2006 - Sellraintal / Stubaier Alpen

.... mit Schrankogel-Gipfelbesteigung (3497m) über Amberger Hütte

 

DER FILM ZUM BERGTOUR-BERICHT (ca.90Min)

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Bergtour-Bericht in Text und Bild:

Ort und Umgebung:
Gries (1238m) gehört mit ca. 600 Einwohnern zu den kleineren Gemeinden des Sellraintales, somit zu den Stubaier Alpen und liegt 25km westlich von Innsbruck.
 
Das Sellraintal selbst zweigt bei Kematen vom Inntal ab und erreicht in seinen südlichen Nebentälern das Gebiet der zentralen Vergletscherung. Das Tal bezeichnet 380km Wanderwege, bietet dabei mehr als 25 Zweitausender und 20 Gipfel, die 3000 Meter überragen und den Stubaier Alpen zugeordnet sind. Weitere Orte dieser Region sind Ober- und Unterperpfuss, Ranggen, St.Sigmund-Praxmar, Sellrain und das Skizentrum Kühtai mit dem riesigen Wasserspeicher im Finstertal. Das Sellraintal gehört zu den weniger bekannten Tälen der Stubaier Alpen, was ihm aber insgesamt gesehen ganz gut tut, denn hier existiert sie noch, die dörfliche Idylle. Und der Bergwanderer liebt das.
 
Da das Tal eine Verbindungsachse zwischen dem Ötztal und Innsbruck, nebenbei auch noch eine beliebte Motarradstrecke darstellt, ist die Durchgangsstraße tagsüber relativ belebt. Dafür sind die Seitentäler um so ruhiger.
 Wegbeschreibung:
A1/A45/A3/A7 bis Kempten, B309/B310 Richtung Füssen, B179 Richtung Reutte/Fernpass/Nassereith, B189 Richtung Obsteig, dann Richtung Ötz im Ötztal, von hier über Kühtai ins Sellraintal nach Gries i.S. (ca. 790km)
 
Alternative: A1/A45/A3/A9 bis München, A99/A8 Richtung Salzburg, A93/A12 Richtung Kufstein/Innsbruck/Kematen(Zirl), über die Abfahrt Kematen ins Sellraintal bis Gries i.S. (ca. 850km)
 
Organisation und Tourenplanung:
Wie in den Vorjahren übernahm ich die Tourenplanung. Im Einverständnis aller Bergfreunde wurde wieder eine Mischtour geplant. Das heißt: Mehrere Tageswanderungen und eine Mehrtageswanderung inklusive Gipfeltour zum Schrankogel (3497m Höhe!) mit ein oder zwei Hütten-Nächten, wobei die Übernachtung auf der Amberger-Hütte als Basisstation für die Gipfelbesteigung (5Stdn) auf jeden Fall nötig war.
 
Auch mehrere Besichtigungen und sonstige Ersatzbeschäftigungen für Schlechtwetter-Tage waren vorgesehen. Die endgültige Planung hielten wir uns für die Tourwoche selbst vor, um wieder genügend flexibel zu sein. Die Tour fand von Freitag, 01.09. bis Samstag, 09.09.2006 statt.
 
Unterkunft:
Die Unterkunft fanden wir auch dieses Jahr über das Internet. Unsere Übernachtungen buchten wir als Doppelzimmer in der Familienpension Karin und Max Wegscheider in Narötz, einem Ortsteil von Gries i. Sellraintal im Lüsenstal, eines der ruhigen Seitentäler.

Teinehmer auf dem linken Bild von links nach rechts: (stehend) Uwe Scheunemann, Werner Mengelkamp, Norbert Gravermann und Winfried König sowie (sitzend) Norbert Schmidt und Dieter Henke

 

Gipfelsieger auf dem rechten Bild: Norbert Schmidt (links) und Norbert Gravermann (rechts) sowie Dieter Henke (als Fotograf dieses Bildes leider nicht sichtbar)

Teilnehmer:
Dieter Henke, Norbert Gravermann, Winfried König, Werner Mengelkamp, Uwe Scheunemann und Norbert Schmidt.
 
Besonderes:
Auch in diesem Jahr fehlten wieder zwei Bergfreunde aus folgenden Gründen: Sebastian Schmidt wegen Zivildienst, Josef Wesselborg aus persönlichen Gründen. Winfried war aufgrund seines vor zwei Jahren erlittenen schweren Unfalls und einer noch bevorstehenden Knie-OP noch schwach und schonte sich. Uwe tat es ihm wegen eines diesjährig erlittenen Bandscheiben-Vorfalles gleich. Beide nahmen nur an wenigen Touren teil, hatten dennoch ihren Spaß an und während dieser Fahrt.
 
Dieses Mal hat Norbert G. ein paar Anekdoten (Geschichtchen) gesammelt, die merk- und denkwürdige sowie lustige Situationen während unserer Bergtour-Woche beschreiben. Diese sind in Kursivschrift eingebunden.
Tourverlauf:
Freitag 01.09.2006 (Anreisetag)
 
Anfahrt mit Ötzidorf- und Stuibenfall-Besichtigung: Morgens um 2.00Uhr sind wir bereits alle topfit, denn wir starten unsere StubaiTour 2006 ins Sellraintal. Da wir nur 6 Personen sind, fahren wir ausschliesslich mit Winfried´s VW-Kleinbus Sharan und weil Dieter und Winfried sich beim Fahren ablösen und uns keine Staus aufhalten, unterbrechen innerhalb Deutschlands nur Tank- und Frühstückspause unsere Reise und wir überqueren bereits um 9.00Uhr die Landesgrenze nach Österreich.
 
Das Schlechtwetter der vergangenen Wochen haben wir auch zuhause gelassen. Uns fällt aber auf, dass die Berge noch bis auf ca. 2000m mit Schnee bedeckt sind. Bis nach Ehrwald fahren wir die gleiche Strecke wie 2004, dann passieren wir jedoch diesen Ort, überqueren den Fernpass und später den Inn, steuern dann ins Ötztal, um das weitbekannte Ötzidorf in Umhausen (1031m) zu besichtigen.
 
Dort gegen 11.00Uhr bei schönstem Wetter angekommen, erkennen wir schnell, dass ein Besuch sehr lohnenswert ist. In liebevoller Arbeit wurde ein Dorf nach Ausgrabungsfunden erstellt, wie es vor über 5000Jahren tatsächlich existiert haben muss.
 
