstiegsweg. Es ist etwa 13.30Uhr

 

Als ich mich im Wald befinde bricht plötzlich die Hölle los. Es blitzt und knallt ein paar mal fürchterlich. Ich stülpe mir noch schnell die mitgeführte Regenjacke über, dann fallen Unmengen an Wasser zu Boden. Der Wald um mich herum verschwindet in den Wolken, um mich herum herrscht nur noch dichter Nebel und überall am Berghang scheinen kleine Quellen zu entspringen, die den Abstieg über Baumwurzeln und lockerem Gestein äußerst rutschig und gefährlich machen. Jeder Schritt muß sitzen, ich denke in diesem Moment auch an die junge Frau mit ihren Söhnen, die wahrscheinlich ebenfalls in dieses Wetter geraten ist und mache mir Sorgen um die drei! Nach endlos erscheinendem Abstieg bin ich erleichtert, irgendwann wieder den befestigten Wirtschaftsweg zu betreten. Bis kurz vor meiner Unterkunft regnet es noch heftig weiter und ich erreiche trotz Regenjacke pudelnass gegen 15.00Uhr meine Unterkunft. Paradoxer Weise hört nun der Regen auf...ist das ein Zeichen?

 

Nach Dusche und Erfrischung probiere ich heute im "Panzl Bräu" einen "Jägerteller", anschließend plane ich die Touren der nächsten Tage.

 

Laufleistung: 1710Höhenmeter, hälftig jeweils auf und ab, 14km Strecke, 4Stdn Gehzeit...ein guter Anfang, aber die Beine brennen.

 

Bilder: 1+2 Kreuze am Wallfahrtspfad, 3+4 Allerheiligenkapelle, 5-8 Gottschaunalm, 9 Aufziehendes Gewitter

 

Sonntag 19.06.2016 - Höhenweg Virgen/Prägraten Auch heute sind zum Nachmittag noch gewittrige Schauer angesagt. Deshalb entschließe ich mich zu einer Höhenwanderung oberhalb des Virgentales, so dass zu jeder Zeit notfalls ein schneller Abstieg gewährleistet ist!

 

Gleich nach dem heutigen Frühstück breche ich bereits um kurz vor 8.00Uhr auf und passiere beim Aufstieg zunächst einen Felsenofen. Er zeugt noch heute vom Respekt der Ureinwohner dieses Tales vor dem Feuer und große Furcht vor Haus- und Hofbränden. Hier wurden einst die Brote meist für mehrere Höfe gebacken. Auf meinem weiteren Weg zur Burgruine passiere ich auch mehrere Viehsperren, die mir Verhaltens-Hinweisen versehen sind und von einer immer geringeren Naturverbundenheit und Sorglosigkeit einiger Mitmenschen zeugen. Wenig später betrete ich das Feld die Burgruine Rabenstein (1409m), besichtige und fotografiere die Überreste einer einst stolzen Festung und mache unterhalb dieser eine erste kurze Rast.

 

Bilder: 1 Aufstieg zur Ruine, 2 Steinmännchen, 3 Felsenofen, 4 Einblicke ins Gebirge, 5 Gatterhinweis, 6 Viehsperre,

7 -11 Ruine Rabenstein, Rast und Ausblick

 

Bei Wiederaufbruch befinde ich mich bereits auf dem Höhenweg und bewege mich nun zunächst auf Höhen um die 1400m, als der Höhenweg durch eine Großbaustelle am Firschnitzbach jäh unterbrochen und über eine Behelfsbrücke umgeleitet wird. Als ich die Baustelle umwandert habe erfahre ich den Grund für die Maßnahme: Aufgrund der Murenkatastrophe vom 04.08.2012  und der darauf folgenden schwierigen Aufräumarbeiten wird hier ein 14m hoher Ablenkdamm erbaut, der zukünftige große Murenabgänge abmildern soll. Das Gelesene weckt meine Wachsamkeit in Bezug zu allgemeinen Berggefahren und behütet mich vor allzu großer Risikobereitschaft, auch in den nächsten Tagen.

 

Der Weg führt mich jetzt über Marin (1385m) an der gleichnamigen Kapelle vorbei in Richtung Obermauern (1303m). Hier raste ich oberhalb dieses Virgener Ortsteiles für ein paar Schluck isotonischen Getränks am Nillbach auf einer bereitgestellten Bank. 

 

Bilder: 1-3 Aus- und Ansichten, 4-5 Baustelle Firschnitzbach, 6-8 Marin Kapelle, 9-10 Nillbach-Rast

 

Im weiteren Verlauf dieses Höhenweges besichtige ich die uralte sehenswerte 1456 erbaute Wallfahrtskirche "Maria Schnee" in der Obermauener Ortsmitte, die mit vielen uralten Fresken (Kindheitsgeschichte Jesus) und auch sonst mit üppiger Innenaustattung versehen ist sowie von ebenso alten Holzhäusern umrahmt wird. Dieser Ort hat mich schon während meiner letzten Touren immer wieder fasziniert.

 

Bilder: 1 "Kirche "Maria Schnee"-Aussenansicht, 2-9 Innenansichten, 10+11 Aussenfresko und Bildhauerei,

12-14 Umbauung und Aussenansicht

 

Von Oberrmauern führt mich der Höhenweg nun über "Burg", (1404m hoher Abschubriegel urzeitlicher Gletscher) und "Hohe Bank" (1450m), Richtung Bobojach und  Prägraten. Auf diesem Teilstück erreiche ich die heutigen höchsten Geländepunkte mit herrlichen Talaussichten (Video), an denen ich mich kurzzeitig niederlasse, ein paar Schluck trinke und einige Fotos schieße! Danach geht es sehr schmale, teils gesicherte Steige an hohen Felsabbrüchen (Video) vorbei und durch Geröllrinnen (Video) unterhalb des "Budamer Köpfles" stets bergab zum Prägrater Ortsteil Bobojach (1269m). Dort mache ich gegen 13.00Uhr eine längere Rast im "Gasthof Linder", genehmige mir zunächst ein Weizenbier. Ich studiere die Gebietskarte und komme zu dem Entschluss, mir den Weiterweg nach Prägraten zu ersparen, stattdessen von hier aus den Rückweg nach Virgen anzutreten. Beim Erlesen der Speisekarte machen mich die vielen Wildgerichte zu attraktiven Preisen neugierig. Eines davon probiere ich sogleich aus, bestelle mir Hirschragout und bin danach überzeugt, dass ich nicht das letzte Mal hier war. Das leckere Essen und ein kurzweiliges und informatives Gespräch mit der sehr netten und zugänglichen Wirtsfamilie, unter anderem über die Bergverhältnisse, läßt die Minuten im Gasthof schnell vergehen.

 

Bilder: 1-3 Lasörling-Aussichten, 4 Steile Felsabbrüche, 5-7Abstieg, 8+9 Bobojach, 10 Wildteller

Nach Wiederaufbruch gegen 14.00Uhr quere ich sogleich den Gletscherbach Isel und wandere dieses Mal am Fuße des Lasörlinggebirges Richtung Virgen zurück, kann dabei meine heute morgen gelaufene Strecke über "Hohe Bank" teilweise zurückverfolgen. Dabei fällt mir auch die durchwanderte Geröllrinne auf, die durch eine Verbauung der Verbindungsstrasse Virgen-Prägraten gekreuzt wird. Nach Überwanderung der Iselschlucht weitet sich das Tal und die Isel fließt für ihre hiesigen Verhältnisse recht ruhig durchs Tal. Hier passiere ich wieder uralte Almhäuser und eine diese wunderschönen Bergkapellen, wo sich das Hineinschauen immer wieder lohnt.

