2015 - Schliersee / Mangfallgebirge

Bergtouren und Gipfelbesteigungen in den nördlichen Kalkalpen

(Grüne Text-Links führen durch Anklicken zu weiteren Infos)

 

 Ort und Umgebung: 

Der kleine Ort Schliersee mit knapp 7000 Einwohnern liegt auf 784m Höhe, umrahmt von 1600m - 1900m hohen Gipfeln, am gleichnamigen See im Mangfallgebirge, das seinerseits zu den nördlichen Kalkalpen gehört. Dieser Teil des Mangfallgebirge nennt man auch die Schlierseer Berge. Er liegt südlich von München, erstreckt sich dabei bis an die Grenze Österreichs. Schliersee gehört mit den Ortsteilen Neuhaus, Fischhausen und Spitzingsee zu den beliebtesten Urlaubs- und Ausflugsregionen Bayerns. Schliersee ist auch als Heimatort von Ski-Abfahrer Markus Wasmeier weit über die deutschen Grenzen hinaus bekannt.

 

Nachfolgende Fotos von rechts nach links: Meine Unterkunft, Schliesee-Übersicht mit Blick in Richtung Süden, Balkonaussicht

 

Tourverlauf: 

Mittwoch 24.06.2015: Endlich befinde ich mich nach neun Jahren Unterbrechung wieder auf dem Weg zu meiner ersten größeren Bergtour in Richtung Alpen. Eigentlich war diese 1-Wochen-Tour für 2 Personen geplant. Nachdem meine Begleitung jedoch nach 2014 zum zweiten Mal kurzfristig absagte, ich aber dieses Mal komplett vorbereitet, voller Vorfreude und Enthusiasmus war, entschied ich mich dazu, trotzdem und somit allein zu fahren. Nachmittags erreiche ich den Ort Schliersee nach 643Km und sechseinhalb Stunden Fahrtzeit, wobei sich meine Laune beim Wechsel von diesigem Berliner Regenwetter in schönstes bayrisches Bergwetter bereits ebenfalls aufgeheitert hat! Mein erster Gang in diesem beschaulichen Ort führt mich zum Schliersee selbst und ins benachbarte Wellnessbad, in dem auch die Touristenauskunft untergebracht ist, wo ich nach guten und günstigen freien Schlafmöglichkeiten nachfrage und gleich ein paar Unterkünfte genannt bekomme. Ich finde eine geeignete Bleibe in einer kleinen einfachen Pension im Ortsteil Neuhaus, die von einem älteren Witwer und dessen Tochter geführt wird. Nach Zimmerbezug mache ich noch eine kleine Ort- und Umgebungserkundung, trinke mein erstes Radler am Schliersee, plane dabei für morgen meine erste Tour und genieße dabei das prachtvolle Bergpanorama über den See hinaus. Abends unterhalte mich noch eine Weile mit meinem Gastwirt, der früher wohl auch begeisterter Bergwanderer war und erhalte noch ein paar wertvolle Tour-Tipps.

 

Donnerstag 25.06.2015: Morgens um 7.00Uhr bin ich bereits beim Frühstück, studiere währenddessen noch die Karten und Tourbeschreibungen für die heutige Wanderung zum Brecherspitz (1683m). Ich fühle mich gut an diesem Morgen, dennoch fällt es mir schwer, mich selbst momentan körperlich, konditionell und mental einzuschätzen, denn es ist wie beschrieben meine erste größere Bergtour-Woche seit 9 Jahren. Deshalb habe ich auch die Routen auf Berge bis 2000m Höhe ausgesucht, wobei das Gebiet von der nicht anwesenden Begleitung ausgesucht wurde, da er schon einige der zu absolvierenden Touren gegangen ist. Die heutige erste Tour ist im Wanderführer als mittelschwere Tour (rot) beschrieben!