In einem solchen Dorf lebte wahrscheinlich auch der am Similaungletscher gefundene und Ötzi genannte Steinzeitmann!
 
 
Wir bekommen bei der 45minütigen Führung zurückgezüchtete urzeitliche Tiere (Wollschwein und Auerochse) und Nahrungspflanzen (Einkorn), originalgetreu nachgebaute Hütten mit Innenleben, Öfen, Steinzeitwerkzeuge und Waffen, Einbäume und sogar Grabkammern gezeigt, nett und informativ erklärt. Leider haben wir nicht das Glück, eine der öfter durchgeführten Dorfleben-Vorführungen einer 15köpfigen Darstellerschar verfolgen zu können.
 
Nach diesem informativem Besuch gehen wir zum KFZ- Parkplatz zurück, essen unser von Werner bereits zuhause vorbereitetes und mitgeführtes Mittagessen und beginnen gegen 13.30Uhr einen Verdauungsspaziergang zum Stuiben Wasserfall. Er ist mit 159m der höchste in den Stubaier-Alpen und entstand vor ca. 9000Jahren durch einen riesigen Bergsturz. Man erreicht ihn leicht in etwa 20Minuten.
 
Auf dem Weg dorthin bricht Uwe ab und geht zum Auto zurück. Wir anderen gehen weiter bis zur Aussichtsplattform und bestaunen die gewaltigen herabstürzenden Wassermassen an der unteren Fallstufe. Hier endet auch für Werner und Winfried der Weg und sie folgen bald Uwe, während Dieter, Norbert G und ich den Wasserfall in seiner ganzen Größe erleben wollen. Wir laufen daher den Wasserfallsteig weiter, der allerdings streckenweise sehr nass, matschig und daher auch rutschig ist, so dass wir aufpassen müssen, nicht zu stürzen. Wir gehen bis an die obere Aussichts- Kanzel und bestaunen den tosenden Fall, filmen und fotografieren ihn und gehen nach einiger Zeit die Anstiegstrecke zurück und zum Parkplatz.
Als wir um dort um 15.00Uhr ankommen, finden wir unsere Bergfreunde hier aber nicht, sondern bei Bier und Radler auf der Sonnenterasse der angrenzenden Jausenstation. Wir gesellen uns dazu und genießen die Sonne und das "kühle Blonde". Wir verbringen einige Zeit, bevor wir gegen 15.45Uhr zur letzten Etappe unserer heutigen Reise zu den Wegscheider´s aufbrechen. Wir fahren nun bis nach Ötz (812m) zurück und biegen dann nach rechts Richtung Gries i. Sellrain ab. Das Fahrzeug hat gleich schwer zu schaffen denn die Strecke führt uns in engen Serpentinen bis Kühtai auf 2020m Höhe. Dort erleben wir Wildwechsel mal auf eine zahme Art, denn Pferde und Kühe benutzen oder kreuzen die Strasse mit stoischer Ruhe und machen keinen Meter Platz, schauen uns dabei nur neugierig an.
 
Um 16.30Uhr treffen wir im Grieser Ortsteil Narötz bei Wegscheider´s ein und werden herzlich begrüßt. Wir packen unsere Reisetaschen und Rucksäcke aus und beziehen die Zimmer. Karin, die ich seit der letzten E-Mails dutze, stellt gleich klar, dass das auch so bleiben und für alle gelten soll. Uns fällt früh auf, dass die Stube sehr warm ist und der Schornstein dieser Pension der einzig rauchende in der Umgebung ist. Auf Anfrage sagt Max dazu nur lakonisch: "Kosch´t ja nix!" Später erklärt er uns, dass er mit altem Palettenholz heizt, welches er umsonst bekommt.
 
Am Abend gehen Norbert und ich nach dem Essen noch eine Runde spazieren und die nähere Umgebung erkunden (s.u.), bevor wir dann Karten spielen und die erste Tour für morgen planen.
 
Gesamtstrecke: 4km / 389hm+ / 389hm- / 1,5Stdn
 
Schwierigkeitsgrad: leicht
Anekdote Nr.1: "Der Uhu"
Unser Wanderfreund erkundet nach der Ankunft in Narötz bei Max und Karin zunächst einmal die nähere Umgebung, Mit dabei ist natürlich sein (fast) allerliebster Schatz, manche sagen auch "sein Baby", ein Gerät namens Video-Kamera. Damit ist er immer auf der Suche nach der Sensation des Tages. Und siehe da: welch ein Glück! In der Ferne ist doch tatsächlich ein Uhu entdeckt worden. Hurra! Die ersten Aufnahmen dieses seltsamen Kauzes können gemacht werden! In allen Varianten und Perspektiven wird das gute Tier gefilmt. Gott sei Dank hält das Objekt der Begierde wie ein Fotomodell still und rührt sich nicht vom Fleck. Diese Anmut, Eleganz, diese Federn, diese stolze Körperhaltung, die majestätische Kopfhaltung....
 
Super! Toll! Was für eine Aufnahme!
 
Doch dann wird der Wander - und Kamerafreund ganz wirr!
Ist das am Ende etwa doch kein Uhu - Tier?
Dann sieht er es ganz klar; er glaubt es kaum:
Das "edle Tier" ist wohl doch nur ein Baum
Anekdote Nr.2: "Kosch´t ja nix"
Die sonst so sparsamen Einheimischen sind da am großzügigsten, wo wir Flachlandtiroler es so überhaupt nicht vermutet haben: Beim Heizen. Ist es draußen noch so warm, in der guten Stube wird immer kräftig eingeheizt. Der gute Max erklärt das so: "Kosch´t ja nix!"

Samstag 02.09.2006 (1.Tourtag)

 
Sellrainer Höhenwanderung über Gries, St.Sigmund, Haggen und Sonnbergalm: Um 8.00Uhr sitzen wir erwartungsfroh und voller Tatendrang gemeinsam beim Frühstück. Wir unterhalten uns mit Karin und Max über mögliche und geplante Touren. Als sie uns erzählen, dass der Schnee bis vor 2 Tagen noch die Hälfte des Tales bedeckte (bis auf ca. 1600m) bezweifeln wir für einen Moment an der Durchführmöglichkeit unserer Schrankogel- Gipfelbesteigung (3497m), wollen aber die Wetterentwicklung beobachten, denn es ist Beruhigung und weitere Erwärmung angesagt. Auch der Blick auf die umliegenden Berge bestätigt diese Prognose, denn die Schneegrenze hat sich bereits weiter zurückgezogen; aber das kann sich in diesen Gefilden bekanntlich schnell ändern.
 