 

Im Ortsteil Rain lasse ich mich kurz vor 16Uhr nochmals in einem dort befindlichen Biergarten zu einem Radler nieder und beobachte zwei große Greifvögel bei ihrem eleganten Segelflug übers Virgental. Die Silhouette verrät, dass es Adler sind und nicht die von mir fotografisch eigentlich begehrteren Bartgeier (Europas größte Greife).

 

Auf dem letzten Teilstück bekomme ich tiefe Einblicke in die immer noch reich mit Schnee bedeckten hohen Tauerntäler und mir wird klar, dass es mit der Venediger-Gipfelbesteigung zeitlich eng wird, zumal ich nun weiß, dass einige der Zugangshütten nur sehr schwierig erreichbar bzw. noch geschlossen sind. Für morgen plane ich deshalb zunächst eine Wanderung ins Umbaltal, eines der schönsten Tauerntäler, welches ich bereits 2000 erkundete.

 

Als sich das Wetter spürbar verschlechtert und sich eine Wolkenwand in das Tal schiebt, beeile ich mich, die letzten Kilometer zur Gastfamilie schnell hinter mich zu bringen. Leider zu spät, denn auch heute werde ich auf den letzten hunderten von Metern nass, jedoch nicht so extrem wie gestern. Gegen 18.00Uhr bin ich im Trockenen und genieße eine erlösende Dusche.

 

Laufleistung: Ca. 1000Höhenmeter, hälftig auf und ab, sowie über 18km in 7,5Stdn Gehzeit. Werte die sich auch heute abend wieder in den Muskeln bemerkbar machen

 

Bilder: 1: Iselweg bei Bobojach, 2 Virgental-Verbindungsstrasse mit Geröllrinnen-Brücke, 3 Isel-Zufluss, 4 Nischenflora,

5 Iselschlucht, 6+7 Kapelle u. Almhaus,  8 Isel bei Rain, 9 Radler-Rast, 10 Adler-Silhouette, 11+12 Tauerntal-Einblicke

 

Montag, 20.06.2016 - Über Umbalfälle und Clarahütte ins Umbaltal: An diesem Morgen mache ich mich früh zu meiner heutigen Tour auf, denn die in den letzten Tagen erreichten Marken in den Bereichen Entfernung und Höhenüberwindung werde ich heute knacken. Obendrein verspreche ich mir heute einige besondere Naturerlebnisse, doch dazu später mehr.

 

Ich fahre zunächst mit dem Auto bis zum Talschluß des Virgentales nach Hinterbichl, stelle es dort gegen auf dem Parkplatz Ströden, direkt gegenüber einem Holzlagerplatz mit Naturdach, binde meine Bergschuhe, packe meine Fotoausrüstung, schultere meinen Rucksack und beginne gegen 8.30Uhr meine heutige Wanderung auf 1400m Höhe. Ströden betsteht aus einem einzelnen Gehöft incl. Kapelle. Hier am Rande des Nationalparks wird durch aufgestellte Bären-Figuren darauf aufmerksam gemacht, dass sich der europäische Braubär hier wieder eingefunden hat und in Gemeinschaft mit Wolf, Luchs, Fuchs, Gämsen, Steinböcke und Bartgeier (Europas größter Greifvogel) ruhig leben darf. Einige dieser Tiere konnte ich bereits 2000 und 2002 teils hautnah erleben. Große Tafeln erklären am Eingang zur Nationalpark-Aussenzone zudem den Sinn und Nutzen des geschützten Geländes. Hier findet man kaum Lifte, dafür aber eine reichhaltige, weitgehend unveränderte und unbelastete Natur.

 

Bilder: 1 -10 Ströden, 11 -12 Natonalpark

Gegen 9.30 erreiche ich die Islitzer Alm (1509m), mache dort einige Fotos und beschreite sodann den Wasserschaupfad entlang der tosenden Umbalfälle. Einzigartige Ein- und Anblicke auf diesen imposanten Wasserfall (Video) bieten einige Ausssichtskanzeln. Hier kann man erahnen, mit welcher Kraft das Wasser und das mitgeführte Material auf die harten Felsen einwirkt, die teilweise wie poliert aussehen oder gar tiefe Aushöhlungen aufweisen. Hier bekommt der Spruch: "Steter Tropfen hölt den Stein" eine gigantische Bedeutung. Am Ende des Schaupfades erweckt noch eine in einer Felsnische aufgemauerte Jagdhütte meine Neugier.

 

Bilder: 1+2 Kleinbach-Wasserfall, 3 Isel, 4+5 Grossbach-Wasserfall, 6-11 Wasserschaupfad,  12 Jagdhütte

Nachdem ich gegen 10.30Uhr mit dem Wasserfall auch 130Höhenmeter überwunden habe, weitet sich das Tal allmählich und der Weg folgt linksseitig stets dem Umbalbach, so heißt die Isel hier im Oberlauf. Dann tauchen unvermittelt die ersten zu überwindenden kleineren Schneefelder auf. Es sind kalte Wasserzuläufe auf den Schattenseiten der umliegenden Berge, die den Schnee von unten kühlen und somit sehr langsam tauen lassen. Selbst der Hüttenbote der Clarahütte hat sein motorisiertes Cross-Zweirad hier abgestellt, um keine unnötigen Risiken einzugehen. Nach Überwindung mehrerer dieser Schneefelder quere ich mittels einer einfachen Holzbrücke den Umbalbach und steige nun in kurzen Serpentinen rechtsseitig den Hang hinauf. Wenig später lasse ich die Abzweigung zum ehemaligen Mullwitzkogel (Video), heute Wiebauer-Spitze (2767m) genannt. Langsam aber stetig führt der jetzt sehr schmale und ewig lang vorkommende Steig immer weiter den Hang hinauf. Nicht ungefährliche Stellen muss ich hier meistern, denn einzelne Schneefelder und Geröllmuren haben Geländerutschungen verursacht. Als ich die 1936m hoch gelegene Ochsnerhütte gegen 11.20Uhr passiere, weiß ich, dass die Mühen bald ein Ende haben. Wenig später muss ich eine kleine Herde Schafe davon überzeugen, den Weg zu räumen, dann erblicke ich bald die Clarahütte und bin bei deren Erreichen um 12.05Uhr auf nun 2035Höhenmeter angelangt.

 

Bilder: 1-7 Erste Schneefelder, 8-11 Umbalbach-Brücke bis Ochsnerhütte, 12 Hangrutschungen, 13-18 Ochsnerhütte bis Clarahütte

Die neue Pächterin Kasia versorgt mich umgehend und freundlich mit Radler und ihr Mann Andrzej lädt mich unvermittelt zu einer Kurzführung durch die bisherigen Räume sowie den neuen Anbau der Hütte ein, als er erfährt, dass ich letztmalig im Jahr 2000 hier war. Viele zusätzliche Bettenplätze und die neue Strom- und Sanitärversorgung lassen mich erstaunen. Das Pächterpaar mit "deutschrussischen" Wurzeln hat die Hütte unter Mitwirkung einiger Sektionsmitglieder seit der teilweisen Lawinenzerstörung im Jahre 2012 komplett modernisiert und ausgebaut. Dadurch ist das Bettlager auf dem Kriechboden der Hütte jedoch entfallen, in dem wir während unserer Bergtour 2000 nach einem berauschenden Hüttenabend mit steirischen Steinbockjägern übernachtet haben. Dieser Abend wird mir als unwiederbringliches Erlebnis in Erinnerung bleiben.