 

Also breche ich um 8.00Uhr auf und bewege mich zuerst zum Dorfrand und dann Richtung Stockeralm und Spitzingsattel. Entlang des kleinen Hachelbaches gewinne ich nach Verlassen des Dorfes schnell an Höhe und erreiche bald die Josefsthaler Wasserfälle, wo das Wasser in mehrereren Stufen hinab ins Tal rauscht. Auf den dann folgenden flachen bunten Blumenwiesen der Stockeralm lasse ich mich eine Weile fotografisch nieder und bin begeistert von der üppigen Vielfalt von Flora und Fauna. Weiter geht es  auf dem recht steilen sogenannten Bockerlbahn-Weg, einer ehemaligen Wald-Schmalspurbahn zur Tal-Verbringung von Fällholz, dann über Wiesen zum Spitzingsattel (1127m). Von hier geht es leicht ansteigend über einen Forstweg zur Oberen Firstalm, dann steil über Almwiesen zum Freudenreichsattel (1377m), zwischendurch begrüßen mich einige gehörnte Vierbeiner und haben keine Angst vor Kontaktaufnahme. Nun führt mich der Weg zunächst hinab auf den Verbindungsgrat zum Brecherspitz, hier einige Male ausgesetzt bis zu einer Scharte, danach stetig ansteigend über den ansonsten problemlosen Pfad bis zum Gipfel des Brecherspitz (1683m). Ziemlich genau um 13.00Uhr begrüße ich dort anwesenden Bergwanderer mit dem obligatorischen "Bergheil". Dann genieße ich den ersten Gipfelsieg der diesjährigen Tour, verharre hier eine lange Weile, genieße und fotografiere den Gipfelausblick über Tegernsee, Schliersee und die vielen zur österreichische Grenze immer weiter aufsteigenden Voralpengipfel, trinke und esse dann noch eine Kleinigkeit. Dabei wundere ich mich auch über meine eigene Fitness, habe ich mich diesbezüglich selbst doch wesentlich schlechter eingeschätzt.

Nach knapp einer Stunde Aufenthalt zieht es mich dann doch zurück ins Tal. Zeitgleich mit mir steigen mehrere Personen ab, verteilen sich jedoch auf drei mögliche Abstiegsrouten. Ich wähle die Route über die Ankel Alm (1311m). Den Schliersee und den gleichnamigen Ort immer vor mir.. Der Pfad ist zwar anfangs etwas unangenehm, da er über teils steile und große Stufen sowie durch dichten Latschenwald führt, durch den der Weg fast zugewuchert ist. Nach diesem Steilstück führt der Weg dann aber doch angenehm über Wiesen zur Alm. Nach einem angenehm kühlen Weizenbier mache ich mich dann auf den weiteren Weg ins Tal, besuche dort noch das Wasmeier-Heimatmuseum sowiie das Dörfchen und genieße am See nochmals ein kühles Weizenbier.

 

Laufleistung: 1800Höhenmeter, hälftig jeweils auf und ab, 6Stunden reine Gehzeit sind ein guter Anfang, die nächsten Berge und etwas mehr Herausforderungen können also kommen.

 

Freitag 26.06.2015: Auch an diesem Morgen lacht die Sonne und lockt mich förmlich aus dem Haus. Angepeilt habe ich für heute den Aiplspitz (1759m), der etwas höher als der gestrige Brecherspitz und im Wanderführer mit schwarz (schwierig) gekennzeichnet ist. Nach dem Frühstück fahre ich heute schon um 7.30Uhr zunächst mit dem Auto bis zum Spitzingsattel (1127m), um von hier aus aus meine eigentliche Bergtour zu beginnen. Ich bezahle die Parkplatzgebühr und unterhalte mich noch kurz mit dem Almwirt, der nach meiner Route fragt, mir eine Gänsehautgeschichte vom Aiplspitz erzählt und mir desweiteren zur besonderen Vorsicht rät. Ich merke bald warum!

 

Anfangs noch Almweg, wechselt dieser schnell in einen recht steilen Waldweg mit unendlich vielen Wurzeln, Blöcken und durch tagelange Regenfälle vor meinem Eintreffen teilweise gar morastigem oder wasserführenden Hängen. Als sich der Wald wieder lichtet, laufe ich oberhalb der parallel führenden Taubenstein-Seilbahn und des Spitzingsees Richtung Schönfeldalmen, um mich hier wieder fotografisch den sattblühenden Almwiesen zu gönnen, bevor ich die DAV-Schönfeldhütte (1410m) passiere und ohne Rast vorbei an einigen Almhäusern jetzt steil und in Serpentinen zum Tanzeck (1703m) aufsteige.