Nachdem ich durch die Touristinformation auf den Sellrainer Höhenweg aufmerksam geworden, sie gestern bereits meinen Bergfreunden vorgestellt habe und wir die Schönheit dieser Tour durch Karin bestätigt bekommen haben, ist klar: Diese Tour soll unsere Einführungswanderung sein. Karins Hinweis, dass sie mit insgesamt 25km ziemlich lang ist, nehmen wir nicht ernsthaft auf, zumal sie selber korrigiert, dass an einigen Stellen der Abstieg möglich ist. Unsere Anfangstour Eibsee-Wanderung vor 2 Jahren war ja schließlich auch so lang und wir haben alles relativ gut überstanden.
 
Also gehen wir nach dem Frühstück gegen 9.00Uhr von Narötz (1350m) über den Wiesenpfad 3km nach Gries (1187m), besichtigen den kleinen Ort ein wenig und gehen nach Kleineinkäufen wieder zurück bis zum Zirmbach, an diesem zunächst nur leicht ansteigend entlang Richtung St.Sigmund. Schon auf halber Strecke dorthin muß Uwe die Wanderung bei Kreuzlehn (1362m) wieder abbrechen und nach Gries zurückkehren (s.u.). Er hat dort Glück und trifft Max, unseren Gastgeber, der ihn mit dem KFZ zurückfährt.
 
Wir anderen gehen indessen gemütlich nach St.Sigmund (1513m) und weiter nach Haggen (1646m). Wir genießen dabei immer wieder die Einblicke in die Seitentäler mit den immer noch weiß angehauchten 2500er und 3000er Gipfeln. Wir bemerken, dass dieser Ort fast ausgestorben ist, die Landflucht ist hier in vollem Gang. Werner ist durstig, aber die ehemaligen Gaststätten sind aufgegeben worden, auf Almmilch will er verzichten und das mitgeführte Wasser mundet ihm auch nicht besonders. Wir befinden uns jetzt auf 1720Höhenmeter (hm). Die Sonnbergalm, eine karteneingezeichnete Jausenstation, ist hier ebenfalls geschlossen und etwa 200m höher wiedereröffnet worden. Das will auch Winfried nicht mehr mitmachen, er will mit dem Bus nach Gries zurückfahren. Nur mit Mühe können wir ihn dazu bewegen, uns weiter zu begleiten. das lohnt sich allein deshalb, weil auch Werner keine Lust mehr hat und mit ihm gehen würde.
 
Mit Geduld bringen wir beide auf die Sonnbergalm (1950m) und genießen dort einige Radler und Weizenbiere, sehen bei der Schafwollschur zu, machen Fotos von uns und der schönen Umgebung, müssen uns dann aber gegen 15.30Uhr losreißen, denn wir haben erst etwas mehr als die halbe Strecke zurückgelegt.
 
Als wir weiter auf dem Höhenweg unterwegs sind, bemerken wir einen Adler, der sich an den Felshängen des Grieser Roßkogels (2646m) immer neue Höhenströmungen zum Segeln sucht. Der Weg führt in fast gleichbleibender Höhe von ca. 2000m und erscheint uns bald unendlich.
 
Dann haben wir es vermeintlich geschafft, gegen 17.30Uhr haben wir den Bergrettungsweg nach Gries erreicht. Aber schnell wird uns allen klar, dass uns hier noch eine harte Konditionsprüfung bevorsteht. Der Abstieg führt über endlose Grasmatten, die kaum Halt bieten und die Kniegelenke arg belasten. Dann führt der Steig in den Nadelwald, wo unzählige aus dem Boden ragende Wurzeln das Gehen auch nicht erleichtern. Im Gegenteil: Durch die Steilheit des Hanges müssen wir höllisch aufpassen, daß niemand fällt. Zu guter Letzt reißt unsere Truppe auseinander, aber es halten sich wenigstens Pärchen. Ich selbst laufe vorn an, Norbert und Dieter folgen in großem Abstand und Werner und Winfried müssen wegen Winfrieds Knieproblemen ganz abreißen lassen.
 
Als ich mich um 18.30Uhr im Dorf befinde, folgen Dieter und Norbert erst in 30minütigem Abstand und gehen direkt weiter zur Pension, von Winfried und Werner ist aber lange Zeit immer noch nichts zu sehen und ich mache mir wegen der fortschreitenden Dämmerung Sorgen. Dann aber erblicke ich sie endlich durch mein Fernglas auf einem Freigelände oberhalb des Dorfes und da das Essen bereits wartet, holt Max uns mit dem Geländewagen ab.
 
Erst um 20.30Uhr sitzen wir an diesem Abend gemeinsam am Abendtisch und vor allem Werner hat einen Riesenhunger und Durst (s.u.). Wir unterhalten uns noch einige Zeit über das heute Erlebte und spielen Karten.
 
Gesamtstrecke: 25km / 949hm+ / 949hm- / 7Stdn
 
Schwierigkeitsgrad: Mittel
 
 
Anekdote Nr. 3: "Hips don´t lie"
 
Die Bergwanderer aus Senden sind zwar harte Jungs, doch starke Schmerzen in der Hüfte beenden den Berg- Höhenflug von Uwe. Der Songtitel von Shakira "Hips don´t lie", zu deutsch: "Hüften lügen nicht" ist hier Wahrheit geworden!
 
Anekdote Nr. 4: "Der Aperitif"
 
Warum haben die Bergwanderer immer so einen sehr gesegneten Appetit? Liegt es an der Bewegung in der gesunden Bergluft? Nein! Es liegt am Chantre- Weinbrand! Eine Flasche von diesem edlen Getränk als Aperitif (lt. Duden: appetitanregendes alkohl. Getränk) an einem Abend verzehrt - und schon ist der Appetit fast schon nicht mehr zu bremsen.
Sonntag 03.09.2006 (2.Tourtag)
 
Erste Gipfelbesteigung: Trotz der noch leicht zu spürenden Muskel- und Geklenkschmerzen haben wir uns ein ehrgeiziges Programm vorgenommen, denn wir wollen den Grieser Roßkogel (2646m) besteigen. Winfried und Uwe sagen die Tour aufgrund ihrer gestrigen Erfahrungen von vornherein ab. Wir bitten sie daher, den Rest unserer Truppe mit dem Auto nach Sellrain-St. Quirin bis auf ca. 1800hm zum Ende des Fahrweges bringen, so haben wir nur noch gut 800hm bis zum Gipfel. Soweit die Kartenplanung!
 