 

Bilder: 1-3 Clarahütte Alt- und Neubau, 4 Clarahütten-Logo, 5 Erbauertafel, 6 Trinkrast

Nach einer halben Stunde treiben mich gegen 12.30Uhr die Natuererlebnis-Erwartungen ins "hintere Umbaltal", für mich eines der schönsten, aber objektiv auch verlassensten Tauerntäler überhaupt. Kein Telefonieren, keine Internetverbindung möglich. Nur die GPS-Unterstützung funktioniert. Heißt auf meinem Alleingang nochmal vorsichtiger sein. Dafür ist aber auch die Natur in diesem abgeschiedenen Tal noch unberührter als in anderen Tälern. Begrenzt wird es im Norden durch den einst mächtigen Umbalkees (Kees=Gletscher) im Talschluss, im Westen von der Grenze Italiens, sowie ringsum von vielen Dreitausender-Gipfeln. Nur Richtung Clarahütte und weiter über die Umbalfälle öffnet sich das Tal und geht dort ins Virgental über. Im Winter nennt man das gesamte Tal wegen des schmalen Schnittes und der steilen Seitenwände auch eine Lawinenfalle! Dieses hintere Tal wird selten begangen, deshalb sind ausgewiesene Routen und Markierungen rar, oft verwaschen oder garnicht mehr vorhanden!

 

Ich brauche nicht lange gehen, da bin ich mutterseelenallein und eine gespenstische Ruhe umgibt mich. Nur die Rufe einiger Schafe und vor allem die alarmgebenden, fipsenden Murmeltiere unterbrechen die Stille. Letztere verschwinden sogleich in ihre Bauten. Als die Murmeltiere ihre Verstecke wieder vorsichtig verlassen und bald darauf in meiner unmittelbaren Nähe scheinbar unbekümmert spielen, raufen oder sonnen, wird meine Geduld mit wunderbaren Einzel- und Serienaufnahmen belohnt. Auch zwei Sequenzen Film kann ich sichern. Noch eine ganze Weile beobachte ich das gesellige Treiben dieser liebenswürdigen und geselligen Wollknäule.

 

Bilder: Flora  und Murmeltiere im hinteren Umbaltal

Kurz nach Wiederaufbruch passiere ich eine metallene Behelfsbrücke, hier sind die Wegmarkierungen noch gut sichtbar. Mit dem Betreten der anderen Bachseite befinde ich mich in der Nationalpark-Kernzone. Hier begegne ich zwei Personen, heute ausser mir scheinbar die einzigen in diesem Tal. Ich hoffe auf Steinböcke, die sich hier oft und gern aufhalten und halte immer wieder mit dem Fernglas Ausschau. Gesichtet werden allerdings nur einige Schafherden.

 

Der Weg teilt sich in den am Bach entlang verlaufenden Gletscherweg und einem Höhenweg, der vorbei am "Phillip-Reuter Biwak" (2677m) ans "Vordere Umbaltörl" (2926m) und dort über die Grenze Italiens führt. Dieser Steig führte früher aber auch ab Biwak zum Gletschertor hinab und verband sich dort mit dem zuvor genannten Gletscherweg. Diese Route möchte ich finden, daher wähle ich zunächst den Höhenweg. Relativ steil führt dieser direkt den Hang hinauf, die Aussichten werden immer grandioser.

 

Doch je höher ich komme, umso häufiger treffe ich auf teils steile und damit nicht ungefährliche Schneefelder, die ich behutsam und doch zügig quere, denn der Schnee trägt nicht mehr besonders. Ich sinke zeitweise bis zu den Knien ein und spüre den Kontakt zu Wasser, denn unter den Schneefeldern befindet sich Wasser. Harmloser sind kleine Bäche, die die Schneeflächen unterspülen. Aber in Geländesenken sind auch größere Schmelzseen versteckt und ein Einbrechen könnte dort fatal sein! Daher mustere ich die Schneefelder gut und versuche ausschließlich Stellen mit festem und stabilem Untergrund zu überqueren. Weiteres Problem ist die zunehmend schlechtere Markierung aufgrund Verwaschungen sowie Abdeckung durch immer großflächigere Schneefelder. Irgendwann fehlen die Markierungen komplett und ich muss mich anhand Karte und GPS sowie durch Sichtung des Geländes immer sorgfältiger orientieren. Laut GPS  und Karte befinde ich mich nun schon auf knapp 2800 Höhenmeter, also bereits ca. 130Meter oberhalb des gesuchten Biwaks. Ich erkenne, dass ich die eigentliche Route wohl verlassen habe und mich jetzt im weglosen Gelände befinde. Ein erkennbarer Felsbuckel soll mir einen Geländeüberblick verschaffen. Leider vergesse ich aufgrund meiner derzeitigen Anspannung das Fotografieren vorübergehend.

 

Wenig später verschafft mir der Rücken dieses Felsbuckels eine wunderbare Übersicht auf meinen bisher zurückgelegten Weg rechts von mir und auf den im Vergleich zu 2000 äußerst stark zurückgezogenen Umbalgletscher und seines verkümmerten Gletschertores linksseitig, der Ursprung von Umbalbach und damit auch der Isel. Es ist nun ziemlich genau 15.30Uhr. Weil mir das Risiko über weitere Schneefelder zu groß wird und der Abhang hier relativ übersichtlich, zwar steil aber ohne erkennbare größere Abbrüche zur Talsohle und den dort befindlichen Gletscherbach verläuft, entschließe ich mich nun zum direkten Abstieg dorthin. In selbstgewählten Serpentinen steige ich ab und befinde mich bald erleichtert auf einem großen, vom ehemaligen Gletscher glattpolierten Felsbuckel in etwa 2400m Höhe, direkt am Umbalbach. Bis etwa hierher zog sich der Gletscher noch im Jahre 2000, daran kann ich mich sehr gut erinnern. Nun befindet sich das Gletschertor etliche hundert Meter weiter Richtung Talschluß. 

 

Bilder: 1+2 Isel-Behelfsbrücke, 3-8 Am und auf dem Höhenweg, 9+11 Steile Schneefelder, 12+13 Orientierungsaussichten,

13 Phillip-Reuter Biwak (DAV-Foto) , 14-18 Abstieg zur Talsohle

Wenig später treffe ich auch auf den gut markierten Gletscherweg und gehe diesen in Gegenrichtung abwärts. Als ich die Clarahütte (2035m) gegen 17Uhr erreiche, ordere ich ein Bergsteigeressen und erfahre im Gespräch mit Hüttenwirtin Kasia, dass sich heute morgen vor meinem Eintreffen etwa 12-15 Steinböcke auf der gegenüberliegenden Bachseite in Höhe der Hütte befand und Richtung Dabertal abgewandert ist. In diesem Moment bin ich gerade enttäuscht, hatte ich doch auch auf Sichtung dieser Tiere gehofft.