 

Wenig später befinde ich mich an der Grat-Einstiegstelle zum Aiplspitz. Jetzt heißt es extrem aufgepasst, denn gleich nach dem Gefahrhinweis verjüngt sich der Pfad auf nur noch mehrere Fußbreiten, so dass Entgegenkommende nur an bestimmten Stellen passieren können, denn die Hänge fallen hier extrem steil und teilweise bis knapp 200m ab. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind deshalb oberstes Gebot. An heiklen Stellen sind Seilsicherungen angebracht und auch die Schlüsselstelle, an der der schmale Pfad kurzfristig um einen Felsbuckel herum von der West- zur Ostseite des Grates wechselt, ist mit dicken roten Seilen versichert, welche aber wegen Spliss wenig sicheren Eindruck machen. Daher vertraue ich eher dem Felsen, klammere mich mit den Fingern in jede verfügbare sichere Fuge und klettere frei und mit äußerster Vorsicht behutsam über die steilsten Stellen (Fotos), da ich die Warnungen des Almwirtes sowie die von ihm beschriebene Familien-Tragödie nicht vergessen habe, bei der ein Münchener Bergwanderer vor einigen Tagen vor den Augen seiner Familie tödlich abstürzte. Danach führt mich der schmale Pfad mittig des Grates, zu beiden Seiten stark abfallend ziemlich steil und teils großstufig, zum Gipfelkreuz.

 

Um ziemlich genau 10.00Uhr befinde ich mich nach zuletzt schweißtreibendem Anstieg auf dem Aiplspitz-Gipfel (1759m), plündere meinen Rucksack, lasse mich fotografieren und revanchiere mich gleich, genieße dann auch heute lang und ausdauernd den Gipfelausblick. Beim Rückblick auf die Aufstiegsroute, die auch gleich im Abstieg wieder bezwungen werden muss, erkenne ich mit Respekt an, dass kleinere Berge nicht unbedingt leichter zu bezwingen sind als die großen 3000er Brüder

Vor dem Abstieg, der über die Aufstiegsroute verläuft, erkenne ich mit Respekt an, dass kleinere Berge nicht unbedingt leichter zu bezwingen sind als die großen 3000er Brüder und ich weiß nun, was mich an den heiklen Stellen erwartet. Wieder auf dem Tanzeck, wechsle ich nun, die Benzingspitz umwandernd, in Richtung Jägerkamp (1746m). Hier raste ich nochmals kurz für ein paar Fotos, denn der Ausblick auf Schliersee und die Ortsteile, die gestern bestiegene Brecherspitz sowie das Panorama nach Norden und Süden ist einzigartig. Dann geht´s über den Grat auf den nachfolgenden unbenannten Nachbargipfel (1748m), von hier an erfolgt der Abstieg zur urgemütlichen Jägerbauernalm (1544m). Dort genieße ich heute erstmalig mein verdientes kühles Radler.

 

Während des weiteren Abstiegs nehme ich nicht den gut ausgebauten Forstweg, sondern den alten, nicht mehr gepflegten Steig zum Spitzingsattel. Ein erneutes Abenteuer, wie ich bald feststelle. Ungesichert geht es unter und über den Hang niedergetürzte, kreuz und quer liegende Baumstämme, über Geröll- und Murenflächen sowie extrem steile Hänge mit Steinschlaggefahr. Diese passiere ich vorsichtig aber zügig. Dann öffnet sich der Wald und der Spitzingsattel mit Hütte und Parkplatz ist um kurz vor 16.00Uhr erreicht! Auch hier lasse ich mich noch einmal zu einem Radler nieder und spreche mit dem immer noch anwesenden Almwirt über meine heutigen Eindrücke. Auch mein Gastwirt, Herr Steber ist neugierig, denn er kennt diese Tour aus vergangenen eigenen aktiven Bergsteigerzeiten.