Um 9.30Uhr schultern wir unsere Rucksäcke und gehen dem Wanderweg folgend, in den Wald. Und als wir auf einen unseren Pfad kreuzenden und noch im Bau befindlichen Forstweg stoßen, ist auf der anderen Wegseite kein Steig oder ähnliches mehr zu erkennen, Markierungen sind wahrscheinlich verworfen und Schilder beseitigt worden. Wir gehen zunächst dem neuen Forstweg nach, bis dieser im Nichts endet. Auch Kompass und Höhenmesser helfen hier nur bedingt weiter.
 
Nur eine nicht begehbare Schneise von umgesägten Bäumen weist uns die Richtung, in der dieser Forstweg einmal weiterführen soll. Also rufe ich meine Pfadfindereigenschaften ab und wir queren den Wald auf gleichbleibender Höhe, bis wir nach einigen Minuten einen Steig finden und diesem in die Höhe folgen, ohne zu wissen, ob es der Richtige ist. Wir haben ein ungutes Gefühl und uns dämmert schon leise, dass wir nicht mehr auf dem richtigen Weg sind. Wir queren mehrmals die neue Forstwegschneise, bis wir oberhalb der Baumgrenze angelangt sind. Werner macht kehrt und will zurücklaufen, da kommt Dieter eine rettende Idee (s.u.) und kann ihn überreden, weiter mitzugehen. Kurze Zeit später gelangen wir an eine Quelltränke.
 
Hier rasten und erfrischen wir uns heute erstmalig gegen 10.45Uhr, verschaffen uns dabei eine erste Geländeübersicht und merken schnell, dass wir noch weiter vom Ziel entfernt sind, als gewünscht. Wir genießen trotzdem die phantastische Aussicht auf Innsbruck und vermuten, dass wir uns unmittelbar unter dem Sellrainer Höhenweg befinden! Die Bestätigung dafür erfahren wir bald nach Fortsetzung unserer Tour durch ein Höhenkreuz und folgender Hinweisschilder. Wir erkennen nun auch, dass wir jetzt erst die 1800hm Höhenmarke erreicht und heute ohne Risiko einer nochmaligen starken Verspätung keine Chance mehr auf unsere Besteigung des Roßkogels haben. Daher schrauben wir unsere heutigen Erwartungen und Energie herunter und wollen wenigstens das vorgelagerte, viel niedrigere Kögele (2195m) besteigen.
 
Als wir gegen 12.00Uhr nochmals auf einer Anhöhe pausieren, haben wir das Vergnügen einer tollen Aussicht. Auch die Siedlung Narötz mit der Wegscheider-Pension können wir beobachten und durch das Fernglas könnte man sogar Personen erkennen, die umherlaufen oder winken, aber es tut sich nichts dergleichen
 
Im Hintergrund können wir sogar den zentralen Alpenhauptkamm mit seinen Gletschern erkennen. Die Schneegrenze hat sich jetzt schon auf die 3000er Berge zurückgezogen und wenn das Wetter hält, werden wir uns bald inmitten dieser höchsten Stubaier-Gipfel befinden.
 
Um Punkt 13.00Uhr reichen wir Viere uns gemeinsam die Hände und beglückwünschen uns gegenseitig mit einem "Berg heil" auf dem Kögele-Gipfel und Norbert G. führt die obligatorische Gipfelbucheintragung durch. Besonders Werner freut sich über diesen Gipfelsieg, es ist sein erster! Wir haben hier eine phantastische (Fast-) Rundumsicht. Nur das benachbarte Roßkogelmassiv versagt uns den Blick Richtung Osten. Im Norden reihen sich Wetterstein-, und Karwendelgebirge aneinander. Im Osten ist über dem Inntal die Spitze des weit entfernten Tauerngipfels Großglockner ebenso zu erkennen wie die Zacken der Zillertaler Alpen. Richtung Süden fallen die Kalkkögel und wiederum der gletscherbedeckte Alpenhauptkamm auf.
 
Wir machen hier oben eine ausgedehnte Pause, denn es ist angenehm warm. Dann kehren wir auf dem gleichen Weg zurück wie wir gekommen sind. Das erleichtert die Orientierung und das Laufen. Kurz vor Erreichen unseres morgendlichen Ausganspunktes telefonieren wir wie vereinbart mit Winfried und bestellen unser Taxi. Um 15.38Uhr treffen alle fast zeitgleich am vereinbarten Punkt ein und die Taxifahrer bieten einen besonderen Service, denn sie haben uns Getränke mitgebracht und sogar ans Weizenbierglas hat Uwe gedacht.
 
Auch an diesem Abend nehmen wir die einheimischen Gerichte von Karin gern zu uns und genießen bei heute angenehmen Temperaturen die frische Terassenluft. Max betätigt sich als Disk-Jokey und holt sein "Kofferradio" nach draußen, einem riesigen Gerät, mit dem man das ganze Tal unterhalten könnte (s.u). Spät am Abend spielen wir erst Karten.
 
Gesamtstrecke: 11km / 885hm+ / 885hm- / 4,5Stdn
 
Schwierigkeitsgrad: Leicht
Anekdote Nr. 5: "Die Motivation" oder "Das Gedeck"
 
In der Psychologie ist die Motivation ein Begriff für die Änderung eines Verhaltens. Oder in der Sprache der Bergwanderer: Wie bekomme ich einen Bergfreund auf einen Berggipfel hinauf, obwohl er da gar nicht nich will?!?! Die Sendener Bergkameraden haben die Lösung gefunden: man stellt ein Gedeck (kurz= Obstler / lang= Bier) in Aussicht und schon spricht nichts mehr gegen den Sturm auf die Berge!
Anekdote Nr. 6: "Das Kofferradio"
 
Dank unseres freundlichen Gastgebers Max wissen wir jetzt auch warum das Kofferradio "Kofferradio" heißt. Das Radio ist tatsächlich so groß wie ein Koffer (für eine Weltreise). Die Musik kann so laut aufgedreht werden, dass sogar die Sicherungen herausspringen. Und wenn die Musik nicht gefällt und die Sicherungen mal nicht herausspringen sorgt die Karin auf ihre Art für das Ende der Musik!