 

Mit neuen Kräften mache ich mich gegen 17.45Uhr Richtung Virgen auf und gehe den engen Steig nun etwas schneller als heute vormittag, befinde mich bald am Abzweig ins Dabertal. Der Weg ist aber aufgrund großer und gefährlicher Schneefelder noch gesperrt. Plötzlich erkenne ich auf der gegenüberliegenden Hangseite einen Steinbock ein dort befindliches Schneefeld queren. Beim genaueren Hinsehen durchs Fernglas entdecke ich immer mehr Tiere in unmittelbarer Nähe dieses Schneefeldes. Ich fohlocke als ich erkenne, das es eine Herde von etwa 30 Tieren ist. Darunter sind vielleicht auch die von Kasia beschriebenen Tiere sein. Die einen tragen Scheinkämpfe auf einem großen Felsblock aus, andere äsen, wieder andere haben sich gemütlich im Gelände niedergelassen und verdauen wahrscheinlich. Ich mache viele Fotos und mehrere Videosequenzen, kann die Kamera dabei vor Freude kaum ruhighalten. Mindestens eine halbe Stunde genieße ich das Treiben auf der anderen Hangseite, mit und ohne Kamera.

 

Nach diesem Ereignis ist der Tag zu meiner Zufriedenheit gelaufen, das beflügelt meinen weiteren Abstieg durch das Tal und an den Umbalfällen vorbei zum heutigen Startpunkt Parkplatz Ströden. Dort treffe ich erst gegen 20Uhr auf mein Fahrzeug und eine halbe Stunde später in Virgen-Mitteldorf ein. Da ich heute schon gegessen habe, kuriere ich nach der Dusche meine Muskeln und genieße noch ein EM-Fußball im Fersehen, welches ich nach den Anstrengungen des Tages hälftig verschlafe.

 

Laufleistung: Ca. 2800Höhenmeter, hälftig auf und ab, sowie 23km in 9Stdn Gehzeit. Die Muskeln gewöhnen sich zunehmend an die Strapatzen, die Füße haben heute jedoch in Form kleinerer Bläschen ein wenig gelitten.

 

Bilder: 1-8 Gletscherweg zur Clarahütte, 9-13 Steinböcke, 14-17 Abstieg zum Parkplatz Ströden

Dienstag 21.06.2016 - Aufstieg zur Bonn-Matreier-Hütte: Um ziemlich genau 7.00Uhr morgens sitze ich beim Frühstück. Der heutige Wetterbericht sagt aus, das es erst im Laufe des morgigen Tages eine durchgreifende Wetterbesserung mit zum Wochenende sehr hohen Temperaturen über 30Grad geben wird, was auch eine schnellere Schneeschmelze in der 3000er Region bedeutet. Dadurch wird klar, dass mir dieses Zeitfenster kaum mehr erlaubt, meinen geplanten Gipfelsieg auf dem Grossvenediger (3657m) in der verbleibenden Zeit zu absolvieren, denn Zugang, Auf- und Abstieg würden mindestens zwei, jedoch eher  drei Tage erfordern.

 

Ich möchte wenigstens auf ein Hüttenerlebnis nicht verzichten, teile dieses Vorhaben meiner Gastgeber-Familie mit, lasse mir von ihnen noch letzte Infos zukommen, packe meinen Rucksack mit den nötigen Untensilien für eine Hüttenübernachtung sowie Proviant für zwei Tage, darunter Obst, Mettwürstchen, Energie-Müsliriegel und zwei Flaschen isotonischen Wassers durch Hinzugabe einer Calcium- und einer Magnesium-Tablette sowie je einer halben Vitamin-C Tablette. Gegen 8.30Uhr befinde ich mich auf dem Parkplatz unterhalb der Kirche "Maria Schnee" in Obermauern, um hier auf etwa 1300m Höhe den heutigen Anstieg zur Bonn-Matreier Hütte (2750m) zu beginnen.

 

Zunächst sanft ansteigend bis zum Parkplatz Budam, dann steiler und in Serpentinen erreiche ich bei gleichnamiger Kapelle bereits eine Höhe von 1563m und raste hier einige Minuten auf saftiger Wiese im Gras. Hier geht der asphaltierte Fahrweg in einen Steig zur Nilljochhütte über, der mich über Feld, Weide und durch lichten Wald weiter relativ steil in die Höhe führt. Irgendwo hier mache ich ebenfalls zwischenzeitlich eine Trink- und Fotorast.

 

Bilder: 1-5  Obermauern, 6-10 Budam, 11+12 Rast im Aufstieg 

Um ziemlich genau gegen 11.00Uhr erreiche ich dann die in Privatbesitz befindliche, leider heute trotz gegenteiliger Information geschlossene Nilljoch-Hütte (1950m), die an Stelle der alten Hütte völlig neu errichtet und bereits zur Saison 2010 neueröffnet wurde. Hier mache ich nochmals eine kurze Rast und wechsle mein völlig durchschwitztes T-Shirt. Da die Nilljochhütte auf einer ausgesetzen Anhöhe liegt genieße ich die Aussichten ins Virgental Richtung Prägraten einerseits sowie auf Virgen andererseits. Auch die auifgestellten Tafeln mit zusätzlichen Infos interessieren mich. Auf einer Karte kann ich meinen weiteren Aufstieg bis zur BoMa Hütte verfolgen. Beim Aufbruch werde ich noch auf die typischen Alpenblumen Enzian und Edelweiß in einem aufgestellten Trog aufmerksam, folge dann aber den Hinweisschildern Richtung Bonn-Matreier Hütte. Auf einem im Jahre 2000 noch unbefestigten, jetzt frisch betonierten Fahrweg geht es nun kontinuierlich linksseitig des Nillbaches sowie an Höhe gewinnend ins "Grosse Nilltal",  zunächst bis zur Materialseilnahn-Talstation (2100m) der Bonn-Matreier Hütte, dann an weiten Alm- und Weideflächen vorbei, später über die "Grosse Nilljochalm" (2272m) zur Stuhleralm auf etwa 2300m Höhe. Hier raste ich wieder einmal für ein paar Schluck isotonischen Getränks und ein paar Ausblick- und Flora-Fotos, unter anderem von der anmutigen Alpen-Anemone. Hier höre ich auch wieder die mir bereits aus dem Umbaltal vertrauten Rufe der Murmeltiere.

 

Bilder: 1-8 Nilljochhütte, 9-12 Stuhleralm

Von hier an führt ein unbefestigter Bergsteig schnell in die Höhe und an der 2400m Marke jäh linksabknickend steil aufwärts um einen Felsabhang herum auf einen grünen Absatz. Spätestens hier nimmt die bisher relativ relaxte Bergwanderung den Charakter des Bergsteigens an und meine Gehstöcke kommen mal wieder zur Geltung. Durch einige Geländestufen und vorbei an riesigen Felsblöcken laufe ich nun dem Sandboden entgegen, einer relativ flachen und wasserträchtigen Karmulde oberhalb des eben erwähnten und umstiegenen Felsabbruchs. Hier empfangen mich wieder die ersten flachen Schneefelder. Die Rückblicke ins Nilltal und gegen das Lasörlinggebirge sind wunderschön und atemberaubend, meinen bisherigen Anstieg durchs Tal kann ich aus dieser Höhe gut verfolgen. Unterhalb der Säulspitze wird das Gelände nun immer unübersichtlicher und die Schneefelder immer größer und dicker, sind hier durch Nillkees-Gletscherabflüsse, die im weiteren Verlauf den Nillbach ergeben, wasserunterwandert, weich und nicht besonders tragfähig. Einige Male breche ich hier teils knietief ein.