 

Laufleistung: 1264Höhenmeter, jeweils hälftig auf und ab sowie 6Stdn reine Gehzeit, dazu die Herausforderung am Aiplspitz

 

Samstag, 27.06.2015: Eigentlich war für diesen Tag ein Abstecher zum Tegernsee geplant, da bereits ab mittags Schauer mit Gewittereinlagen vorausgesagt sind, halte ich mich, gegen Regenwetter bestens gerüstet, zunächst ab ca. 8.00Uhr im Tal auf, als mir spontan die Idee einer Schlierseer Höhen- und See-Wanderung kommt. Leichte Tour (blau)

 

Also lasse ich nach kurzer Prüfung des Wanderführers mein Auto im Dorf stehen und beginne etwa in Höhe des Strandbades eine bezeichnete Höhenwanderung zur Burgruine Hohenwaldeck. Angeblich haben hier bereits die Römer eine erste Befestigung gebaut, erster Nachweis der Burg rührt aber aus dem Jahre 1140. Nachdem ich die Fahrstraße nach Oberleiten verlassen habe, folge ich einem Wiesenweg und erreiche ein leicht ansteigendes Wiesengelände, welches ich kreuze. Auf der sich mittig der Wiese befindenen Parkbank lasse ich mich eine Weile nieder, lasse Gedanken und Blicke schweifen und genieße den Überblick auf das Dorf Schliersse und den gleichnamigen See. Nach einer Weile gehe ich dann Richtung Wald, wo der Weg zum Pfad wird und serpentinenartig rasch in die Höhe führt. Nachdem ich den höchsten Punkt der heutigen Tour erreicht habe, geht es nun wieder leicht abwärts zur Burgruine Hohenwaldeck, deren Reste ich zunächst besichtige. Die Burg wurde 1480 durch einen Felssturz größtenteils zerstört, der Bergfried verfiel dann im Verlauf des 17.Jh. 

 

Auf einer Felsempore mit wunderschönem Ausblick über das Schlierseer Tal und die umgebenden Berge mache ich eine längere Rast, nehme Müsliriegel, Obst sowie Getränk zu mir, fotografiere dabei die Landschaft und mich per SLR- sowie GoPro-Kamera.

Ein sich immer mehr verdunkelnder Himmel und erstes leises Donnergrollen veranlassen mich dann doch, nun wieder ins Tal abzusteigen. Über steilen Waldpfad gelange ich schnell abwärts und vorbei am Wasmeier-Museum gelange ich gegen 12.30Uhr direkt ans See-Südufer, wo sich einige Restaurants befinden. Wegen des ersten kleinen leichten Schauers kehre ich in den teils überdachten Biergarten einer Pizzeria ein und verbinde das Nützliche mit dem Leckeren, bestelle ein Weizenbier und meine Lieblingspizza mit Meeresfrüchten, studiere dann nochmals Karte und Wanderführer, um wegen des sich wieder auflockernden Himmels zu der Erkenntnis zu gelangen, die Seeumwanderung könnte ich noch anschließen.

 

Eine mäßig gute Idee wie sich bald herausstellt. Als ich mich auf der Westseite des Sees befinde zieht sich das Tal komplett zu und es bricht ein schweres Gewitter mit Sturzregen los. Gottseidank kann ich noch schnell meinen Regenponcho überziehen, so dass ich nicht allzu nass werde. Ich bin trotzdem froh, als ich endlich mein Auto erreiche und gegen 15.30Uhr die Pension erreiche, denn der Schauer hat sich in Dauerregen verwandelt. Erst spätabends bessert sich das Wetter zögernd.