Montag 04.09.2006 (3.Tourtag)

 
Kühtai-Wanderung mit Gipfelpanorama: Erstmals in dieser Woche war ich heute eine halbe Stunde joggen bevor wir zur gewohnten Zeit um 8.00Uhr wieder gemeinsam frühstücken und auch die anderen fühlen sich wieder fitter als an den Vortagen. Da unsere Gemeinschaftskasse bisher geschont wurde, planen wir heute eine Seilbahnfahrt und die Wanderung in größeren Höhen. Wir wählen den Ort Kühtai, da wir den heutigen Tag weitmöglichst gemeinsam verbringen wollen.
 
Zunächst fahren wir mit dem Auto ins Dorf Gries, um uns endlich die Wanderpässe für die goldene Wandernadel zu holen und kleinere Besorgungen zu erledigen, dann fahren wir weiter zum Skizentrum Kühtai. Hier geht im Winter die Post ab, nach Stubaier Gletscher und Axamer Lizum ist es eines der gößten Skigebiete in den Stubaier Alpen und befindet sich noch im Aufbau. Mit Eifer und Eile werden hier weitere Hotel- und Liftanlagen aus dem Boden gestampft und die Landschaft zusätzlich verbaut. Wie gut, dass wir die jetzige relative Ruhe genießen können. Der Landschaft bekommt der Skizirkus garnicht gut und für Wildtiere ist kein Platz mehr. Wir lassen uns von der Drei-Seen-Seilbahn- Talstation (1956m) während einer knapp 15minütigen Fahrt bis zur Bergstation (2420m) transportieren.
 
Dort fotografieren wir uns sogleich bei bestem Wanderwetter per Selbstauslöser als Gruppe vor herrlicher Bergkulisse. Um 10.15Uhr trennen wir uns dann von Uwe und Winfried, die die Seen bewandern und die Drei-Seen-Hütte besuchen wollen. Hier treffen wir später wieder aufeinander, denn wir anderen werden den Gaiskogel (2820m) besteigen, eine gewaltige Steigerung zu gestern.
 
Zunächst geht es über normalem Steig relativ flach durchs Tal, vorbei an einigen größeren Geröllhaufen und einer Herde Schafe, die sich von den wärmenden Sonnenstrahlen verwöhnen lassen, dahin dösen und sich durch uns nicht stören lassen. Nach 20Minuten passieren wir den Abzweig zum Pockkogel (2807m) und das Gestein wird unbequemer, da wir von nun an bis unterhalb des Schartenzuganges im steiler werdenden Gelände Geröllfelder durchqueren. Durch lockeren Schutt gehe ich dann zur Gaiskogelscharte (ca. 2700m) hinauf, warte hier, filme und bestaune die imposante Umgebung. Das sich hier haltende Schneefeld unterhalb des östlichen Schartenausganges und das darunter liegende äußerst steile Abbruchgelände beobachte ich mit Respekt, denn wer da hineingerät ist in Todesgefahr.
 
Um 11.00Uhr schließen die anderen auf und wir gehen nach nur kurzer Pause weiter, denn der Wind pfeift hier in Sturmstärke über die Scharte und kühlt rasch. Nach nur kurzem Anstieg über den Grat wechselt das Gelände. Riesige Felsblöcke zwingen uns zu leichter Kletterei. Werner wird das zu gefährlich und bleibt etwa 50hm unterhalb des Gipfels auf dem Grat in bequemer Position, während Dieter, Norbert G. und ich noch ca 10 Minuten bis zum Kreuz auf dem Gaiskogel (2820m) klettern.
 
Dort um 11.30Uhr angelangt, folgt das übliche Bergsteiger- Szenario: Jodler, Berg-Heil- Grüße, Foto und Gipfelbucheintragung, Werner natürlich mit einbezogen (s.u.) und eine Panoramarunde mit der Video- Kamera, die sich hier wahrlich lohnt.
 
Wir können heute eine fast wolkenlose Weitsicht genießen und die Aussicht auf unser dieswöchiges höchstes Ziel, den Schrankogel (3497m), der als mächtiger schwarzer Bergstock am südlichen Horizont auffällt. Wir verbleiben fast 30 Minuten auf dem Gipfel und müssen uns trotzdem förmlich losreißen von dieser gewaltigen Kulisse.
 
Schnell sind wir dann wieder bei Werner und in der Scharte angelangt und brauchen bis zur Drei-Seen-Hütte etwas mehr als eine Stunde. Um 13.20Uhr sitzt unsere komplette Mannschaft bei Weizenbier und Radler auf der Sonnenterasse der Drei-Seen-Hütte (2310m) und lassen es uns gut gehen. Nur Dieter hat zwischenzeitlich Stress und muß beruflich nach Düsseldorf zurückrufen (s.u.).
 
Erst um ca. 15.00Uhr starten Dieter, Norbert G, Werner und ich von der Hütte zu Fuß Richtung Seilbahn- Talstation, während Winfried und Uwe mit der Bahn zurückfahren und auf uns warten. Als wir am Bus ankommen, sind Werners Bergschuhe restlos ruiniert, denn die Sohlen haben sich regelrecht aufgelöst. Winfried bietet ihm spontan seine Schuhe an, da beide gleiche Größen tragen und er eh keine Bergtour absolviert. Um 16.00Uhr sind wir bereits wieder gemeinsam auf dem Weg nach Gries.
 
Als wir abends den Wetterbericht im Fernsehen verfolgen legen wir uns fest: Die Schrankogel- Tour steigt morgen. Das Schönwetter ist mindestens noch für zwei Tage angesagt, erst zum Wochenende wird eine kurzfristige Gewitterstörung erwartet. Das ist neben Kartenspielen unser abendliches Hauptthema, nachdem wir gut gegessen haben und Obstler genossen haben (s.u.).
 
Gesamtstrecke: 8km / 400hm+ / 864hm- / 3,5Stdn
 
Schwierigkeitsgrad: Mittel
 
 
Anekdote Nr. 7: "Das Problem in Düsseldorf"
 
Der Bergwanderer ist stets allzeit zu allem bereit. Gibt es z.B. ein Problem bei einer großen Bank in Düsseldorf, können die Bergfreunde (zumindest aber einer!) helfen. Schnelle und klare Anweisungen per Handy und schon ist auch im fernen Düsseldorf alles wieder in Ordnung.
 