 

Hier auf dem sogenannten "Sandboden" auf 2624m Höhe trifft der Zugang zur Bonn-Matreier Hütte auf den während der Bergtouren 2000 und 2002 begangenen Venediger Höhenweg, dessen Teilstücke einerseits durch eine Karscharte über den sogenannten Eselsrücken zur Eisseehütte und andereseits über BoMa Hütte und Galtenscharte zur Badener Hütte verlaufen. Anhand einzelner aufgestellter Weg-Beschilderungen und immer seltener werdenden freier Flächen mit Markierungen sowie Steigspuren vorangegangener Personen und dem allgemeinen Geländeverlauf kann man die weitere Route jedoch recht gut erahnen. Auf den wenigen Freiflächen zwischen den Schneefeldern wachsen viele verschiedene Arten von Gräsern und Flechten, aber auch die wunderschöne Kuhschelle, auch Küchenschelle genannt.

 

Zwei Gruppen und eine Einzelperson kommen mir bei meiner jetztigen Etappe unterhalb des letzten Felsaufschwunges entgegen. Ab hier wird der Zugang durch stark hängende Schneefelder nochmals schwieriger und ich bin froh, als ich auch diese überwunden habe. Auf einem Felsabsatz habe ich einen guten Überblick auf die eben bewältigten Schneefelder und durch eine absteigende Person kann man meine absolvierte Route gut nachvollziehen. Jetzt kann ich auch wieder den imposanten Ausblick auf die Lasörling -Gruppe genießen. Das letzte Schneefeld unmittelbar vor mir bis zur Hütte ist jetzt mithilfe des Gedankens an die kommenden Erfrischungen schnell absolviert.

 

Bilder:  1-4 Auf dem Sandboden,  5 Aufstiegroute zur BoMa-Hütte, 6 Kuhschelle, 7+8 Am Venediger-Höhenweg, 

9 Schlussanstieg, 10-11 Rückschau auf die Schneefelder mit absteigender Person (Pfeil),

12  BoMa Paorama-Ausblick über Nilltal auf Lasörling

Um 14.45Uhr befinde ich mich glücklich vor der Tür der Bonn-Matreier Hütte (2750m). Bei meiner kurzen Verschnaufphase vor der Tür treffe ich auf Hüttenwirt Wolfgang und seiner Angestellten Kathi, tausche mich mit ihnen kurz über Zugangschwierigkeiten sowie eventuell noch nachfolgender Personen aus. Dann trete ich in die Hütte ein, wechsle im Vorraum meine Berg- gegen Hüttenschuhe, trage mich ins Hüttenbuch ein und gehe in die durch Holzofen vorgewärmte Stube.

 

Der Hüttenbucheintrag ist kein Spaßeintrag, sondern zur eigenen Sicherheit gedacht. Er unterstützt die Bergrettung im Bedarfsfall entscheidend bei der zielführenden und zeitsparenden Suche sowie Hilfe von Verschollenen und Verletzten.

 

Bei meiner Weizenbier-Bestellung bringt mir Kathi gleich einen Begüßungs-Zirbenschnaps auf Kosten der Hütte. Wenig später bin ich mit Kathi allein, weil Wolfgang mit der Materialseilbahn abfährt, um später mit Verstärkung zurückzukehren. In der Zwischenzeit gönne ich mir eine erfrischende Dusche, nachdem Kathi mir mein Zimmer zugewiesen hat. Anschließend reicht Kathi mir mein Bergsteigeressen. Als ich meinen ersten Jagertee trinke, den sie "sehr wohlwollend" zubereitet hat, überfällt mich eine seltsame Müdigkeit und ich halte mich nur mühsam wach. Um wieder klaren Kopf zu bekommen, gehe ich an die frische Luft und mache im Umfeld der Hütte ein paar Fotos. Dabei sind die Fernaussichten auf die umliegenden Gebirge, ein paar Murmeltiere und die Felsenkapelle in unmittelbarer Hüttennähe besonders interessante Motive. Der im Jahre 2000 während unserer Hüttentour bestiegene Säulkopf (3209) ist heute durch die tiefe Wolkendecke leider nicht zu sehen.

 

Dann versuche ich, eine Übersicht über das Gelände meines für morgen geplanten Abstiegs über die Goasscharte (2590m), in der Videosequenz fälschlich als Kälberscharte genannt, und Gottschaunalm (1990m) zu bekommen. Hier wird mir sehr schnell klar, dass die geplante Route aufgrund der Schneelage ein äußerst schwieriges und riskantes Unterfangen wird, zumal ich von hier aus nicht übersehen kann, welche Bedingungen ich hinter der Scharte vorfinde. Eine gedachte Route bis zur Scharte finde ich allerdings schnell und könnte mich beim Gang über den Schnee an den wenigen großen Felsbrocken und Freiflächen orientieren, die im ansonsten zusammenhängenden Schneefeld zu finden sind. Ich halte mir allerdings noch ein gründliches Überdenken bis zum nächsten Morgen sowie Erkundigungen beim Hüttenwirt vor.

 

Nachdem Wolfgang gegen 19.00Uhr mit einer weiteren Angestellten namens Christa mittels Materialseilbahn auf der Hütte angekommen ist und mich als einzigen heutigen Übernachtungsgast in die Wohnküche einlädt, nehme ich das gern an und während angenehm spaßiger und kurzweiliger, aber auch informativer Gespräche erfahre ich einiges über den Werdegang der Hütte, über Wolfgang, Christa und Kathi. Auf meine Anfrage meint Wolfgang, es sei mittlerweile schon möglich, über die Goasscharte abzusteigen, auch wenn es dieses Jahr noch niemand unternommen hat. Ich würde somit den diesjährigen Erstabstieg über diese Route absolvieren. So richtig hilft mir diese subjektive Aussage aber auch nicht. Als ich mir durch Kathi noch zwei weitere Jagertee kochen lasse, bemerkt Wolfgang hintergründig, dass ich ihr wohl sympathisch sei, denn er habe sie selten vorher solch hochprozentige Mischungen fertigen sehen. Dagegen hab ich natürlich nichts, zumal mir diese irgendwann später die erforderliche Bettschwere vermitteln. Ich suche kurz vor Mitternacht mein Zimmer auf und krieche müde in meinen mitgebrachten Hüttenschlafsack.

 

Laufleistung: 1450Höhenmeter Aufstieg, 9,5km, 4,5Stdn reine Gehzeit. Heute sind nicht Muskeln oder die Glieder leidtragend, sondern zum Schluß eher der Kopf!

 

Bilder: 1-2  BoMa Einkehr, 3 Hüttenbucheintrag, 4 Erbauerschild, 5 Hmmmm....Weizen,

6 Materialseilbahn, 7-9  Zimmerbelegung, 10 Virgentaler Hüttenübersicht,

11 BoMa Panorama, 12-19  BoMa Flora und Fauna, 20 BoMa Hütte,

21 Felsenkapelle, 22 Selfie,, 23 Säulspitze im Nebel, 24 Goasscharte (Pfeil), 25 Materialseilbahn mit Wolfgang und Christa

Mittwoch 22.06.2016 - Abstieg von der Bonn-Matreier Hütte: Um 7.00Uhr werde ich an diesem Morgen durch das Abseilgeräusch der Materialseilbahn geweckt, weil Wolfgang bereits wieder ins Tal abfährt, um dass Wochenende in seiner Heimatstadt Lienz zu verbringen. Die beiden Frauen übernehmen das Hüttengeschäft für diese Zeit allein.