 

Heutige Laufleistung: "Nur" knapp 500Höhenmeter, gehälftet in Auf- und Abstieg, sowie fünfeinhalb Stunden reine Gehzeit

 

Sonntag, 28.06.2015: Klarer Himmel und positive Wettervorhersagen machen heute wieder eine ausgedehnte anspruchsvolle Bergtour möglich. Also nehme ich die Rotwand (1884m) ins Visier. Gleich nach dem Frühstück sitze ich wieder im Auto, um gegen 8.30Uhr meinen Ausgangspunkt der heutigen Tour zu erreichen. Mittelschwere Tour (rot)

 

Vom Parkplatz "Schweres Gatter" (830m)  aus geht es gleich etwa eine halbe Stunde steil auf dem Fahrweg bergan bis zum Sillberghaus (1060m). Ab hier geht es nun unspektakulär aber mit tollen Bergaussichten über Wiesen-, Wald-, Almgelände entlang der Südseite des sogenannten "Maroldschneid" gleichbleibend mäßig ansteigend bis der elendig lang vorkommende Wanderweg abrupt in den Aufstieg zum Auerspitz mündet. Jetzt ist wieder Kondition, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit vorausgesetzt, denn zunächst über angelegte, aber teilweise verwitterte, dann am Südgrat größere und ausgesetzte Block-Stufen, führt der jetzt schmale Steig direkt auf den Gipfel des Auerspitz (1811m).

 

Gegen 12.30Uhr mache ich hier eine ausgedehnte Rast mit Fotoeinlagen. Dann steige ich über die Norseite zunächst kurz ab um ein Gelände zu queren, welches sich durch die gestrigen hier wohl ergiebigen Regenfälle großflächig abwärts bewegt. Mit etwas mulmigen Gefühl bewältige ich diese Gefahrenstelle zügig und gelange zum Aufstieg zur Kümpflscharte (1695m). Von hier aus sind es nur noch wenige Minuten bis zum Rotwandhaus, in dem ich jedoch jetzt noch nicht einkehre sondern zunächst auf breiten Fahrweg gegen 14.00Uhr den Rotwand-Gipfel (1884m) erreiche.

 

Etwas unwirklich erscheint mir das hier extrem gut ausgebaute Gelände und die Menschenmassen am Rotwandhaus und hier am Gipfel, habe ich doch mehr Ruhe erwartet. Das deckt sich mit meinem Gedenken an Bruno, dem Braunbären, der nach Deutschland eingewandert war und leider am 26.06.2006 hier ganz in der Nähe erschossen wurde. Trotzdem genieße ich eine Weile die Panorama-Ausblicke nach Norden und Süden und durch die hier angebrachte Messingtafel werden die Gipfel in der Ferne sogar beschrieben. Dadurch entdecke ich auch meine vorgestern bewältigte Route über Jägerkamm und Aiplspitz im Norden, südlich ist das unterhalb des Gipfels das Rotwandhaus und im Hintergrund sogar der Alpenhauptkamm zu sehen. Nach ein paar Fotos beginne ich den Abstieg, denn hier am Gipfel wird es zwischenzeitlich immer voller.

Gegen 15.00Uhr völlig überlaufenen Rotwandhaus (1737m) angekommen, erfrische ich mich nun mit einem Radler, mache mich aber bald wieder auf den Rückweg. Dieser ist noch lang genug und in den hier anwesenden Menschenmassen fühle ich mich einfach nicht wohl. Daher steige ich über die Krümpflscharte, über die ich gekommen bin, wieder ab, und größer kann der Kotrast zum regen Treiben an Rotwand und gleichnamigen Haus kaum sein. Ab hier herrscht wieder die vertraute einsame Stille der Bergwelt.

 

Statt zum Auerspitz zurück führt mein Weg aber jetzt unterhalb des Sebaldsteins über Wiesen mit üppiger Flora, dann unterhalb der Ruchenköpfe zur Großtiefenalm (1500m). Hier lasse ich mich gegen 16.00Uhr auf der Hausbank der Eingangsterasse nieder, Getränke und Krapfen gibt es gegen eine Spende. Während meines über einstündigen Aufenthaltes, einer Hausführung und interessanter Gespräche faszinieren mich die persönlichen Einstellungen, die Lebensweise und die Erzählungen über die Alm- und Bergerlebnisse in der hiesigen Einsamkeit der Almwirtin, einer jungen Studentin, die diesen Job mit viel Arbeit und einfachstem Leben für diese Saison angenommen hat.