Das die Bergfreunde sich aber auch um ALLES kümmern müssen!
 
Anekdote Nr. 8: "Die Rentner"
 
Im Gipfelbuch auf dem Gaiskogel steht ein Eintrag von vier Rentnern (69 bis 77 Jahre). Ob wir das in dem Alter auch noch schaffen? Wenn unsere Frauen uns weiter gut pflegen und versorgen könnte es klappen.
 
Anekdote Nr. 9: "Ein Pinchen Schnaps"
 
Bergwanderer sind manchmal komisch. Es wird ein Herzenswunsch erfüllt und trotzdem ist man der Verzweiflung nahe. Folgendes ist geschehen: Werner bittet Uwe freundlichst ein "Pinchen Schnaps" bei unsrer Wirtin zu besorgen. Die geschäftstüchtige Karin bringt ganz schnell ein Tablett mit Obstler. Alle freuen sich nur der gute Werner nicht! (steht kurz vor dem Kreislauf-Kollaps) Wer kann das verstehen?

Dienstag 05.09.2006 (4. Tourtag)

 
Aufstieg zur Amberger Hütte: Am Morgen sitzen wir voller Elan beim Frühstück. Wir haben uns bereits am Vortag bei unserer Wirtin für heute vom Abendessen ab- und beim Hüttenwirt zur Übernachtung angemeldet. Außerdem haben wir mit Winfried und Uwe abgeklärt, dass diese uns wieder zum Startpunkt der Wanderung fahren.

 

Nach einem ausgiebigen Frühstück werden wir von ihnen zum Wanderparkplatz Gries im Ötztal (1568m) begleitet, wo unsere heutige Tour beginnt. Um 10.30Uhr sind wir zum Aufstieg zur Amberger Hütte bereit. An der auf halber Strecke liegenden Sulztalalm wollen wir eine kleine Zwischenrast einlegen. Werner kann in den neuen Schuhen anscheinend gut laufen, denn er rennt uns förmlich davon.

 

Plötzlich ist er auf einem langen geraden Wegstück nicht mehr vor uns zu sehen (s.u.). Wir fragen entgegenkommende Passanten nach einem Einzelwanderer, aber niemand hat ihn gesehen. Dann schalten wir. Vor einiger Zeit haben wir die Nisslalm-Abzweigung passiert; wahrscheinlich hat er nicht auf die Schilder geachtet und ist den falschen Weg weitergelaufen. Dieter und Norbert gehen Richtung Sulztalalm weiter, während ich im schnellen Schritt bis zur Abzweigung zurück- und ihm vermeintlich nachlaufe, frage dabei immer wieder Passanten, muß dabei sogar mein Schulenglisch abrufen, als ich ein amerikanisches Päärchen anspreche und werde langsam nervös. Was ist, wenn er schon vor unserer Reaktion Richtung Parkplatz zurückgelaufen ist. 
 
Tausend Gedanken schießen mir durch den Kopf während ich den Bergweg hochjogge. Dann geht mein Mobiltelefon und ich rechne mit Dieter, der Werner eventuell eingeholt hat. Nein, Heike ist dran, erzählt mir was wichtiges Privates und hat Probleme, meine Eile zu verstehen. Die Situation kurz erklärt, habe ich wieder freien Kopf und schnelle Beine. Als ich eine Kurve durchschreite, sehe ich ihn weit vor mir laufen und schreie mir fast die Kehle aus dem Hals, denn er befindet sich schon unmittelbar fast an der nächsten Kehre.
 
Gott sei dank hört er mich und kehrt um, während ich die anderen verständige. Als wir zwei zusammen in Gegenrichtung laufen, kommen uns immer wieder Pasanten mit Fragen wie: "Das verlorene Schaf wieder da?" oder "der verlorenen Sohn wiedergefunden?" entgegen. Werner wird das sichtlich peinlich; er grinst nur vor sich hin.
Erst um 12.15Uhr treffen wir an der Sulztalalm (1898m) auf die dort wartenden Bergkameraden, die natürlich auch noch Ihre Sprüche ablassen. Werner ist sichtlich froh, aber durch die zusätzlichen Kilometer auch geschlaucht. 1Std und 4km zusätzlich hat diese Einlage gekostet. Der mächtige Schrankogel- Bergstock liegt jetzt unmittelbar vor uns.
Nach der halbstündigen Rast kommen wir auf dem Fahrweg gut voran, bewundern die ursprüngliche Natur des vorderen Sulztales, unterhalten uns über Sinn und Unsinn eines hier geplanten riesigen Wasserspeichers mit Kraftwerk und erreichen die Amberger Hütte (2135m) um 13.10Uhr. Hier melden wir uns an, genießen die Sonne, Radler und Weizenbier, beziehen später unsere Lager und bestellen für den Abend das Essen.
Um 15.00Uhr starten wir noch einmal zu einer Orientierungstour. Dieter, Norbert G. und ich wollen uns eine Geländeübersicht für morgen früh verschaffen. Wir gehen bis weit ins hintere Sulztal hinein und machen erst an der Abzweigung zu den Gletscherübergängen Richtung Stubaital kehrt. Vorher genießen wir aber während unserer Rast den tollen Ausblick auf die gesamte Fläche der hinteren Sulztalalm und den Schrankkogel.
Beim Zurückgehen bekommen wir eine einigermaßen Übersicht über den Verlauf der morgigen Route bis zum Gipfel. Um 17.00Uhr treffen wir wieder an der Hütte ein und klären für morgen früh die Frühstückseinnahme zu 6.00Uhr ab. Nach dem Abendessen spielen wir Karten und gehen dann relativ früh ins Bett. Hüttenruhe ist um 22.00Uhr angesagt.
 