 

Beim Aufstehen wird mir bewusst, gestern wohl doch ein bisschen viel getrunken zu haben. Ich wasche und erfrische mich, packe meinen Rucksack, gehe dann zunächst nach draußen, um einerseits ein paar Fotos und Videosequenzen aufzunehmen, andererseits die Wetterlage und Gehbedingungen abzuchecken. Dabei fällt mir auf, dass heute Nacht wohl durchweg Tauwetter geherrscht hat und bin erstaunt, wie schnell der Schnee bei diesen Bedingungen zurückweicht. 10-15cm Zentimeter sind es gleich, wie man an einigen Bodenstellen erkennen kann. Zum Abschluß genieße ich nochmals die fantastische Fernsicht am heutigen Morgen. Sogar die zackigen Gipfel der Dolomiten sind zu erkennen.

 

Bilder: 1-2 Säulkopf und Raukopf, 3-10 BoMa An- und Aussichten

Nach dem Frühstück schnüre ich gegen 8.15Uhr meine Bergschuhe, schultere meinen Rucksack, bedanke mich bei Christa und Kathi für die sehr freundliche Aufnahme sowie den schönen Abend und verabschiede mich dann, gehe zunächst zur gedachten Abstiegsroute und verschaffe mir dort auf einem Felsabsatz nochmals einen Überblick. Da ich allein gehe, der Schnee wegen des nächtlichen Tauwetters noch schlechter tragen wird als gestern schon und sich eventuell gefährlich große und tiefe Wasserflächen unter dem Schneeauflage verbergen können, will ich kein unnötiges Risiko eingehen und wähle meine gestrige Aufstiegsroute, die ich bereits einschätzen kann, auch für den jetzt folgenden Abstieg.... und das ist auch gut so, wie ich schnell feststelle.

 

Im anfangs steilen Gelände komme ich auf den großen Schneeflächen mit sehr weicher Oberfläche einige Male leicht ins Rutschen und auf dem Sandboden breche ich noch häufiger in die Schneeauflagen ein als gestern beim Aufstieg. Einmal hole ich mir dabei sogar nasse Füße, als das Wasser unterm Schnee über den Schaft in den ansonsten durch viel Wachs wasserfesten Schuh läuft. Als ich die letzten Schneefelder und den Sandboden verlasse, bin ich froh, diesen Abschnitt hinter mir zu haben. Aber auch darüber, diesen Abstieg gewählt zu haben, da ich hier heute auf die schwierigsten Stellen vorbereitet war. Jetzt nehme ich mir wieder Zeit, um einige Alpenblumen auf den saftigen Almwiesen zu fotografieren.

 

Bilder: 1-5  Sandboden -Rückschau auf Säulspitze und BoMa, Hütte 6-12 Alpenflora, 13 Fingerzeig auf den Sandboden

Nachdem ich die Stuhleralm (2300m) erreiche, hier den Steig verlasse und einen Fahrweg betrete, ist der weitere Abstieg bis zur Talstation der Materialseibahn beinahe ein Spaziergang. Kurz vorher wechsle ich die Talseite, jetzt in Richtung Gottschaunalm. Wenig später bin ich neugierig, die nicht sehr vertrauenswürdig aussehende Gondel der Seilbahn einmal aus nächster Nähe zu betrachten. Danach genieße ich noch ein wenig die hier herrschende Ruhe und das Alpenpanorama.

 

Im Weitergang passiere ich einige friedlich weidende Kühe rechts und links des weiteren Fahrweges, bevor mich ein Hinweisschild vom Fahrweg auf einen Steig ablenkt, der nun wieder steiler den Abhang hinunter führt und dabei den Fahrweg nach Marin nochmal kreuzt. Irgendwann führt mich der Steig in einer Talsenke zur "kleinen Nillalm". Hier überquere ich den Eichhambach, einen späteren Zufluss des Nillbaches. Etwas weiter auf einer Almweide trifft mein Weg auf die eigentlich für heute geplante Abstiegsroute über die Goasscharte (2590m). Beim Anblick der oberen Bereiche bin ich ein weiteres Mal froh, diesen Abstieg nicht gewählt zu haben, denn auch auf dieser Seite der Scharte befinden sich noch große Schneefelder. Nun kaum noch abfallend, führt mich der Weg durch lichten Lärchenwald zur Gottschaunalm.

 

 

Bilder: 1+2 Nilltal-Aussicht gegen Talschluss und Lasörling, 3-11 An der Materialseilbahn-Talstation, 12-19 Im kleinen Nilltal

Auf der Gottschaunalm (1946m) treffe ich um 11.45 ein, besorge mir ein Radler und eine große mit reichlich Schinken belegte Brotscheibe, suche mir einen sonnigen Platz auf einer der bereitgestellten Bänke. Spenden wie in den Jahren 2000 und 2002 noch sind nicht mehr vorgesehen, stattdessen gibt es nun wie überall feste Preise für Speisen und Getränke.

 

Dann genieße ich Speis und Trank sowie den unvergleichlichen Panoramablick über das Virgental hinüber zu den unzähligen, zum großen Teil noch schnee- und eisbedeckten Gipfeln. Dabei kommt mir die Idee, am morgigen letzten Tourtag genau in dieser Region eine Höhenwanderung anzustreben, um den Grossvenediger wenigstens mal aus der Ferne zu sehen. Bei Abgabe der Essensuntensilien und dem Leergut bin ich fasziniert von den vielen auf der Tenne untergebrachten Alm-Arbeitsutensilien. Gegen 12.30Uhr mache ich mich auf die letzte Etappe, dieses Mal unproblematisch über den Waldweg nach Marin, von dort nach einer letzten Trinkrast nach Obermauern zum Auto. Mittlerweile ist es so heiß, dass selbst die Tiere Schatten aufsuchen. Die Wetterfrösche scheinen also mit ihren Voraussagen für die nächsten Tage Recht zu behalten.

 

Nach Eintreffen bei meiner Gastfamilie erfolgt die gewohnte Prozedur. Als wir uns über meine gerade absolvierte Tour sowie meine Pläne für morgen austauschen, bietet sich meine Gastfamilie an, mich morgen mit ihrem Auto zu einem geeigneten Startpunkt oberhalb des Nachbarortes Matrei zu bringen. Nach dem Duschen fahre ich nach Bobojach und genieße heute im dortigen "Gasthof Linder" Gamsfleisch.... Auch heute ist meine Benotung für dieses Essen: "Vorzüglich".