 

Dann verabschiede ich mich und wandere durch diese menschenleere Einöde, rechts immer die senkrechten Wände der bei Kletterern beliebten Ruchenköpfe im Blick, über fast ebenes Almgelände zum wunderbar gelegenen Soinsee (1459m). Nur ein paar gemütliche gehörnte Vierhufer treffe ich auf dem Weg dorthin an. Ich genieße diese mich hier umgebende Stille und Einsamkeit in dieser bildschönen Umgebung mit üppiger Flora, gehe nun langsam voran und kann meine Gedanken weit schweifen lassen. Am Ostende des Sees biege ich rechts ab, gehe die Hänge zur Ruchenkopfhütte (1509m) hoch und setze mich hier nochmals zu einer kurzen Trink- und Fotorast in eine bunte Almwiese, genieße dabei den Rückblick auf den Soinsee. Dann links über die weitläufige Soinalm und entlang des Soingraben um den Sillberg herum auf den Fahrweg zum Sillberghaus, und weiter bergab wieder zum Endpunkt Parkplatz am "Schweren Gatter", den ich endlich gegen 19.00Uhr erreiche. Ich hätte nicht erwartet, ein so einsames Stück Erde wie eben ab der "Krümpfl Scharte" durchwandert, hier in Bayern zu erleben. Außer der Almwirtin und einem Moutainbiker bin ich hier über Stunden keinem Menschen begegnet.

 

Laufleistung: Mit 2600Höhenmetern, wieder hälftig auf- und absteigend, sowie 8Stunden reine Gehzeit war das meine bisher ausgiebigste Tour in dieser Woche.

 

Montag 29.06.2015: Auch zur heutigen letzen Tour lacht die Sonne wieder. Zwei Aufstiegsmöglichkeiten stehen heute zur Wahl: Der Wendelstein (1838m) mit Höhle, Sternwarte und Wetterstation am Gipfel oder das verlassene  Hintere Sonnenwendjoch (1986m) als Grenzgipfel zu Österreich und als höchster der Tegernseer und Schlierseer Berge. Leichte Tour (blau)

 

Heute morgen lasse ich es etwas langsamer angehen, unterhalte mich noch eine Weile mit meinem Gastgeber und mache mich erst um 9.00Uhr mit dem PKW über auf den Weg nach Bayrischzell. Auf etwa halber Strecke passiere ich die Talstation der Wendelsteinbahn, entscheide ich mich jedoch spontan weiter zur österreichischen Grenze zu fahren, um danach in eine Mautstraße einzubiegen, die zum Parkplatz des Gasthofes Ackernalm (1383m) führt. Um 9.30Uhr schnüre ich meine Bergschuhe, schultere den Rucksack und beginne den Aufstieg. Mir fällt gleich die gemütliche almtypische Atmosphäre auf. Ziegen und Kühe liefern der hier ansässigen Käserei, die ich auf dem Rückweg noch genauer besichtigen werde, Rohstoffe für Wurst- und Käsespezialitäten. Von hier aus ergibt sich ein phantastischer Blick auf das österreichische Kaisergebirge. Weiter wandernd passiere ich noch einige Almhütten und eine kleine Kapelle, die ich mir genauer ansehe und fotografiere.

 

Dann folge ich dem befestigten Fahrweg bis zur Steinkaser Alm (1522m), nun auf unbefestigtem Fahrweg weiter bis zur Bärenbad Alm. Bis jetzt war es ein mäßiger Anstieg. Gedenktafeln und auf der Strasse liegende große Gesteinsbrocken erinnern mich daran, dass die Bergwelt immer lauernde Gefahren beinhaltet. Der bisher leichte Anstieg ändert sich abrupt, als der Wegweiser mich vom Fahrweg auf einen Steig ins Hanggelände und zur Südwestseite des Gipfels führt. Von hier an führt der Steig ohne Kehren äußerst steil, ansonsten aber unschwierig direkt auf das Hintere Sonnwendjoch (1986m). Es ist nun ziemlich genau 12.00Uhr

 