Teilstrecke Gries bis Amberger Hütte (ohne Einlage): 6km / 567hm+ / 0hm-/ 2Stdn
Teilstrecke Talwanderung: 4km / 144hm+ / 144hm- / 1,5Stdn
 
Gesamtstrecke: 10km / 711hm+ / 144hm- / 3,5Stdn
 
Schwierigkeitsgrad: leicht
 
 
Anekdote 10: "Der verlorene Sohn"
 
Nicht nur Red Bull verleiht Flügel, auch mit neuen bzw. geliehenen Wanderschuhen geht plötzlich alles wie von selbst: Ohne Anstrengung fliegt man den Berg hinauf. Unser Wanderfreund ist schnell aus unserem Blick entschwunden. Leider ist Werner bei seinem Höhenflug vom rechten Weg abgekommen. Nicole würde jetzt sagen: "Flieg nicht so hoch mein kleiner Freund." Aber alles wird gut: der verlorene Sohn wird natürlich dahin gebracht, wo er hin soll!

Oben: Auf dem Weg zum Zwischenlager "Amberger Hütte" / Unten:  Das Sulztal und der "Schrankogel" + Anstiegskarten

Die "Amberger Hütte" und ihr Hausberg "Schrankogel" mit Anstiegskarten

 

Mittwoch 06.09.2006 (5.Tourtag)

 
Der Aufstieg auf den Schrankogel (3497m): Nach einer unruhigen Nacht werden wir frühmorgens um 5.30Uhr durch unsere Mobiltelefone geweckt. Dann heißt es Waschen, Zähneputzen, Rucksack packen, denn zu 6.00Uhr haben wir das Frühstück bestellt.
Wir haben heute ein großes Ziel, wir wollen einen "echten 3000er" besteigen. Er ist mit 3497m der zweithöchste Gipfel der Stubaier Alpen und gehört auch sonst bereits zu den größeren Bergen Österreichs. Er wird uns an unsere Leistungsgrenze bringen, dass ahnen wir. Wie auch bei der Zugspitzbesteigung über die Höllentalroute vor 2 Jahren ist hier ein gewaltiges Pensum an Höhenmetern zu überwinden, nämlich genau 1362m. Hinzu kommt hier jedoch, dass es noch 500m weiter in die Höhe geht und die Luft dort schon arg dünn wird. Das heißt, die Atmung und der Puls beschleunigen sich bei gleicher Belastung enorm und die Höhenkrankheit kann auftreten.
 
Da wir aber gut akklimatisiert sind hoffen wir, dass keiner von uns ernsthafte Höhenprobleme bekommt. "Es wird auch so schon schwer genug" denke ich, als wir uns die Schuhe binden und aus der Hütte treten. Uns erwartet jetzt schon gleißender Sonnenschein von einem absolut wolkenlosen Himmel. Es ist ziemlich genau 7.00Uhr und wir maschieren mitsamt unserem Rucksack und aller Utensilien los.

 

Wir gehen hinunter zum Fischbach, an ihm talein linksseitig entlang, bis wir die Berglehne erreichen und hier ansteigen. Noch klingt das vertraute Klingeln der Kuhglocken in den Ohren. Als wir die rechtsseitige Moräne des Schwarzenbergferners und den sogenannten Punkt 2624 (Denkmal und Höhenpunkt) erreichen, machen wir einen Fehler und zweigen falsch ab. Bis hierhin waren wir stolz auf unsere gewonnene Zeit. Eine halbe Stunde kostet uns dieser "Ausritt", dann befinden wir uns wieder auf dem richtigen Weg auf dem Moränenrücken und sind trotzdem im Zeitlimit.
Um 9.00Uhr verlassen wir die Gletschermoräne und es geht steil bergan bis wir zwei große Steinmänner erreichen. Dann führt uns der Steig zur Hohe Egg (2820m), hier machen wir eine kurze Rast. Nun wird der Weg durch mächtige Felsblöcke zum südwestlichen Gratrücken, über den wir stellenweise steil ansteigen, wesentlich schwieriger. Manchmal ist der Steig schon hier so schmal und schlecht gekennzeichnet, dass man leicht klettern und höllisch aufpassen muß, um sich nicht versteigen.
 
Dank glänzender Kondition bin ich voraus und erreiche ca. 10.00Uhr die 3000m-Marke. Als Dieter und Norbert folgen, gebe ich ihnen zu verstehen, dass ich versuchen möchte, Werner weiter zu motivieren, der nachhängt. Er hat durch zu häufige Pausen den Anschluß an beide bereits verloren und schleppt sich nur noch hoch. Er denkt bereits wieder an Rückkehr und will uns nicht aufhalten. Eine Weile kann ich ihn immer wieder anspornen, aber ich merke, wie mir dabei selbst die Zeit zur Gipfelbesteigung davonläuft.
 
Um 11.20Uhr befinden wir uns beide auf nunmehr 3200m Höhe. Wir machen hier noch eine letzte gemeinsame Pause, trennen uns dann aber unter Werners Versprechen, hier an Ort und Stelle zu bleiben. Kalt ist es hier trotz der Höhe nicht, denn dieser Punkt liegt südseitig und windgeschützt.
Jetzt ist es für mich selbst schwer, meinen inneren Schweinehund nochmals zu überwinden und die Kräfte zu formieren. Jammerei nützt nichts, es klappt letztlich ganz gut und ich komme wieder zügig voran. Da ich meine Trinkreserven verbraucht habe und flüssiges Wasser in diesen Höhen nicht verfügbar ist, esse ich immer mal wieder Klumpen der hier oben noch verbreitet liegenden Schneereste und gleiche meinen Flüssigkeitsverlust so einigermaßen aus.
 
Zu dieser Zeit befinden sich Dieter und Norbert G. schon etwa 200Höhenmeter weiter oben und kämpfen sich dort den Berg hinauf. Um etwa 12.30Uhr ereichen sie das Gipfelkreuz und warten auf mein Eintreffen. Hier herrscht gerade Rushhour, denn es treffen mehrere Bergsteigergruppen dort ein, andere steigen bereits wieder ab.
Durch das immer größer werdende Blockwerk wird die Kletterei auch für mich mit zunehmender Höhe immer heftiger. Teilweise muß man mannshohe Abbrüche überwinden und darf sich wegen der Steilheit absolut keinen Fehltritt erlauben, um nicht gefährlich zu stürzen. Das Fortkommen wird zusätzlich dadurch erschwert, dass absteigende Bergsteiger entgegenkommen und für eine normale Begegnung kein Platz vorhanden ist. Also muß man an teils exponierten Stellen warten. Dann erreiche ich endlich den noch verschneiten Gipfelgrat, der hier maximal zwei Meter breit ist und durch bzw. über große Felsblöcke zum jetzt noch ca. 20 Meter entfernten Gipfelkreuz auf dem Schrankogel (3497m) führt.