 

Laufleistung: 1450Höhenmeter Abstieg, 12km, 3Stdn reine Gehzeit. Erstmals in dieser Woche keinerlei Beschwerden

 

Bilder: 1-8 An- und Aussichten der Gottschaunalm,  9-11 Abstieg nach Obermauern

Donnerstag 23.06.2016 - Lasörling Höhenweg: Auch heute am letzten Tourtag sitze ich bereits um 7.00Uhr am wie immer durch Frau Kratzer reich gedeckten Frühstückstisch. Wenige später bringt mich ihr Mann mit dem familieneigenen Auto zum Startpunkt Parkplatz Guggenberg auf etwa 1150m Höhe. Das hat den Vorteil, dass ich, soweit die Füße tragen, den Lasörling-Höhenweg begehen und irgendwann eine von mehreren Abstiegsmöglichkeiten nach Virgen nutzen kann. Um ziemlich genau 8.00Uhr beginne ich hier meine heutige Tour, zunächst mit dem Aufstieg zur Zunigalm. Anfangs auf einem Fahrweg durch teils dichten Bergwald und schnell an Höhe gewinnend, später mittels einiger steilere und wurzeldurchzogene Queranstiege. Hier öffnet mein Körper trotz der eigentlich noch angenehmen Kühle alle Schleusen und der Schweiß rinnt mir in gefühlten Bächen die Stirn und den Rücken hinunter. Während des gesamten Aufstiegs genieße ich immer wieder tolle Fernsichten und kann dabei im Tal sogar das Haus Kratzer erkennen..

 

Als sich der Wald lichtet, befindet ich mich gegen 9.30Uhr unvermittelt auf der Zunigalm (1846m). An der Hütte angekommen, genieße ich dank des heute klaren Wetters zunächst die phänomenale Aussicht und schieße ein paar Fotos. Dabei entdecke ich im Hintergrund den "schwarzen Berg" Grossglockner, mit 3798m der höchste Berg Österreichs. Zu meinem bestellten Radler bekomme ich wie auf der BoMa Hütte zwei Tage vorher auch hier ein Begrüßungsdrink, dieses Mal jedoch in Form eines Enzianschnäpschen gereicht. Ich überlege kurz, ob ich mir heute noch die Gratwanderung über den hohen Zunig (2776m), das Rottörl und den Arnitzsee (2504m) zur Arnitzalm antun möchte, winke dann aber innerlich ab. Ein nettes kurzweiliges aber auch informatives Gespräch mit der hiesigen Almwirtin, in dem sie mir über momentane Steinschlaggefahr durch lockeres Geröll und bereits dadurch erfolgte Unfälle berichtet, bremst meinen Gipfeltrieb zusätzlich. Bis der Schweiß einigermaßen getrocknet ist, habe ich mich entgültig für den Lasörling-Höhenweg entschlossen und begebe mich kurz nach Zehn über diesen auf die heutige zweite Etappe zur Arnitzhalm.

 

Bilder:

Nur wenige Meter hinter der Zunigalm verjüngt sich der Weg zu einem sehr schmalen Steig, der in kurzen Phasen steil ansteigend oder abfallend, sinsgesamt aber auf gleichbleibender Höhe, einige Wasserläufe kreuzend am Steilhang entlang führt, dadurch Trittsicherheit sowie Schwindelfreiheit verlangt. Die Aussichten werden immer grandioser und wenig später befinde ich mich auch heute wieder in der Nationalpark-Aussenzone.

 

Kurz vor Erreichen der Anitzalm habe ich auch dieses Jahr wieder rührige Zusammentreffen mit einigen relaxten Almkühen. Heute bleibt es allerdings "nur" bei ein paar Streicheleinheiten. Ein Selfie wie letztes Jahr in Bayern ist mit diesen Tieren nicht möglich. Es folgen einige sehr betagt aussehende Almhütten. Wenig später betrete ich gegen 11.00Uhr unmittelbar nach Querung des gleichnamigen Baches die Arnitzalm (1848m). Auf dem Balkon der urgemütlichen Hütte nehme ich Platz und geniesse dieses Mal ein großes Glas köstlicher Buttermilch, die mir die Almwirtin zu Recht empfohlen hat. Diese Alm wird von mehreren Bauern als Aushängeschild funktionierender Almwirtschaft mit sechs original erhaltenen Almhütten in Holzblockbauweise betrieben und ist stolz auf den Titel "Alm des Jahres 2010". Auch die eben noch auf dem Weg hierher passierten Kühe und Almhütten gehören zum Gemeinschaftswerk und die hier produzierte Milch wird für die Herstellung der beliebten Milka Schokolade verwendet. Bei meinem Abschied werde ich noch auf einige liebevoll hergestellte Holzarbeiten aufmerksam, die der Almwirt während langer Herbst- und Winterabende in Handarbeit fertigt.

 

Bilder:

Schon um 11.30Uhr geht´s weiter, zunächst durch ein Gatter in Richtung Wetterkreuzhütte, die als heutiges Minimalziel gilt. Ich merke bald, dass diese Etappe einige Schwierigkeiten beinhaltet. Das liegt aber weniger an Steigung und Gefälle, denn diese halten sich hier konstant zwischen 1800 und 1900 Höhenmeter und somit in Grenzen. Die Herausforderung  liegt eher darin, dass der Steig als solches kaum erkennbar (Video1) ist und sich am steilen Abhang (Video2) befindet. Anscheinend wird dieser Abschnitt des Höhenweges von Menschen eher selten begangen, dafür häufiger vom Milchvieh. Davon zeugen zumindest einige völlig von Kuhhufen völlig ausgetretene Passagen, auf denen man durch Wasser- und Matschansammlungen leicht abrutschen und tief stürzen kann. Zum Überfluss sind hier auch noch einige ausgesetzte Stellen (Video3) zu überwinden. Erst einige Gehminuten später bessert sich der Steig nach einer Viehsperre allmählich und führt nun durch Bergwald, dann auf eine baumlose Almwiese bis auf knapp 1900m Höhe.

 

Hier nehme ich auf einer bereitgestellten Bank Platz und mache eine Trinkrast, die ich wenig später für eine halbe Stunde ins Almgras verlege, um den hiesigen Panorama-Ausblick auf den Hauptort Matrei sowie auf das Venediger- und Glocknergebiet zu genießen. Die Aussicht wird durch den klaren wolkenlosen Himmel und das ungehemmte Sonnenlicht noch grandioser. Beim wiederholten Anblick der Dreitausender wird mir jedoch nochmals klar, dass die von mir auserwählten Gipfel-Besteigungen aufgrund der bisherigen Wetter- und Schneebedingungen in den vergangenen Tagen unmöglich waren.

 

Bilder: 1-8 Schwieriger Steig

9-11 Almrast

Nach Ende der Rast kreuzt dieser Steig beim Verlassen des Wiesengeländes den Verbindungsweg vom "Reiterboden" nach "Virgen-Mitteldorf". Ich gehe weiterhin in Richtung Wetterkreuzhütte und der Weg führt im weiteren Verlauf durch mehr oder weniger lichten Bergwald sowie einige Almen auf etwa 2000m Höhe und nach einer sich ewig lang anfühlenden Strecke mit andauerndem "Auf und Ab" und einigen Windungen gegen 14.15Uhr zum Lackensee (2139m), der einerseits tolles Bergpanorama bietet, andererseits wieder einmal einen faszinierenden Ausblick aufs Virgental und Venedigergebiet. Beim Fotogafieren fällt mir ein großer Bestand an Molchen auf. Unzählbare Exemplare klammern sich an im Wasser befindlichen Holstämmen und am Wiesensaum des Seeufers.

 

Wenige Minuten später erreiche ich einen weiteren unbenannten kleineren Bergsee mit Frischwasser-Zulauf. Einsamkeit und Idylle verleiten mich nun zu einem spontanem, wenn auch wegen des eiskalten Wassers, nur sehr kurzem Bad.