Von einem zeitgleich ankommenden Wanderpaar lasse ich mich zunächst am Gipfelkreuz fotografieren. Welch ein Unterschied zur gestrigen Tour: Traumhafte Ruhe und Aussichten bestätigen mir, dass sich dieser letzte Aufstieg meiner Tourwoche gelohnt hat und ich genieße auch heute wieder eine lange Zeit den Rundum-Panoramablick auf das Mangfallgebirge, im Süden gar bis zum gletscherbedeckten Alpenhauptkamm. Nach Osten ist der Wendelstein mit seiner imposanten Gipfelbebauung sowie nach Westen in unmittelbarer Nachbarschaft auf einer Felsenplatte eine weidende Schafherde zu sehen. Bei meinem Blick über die Gebirgskante unmittelbar hinter meinem Sitzplatz fällt mir auf, dass der Hang hier an der Nordseite fast senkrecht ca. 700m abfällt und sich in den Geröllrinnen Schneereste halten. Dann genieße ich meine mitgebrachten Getränke, Müsliriegel und Obst. Schnell sind Alpendohlen zur Stelle, um meine Essensreste zu verspeisen, dabei sind sie so vertraut, dass sie mir nach wenigen Minuten die Müslibrocken aus der Hand picken.

Gegen 13.00Uhr verlasse ich den Gipfel. Zunächst der Aufstiegsroute entgegengesetzt absteigend, wende ich mich an der ersten Wegverzweigung diesmal nach links in östliche Richtung, gehe fast eben bis zum Burgstein, an Kaarstlöchern vorbei, die sich unvermittelt und unmittelbar neben der Wanderroute auftun. Hier mache ich noch ein paar Fotos, darunter Selfies mit Burgstein und Sonnenwendjoch im Hintergrund, bevor ich durch eine kleine Scharte und dann steil hinab zur Girgalalm, dann flacher zurück zur Steinkaser Alm (1522m) gelange.

 

Dort erreiche ich den Fahr- und Rückweg zur Ackernalm. Da es noch früh am Tag ist, trödle ich unterwegs ein wenig, mache einige Fotos und genieße die wunderbare Aussicht in eine hier recht verlassene und idyllische Bergwelt. Auf der Ackernalm (1383m) angekommen, begegnen mir wieder gutmütige aber neugierige gehörnte Viecher und eines davon läßt sich zu einem gemeinsamen Selfie ermuntern, fordert regelrecht eine gute Position auf dem Foto! Da die Käserei geöffnet ist, kehre ich dort ein, probiere ein paar der Almköstlichkeiten, kaufe dann zwei große Stücke der angebotenen herzhaften Almkäse.

 

Wenig später um 15.30Uhr am Gasthof angelangt, setze ich mich dort auf der Sonnenterasse nieder und bestelle mir Weizenbier sowie köstlichen, wohltuenden echtbayrischen Fleischkäse und schließe damit die heutige vorerst letzte Bergtour ab. Dabei genieße ich nochmals den tollen Ausblick zum Kaisergebirge.

 

Laufleistung heute: Ca. 1200Höhenmeter hälftig auf und ab sowie 4Stunden reine Gehzeit

 

Laufleistung dieser Bergtour-Woche: 7364Höhenmeter und 29,5Stunden Gehzeit

Nach Ankunft und Erfrischung in der Pension fahre ich nochmals ins Dorf Schliersee, kaufe mir Proviant für die morgige Rückfahrt. Anschließend gehe ich zur Seeterasse, genieße dort nochmals kühles Weizenbier bei prächtigem Wetter, schaue dabei fast ein wenig wehmütig über den Schliersee und die ihm umgebenden Berge.

 

Dienstag 30.06.2015: Nachdem ich meine Sachen gepackt habe, fahre ich bei bestem Wetter heimwärts und erreiche Berlin zügig und ohne Probleme. Ich bin mir sicher, dass ich bestimmt nochmal hierher komme, um einige diesmal ausgelassene interessante Tourziele zu bewandern, die nächsten Touren sollen aber zunächst wieder höheren Bergen gewidmet sein. Bergheil!

Bergheil!!! Euer Norbert Schmidt...im nächsten Jahr wieder "Hohe Tauern"



 

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