 

Bilder: 1-5 Von der Alm zum Lackensee

6-10 Der Lackensee, 11 Meine "Badewanne"

Erfrischt und sonnengetrocknet beginne ich gegen 15.00Uhr die letzte Etappe meiner heutigen Höhenwanderung (Video). Diese führt mich in Höhen zwischen 2100-2170m schwankend aber unspektakulär zunächst zur von Murmeltieren bewohnte Innerbachlealm, von der ich eine gute Übersicht auf einen Teil der zurückgelegten und noch bevorstehenden Strecke habe. Zur Hollerhöhe (2200m) hinauf und leicht unterhalb an ihr vorbei erreiche ich nun endlich die Wetterkreuzhütte (2106m). Gegen 16.15Uhr bestelle ich mir hier ein Radler und genieße dieses auf einer Bank mit fantastischem Panoramablick oberhalb der Hütte, lasse dort meine Gedanken und Blicke bei immer noch bestem Wetter schweifen und schwenke nochmals die Fotoapparate.

 

Für mich ist hier und heute meine letzte Bergtour dieser Woche beendet. Mit dem nächsten Hüttentaxi lasse ich mich gegen 17.15Uhr ins Tal nach Virgen herabfahren, kaufe dort noch Proviant für die Heimfahrt am nächsten Tag und erreiche gegen 18.00Uhr meine Unterkunft.

 

Nach obligatorischer Dusche fahre ich auch heute wieder nach Bobojach zum "Gasthof Linder", genieße dort ein vorzüglich leckeres Holzhackersteak und verabschiede mich von den Wirtsleuten. Auf dem Rückweg erzeugen die letzten Sonnenstrahlen ein herrliches abendliches Erglühen der Gipfel. Sie wollen sich anscheinend versöhnlich von mir verabschieden.

 

Laufleistung heute: 1300Höhenmeter Auftieg, 250m Abstieg, 19km Wegstrecke, 6Stdn reine Gehzeit. Auch heute beschwerdefrei!

 

Gesamt-Laufleistungen der Woche: 5775m Aufstieg, 4725m Abstieg, 77km Wegstrec ke, 36 Stunden reine Gehzeit

 

Bilder: 1 Murmeltieralm Innerbachle 2 Übersicht auf Streckenführung, 3-5 An der Wetterkreuzhütte

6 Venediger- und Glockner-Ausblick, 7 Letzter Schmaus, 8 Gipfelglühen

Freitag 24.06.2016 - Rückreise und Fazit dieser Woche: Da ich Koffer und Rucksack bereits am Vorabend so weit wie möglich gepackt habe, sitze ich wie gewohnt um 7.00Uhr am Frühstückstisch, bezahle anschließend meine Kost- und Logisrechnungen an meine Gastwirtsfamilie, unterhalte mich aber heute noch eine Weile mit anderen Gästen und Frau Kratzer. Dann verstaue ich meine Sachen ins Auto und verabschiede mich Familie Kratzer mit der Gewissheit, bei ähnlichen Vorhaben im Virgental wieder meine Unterkunft bei dieser Familie zu buchen, denn faire Preise,  schönes Zimmer, fürsorglicher Service sowie reich und gesund gedeckter Frühstückstisch haben mich überzeugt.

 

Gegen 8.30Uhr beginne ich meine Fahrt bei bestem Wetter und nach 9 Stunden Autofahrt und einem Megastau erreiche ich Berlin ohne weitere Vorkommnisse.

 

Fazit dieser Woche: Es war insgesamt wieder einmal eine erlebnisreiche und wunderschöne Woche, auch wenn ich meine selbst gesteckten Ziele in Teilen nicht mal ansatzweise erfüllen konnte. Einerseits lag das an den Wetterverhältnissen im Zeitraum vor und während meiner Reise, andererseits natürlich auch an fehlenden Partnern, da Alleingänge gerade bei den vorhandenen Bedingungen der vergangenen Woche nochmals größere Risiken bergen. Trotzdem werde ich auch meine nächsten Bergtouren nicht vom Vorhandensein einer Begleitung abhängig machen.

 

Ich würde mich über Interesse und Begleitungs-Anfragen gleichgestrickter Personen, egal welchen Geschlechts und Alters (mindestens 18Jahre), für zukünftige Touren sehr freuen. Unbedingte Voraussetzungen dafür sind allerdings Schwindelfreiheit, Trittsicherheit und für Bergtouren geeignete Kleidung einschließlich vernünftigem Schuhwerk!! Ich stehe selbstverständlich gern beratend zur Seite.

 

Für das Jahr 2017 plane ich eine 8-10tägige Bergtour entweder Ende Juni/Anfang Juli oder im September, um in der Hoffnung auf dann bessere Bergverhältnisse mehr Planungs- und Gestaltungsfreiheit zu bekommen. In Betracht kommt auch wieder eine Hochtour von Hütte zu Hütte.

 

Tschüß und Bergheil!!!

 

 

Jetzt freue ich mich über Euren Kommentar mit möglichst vielen positiven Beiträgen!!! Tragt bitte nachfolgend Euren Namen und Euren Text in die vorgegebenen Felder und klickt abschließend auf das Feld "Senden" 

 

Traut Euch!!! Ich danke Euch im Voraus!

 



Kommentare: 7
  • #7

    Norbert Schmidt (Administrator) (Freitag, 09 März 2018 00:37)

    Vielen Dank für Eure bisherigen Einträge Sie ermutigen mich, meine Kamera bei all meinen Unternehmungen mitzuführen und die schönsten Motive und Momente festzuhalten!!! �

  • #6

    Dieter (Samstag, 13 August 2016 09:51)

    Heute habe ich den Bericht kommplett gelesen, supper und hast mich überzeugt!
    Wenn es zeitlich passt, komme ich beim nächsten mal mit.

  • #5

    Anja (Freitag, 12 August 2016 19:48)

    Wunderschöne Bilder und Impressionen! Vielen Dank Norbert!!!! Eine liebevolle Arbeit!

  • #4

    Arnd Streyl (Freitag, 12 August 2016 09:00)

    Hey Nobert, es freut mich zu sehen, dass Du immer noch sehr fit bist und das es Dir weiterhin viel Spaß macht, die Berge zu besteigen und dies auch in Deinem Internetauftritt schön zu dokumentieren. Haben uns ja schon ewig nicht mehr persönlich gesehen, wenn Du mal wieder im Münsterland bist, schau doch mal hier bei mir vorbei. P.S.: Ich hab es dieses Jahr auch mal tatsächlich nach Österreich in den Urlaub geschafft. Bei uns waren die Berge allerdings bei weitem nicht so hoch (wir hatten nur den Blick auf die slowenischen Karawanken vom Wörthersee aus). Viele Grüße Arnd

  • #3

    Chris (Freitag, 12 August 2016 07:42)

    Ein sehr schöner und ausführlicher Beitrag mit eindrucksvollen Bildern.

  • #2

    Dieter (Freitag, 12 August 2016 07:42)

    Hallo Norbert, bei der ersten Ansicht habe ich sofort Fernweh bekommen, das meiste habe ich auch wieder erkannt. Werde mir den Bericht bei zeiten mal genau ansehen. Herzliche Grüße nach Berlin

  • #1

    Danuta (Donnerstag, 11 August 2016 21:27)

    Sehr schön weiter so :) Muss sagen das machst Du gut , sehr schöne Bilder



 

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