Loß geht´s an mahnenden Tafeln vorbei

Zeitverlust durch "Versteigen"

Nach Überschreiten der 3000er Marke gönnen wir uns eine Trinkrast

Der Gipfelgrat

Um fast genau 13.00Uhr stoße ich zu Dieter und Norbert und begrüße beide mit einem Berg Heil, ein netter Fremder filmt uns drei mit meiner Kamera unterm Gipfelkreuz.

 

Dann muß ich mich einen kurzen Moment setzten, denn ich bin völlig ausgelaugt. Dieter und Norbert teilen sich mit mir ihre Trinkreste. Nach einigen Minuten habe ich mich soweit erholt, dass wir (Handy-) Fotos machen können und die phänomenale Rundum-Panorama-Aussicht, die alle Schmerzen und Nöte im Nu vergessen läßt, ausgiebig genießen. Etwa 30 Minuten bleiben wir noch dank des exzellenten Wetters gemeinsam oben und ich kann mich nur schwer von diesem Panoramablick lösen, den ich auch mit der V-Camera gefilmt habe. Die Himmelsrichtungen, dort auffällige Gletschern und Berge (mit Höhenangabe) sind nachfolgend beschrieben:

Der Gipfelsieg auf 3497m Höhe...

...mit diesem 360° Panoramablick

Ausblick von Nordost bis Süden (li nach re) bis Bildmitte:
Lüsener Ferner, Schwarzenbergferner, Alpeiner Ferner
Schrandele (3392), Wildgratspitzen (3170-3320), Seespitzen (3354-3417), Ruderhofspitze (3474), Schwarzenbergspitzen (3364-3379)
Im Hintergrund: Zillertaler Alpen, Hohe Tauern
Ausblick von Süden bis Nordwest (li nach re) ab Bildmitte:
Bockkogelferner, Sulztalferner, Schrankogel-Vorgipfel
Sulzenauferner, Stubaigletscher-Gebiet (Fernauferner, Schaufelferner, Daunkogelferner)
Zuckerhütl (3507), Schaufelspitze (3332), Stubaier Wildspitze (3341), Daunkogel (3301-3348), WildeLeck (3359), Sulztal
Im Hintergrund: Ortler Alpen, Ötztaler Alpen mit der Wildspitze (3779)
Der Abstieg: Dieter und Norbert sind schon etwa 30 Minuten länger hier und ihnen wird kalt, außerdem wollen wir Werner nicht länger als nötig warten lassen. Die ersten Meter sind wieder heikel, da es zunächst wieder großstufig nach unten geht. Je kleiner die Stufen werden, um so schneller kommen wir voran. Ich versorge mich zwischendurch wie beim Aufstieg immer mal wieder mit Schneeklumpen, um genügend Flüssigkeit aufzunehmen Als wir nach einiger Zeit Werner erreichen, sind wir froh, dass wir alle wieder gesund beisammen sind. Auf dem hohen Egg werfen wir uns ins Gras und relaxen. Dann geht es weiter abwärts in der Hoffnung auf Wasser. Erstmals im leben spüre ich die Abhängigkeit vom Wasser; ich laufe und laufe und laufe und enteile den anderen. Gegen 15.30Uhr höre ich erstmals vertrautes Kuhglockengeläute, wenig später passiere ich einen kleinen Quellbach und trinke durstig bestimmt einen Liter Wasser.
Um 16.15Uhr erreiche ich die Amberger Hütte (2135m), bestelle mir sofort ein Radler und schlürfe dieses durstig auf. Danach nehme ich mit Genuß ein Weizenbier zu mir und unterhalte mich mit anderen Bergsteigern. Dabei beobachte ich, wie Dieter und Norbert müde den Bach entlang langsam näher kommen. Dieter bittet mich bei seiner Ankunft um 16.55Uhr darum, für ihn ein Radler zu besorgen, denn auch er ist völlig fertig. Ich besorge für alle eine Runde, denn auch Werner trifft 5 Minuten später ein und freut sich über das bereitstehende Weizenbier.
Um 18.00 treten wir bereits regeneriert den Rückweg zum Parkplatz Gries i.Ö. an. Werner scheint wieder zu fliegen, denn er ist auch dieses Mal schnell entschwunden. Um ca 19.30 Uhr im Tal angekommen, freut er sich darüber, einmal der Erste zu sein. Winfried und Uwe haben eiskaltes Zipfer-Bier besorgt und wir nehmen das auch heute wieder dankbar an. Nach ausgiebiger Dusche bzw. längerem Bad sind wir wieder einigermaßen fit, unterhalten uns über das Erlebte und spielen Karten.
 
Teilstrecke Amberger Hütte bis Schrankogel: 3,5km / 1361hm+ / 20hm- / 5Stdn
Teilstrecke Schrankogel bis Amberger Hütte: 3,5km / 20hm+ / 1361hm- / 3Stdn
Teilstrecke Amberger Hütte bis Parkplatz: 6km / 0hm+ / 567hm- / 1,5Stdn
 
Gesamtstrecke: 13km / 1381hm+ / 1948hm- / 9,5Stdn
 
Schwierigkeitsgrad: Schwer (DAV-Bergführer I:  Leichte Kletterei)
 
 
Tageskurzbericht (Nicht ganz ernst gemeint): "Die Königsetappe" oder "Dieser Weg wird kein leichter sein.....dieser Weg wird steinig und schwer"
 
- Dienstag früh schlafen gegangen (22.00Uhr)
- Alle haben unruhig geschlafen und schlecht geträumt. Liegt es an der Aufregung oder an dem unbequemen Bettlager?
- 06.00Uhr: Früstück (7Euro!)
- 06.30Uhr: Der Ruhepuls liegt schon bei knapp 180! Oder ist der Pulsmesser nicht okay?
- 07.00Uhr: Es geht los! Es wird gesungen: Im Frühtau zu Berge wir ziehen...
- 08.30Uhr: Super: Wir sind schnell unterwegs- Zeit gewonnen
- 09.00Uhr: Der erste Frust wir haben den richtigen Weg verpasst und 30min Zeit verloren
- 09.30Uhr: "Dieser Weg wird kein leichter sein", jetzt wird es schwer, der innere Schweinehund muß besiegt werden
- 10.00Uhr: Wir sind jetzt über 3000m Höhe. Die Luft wird immer dünner. Der Atem wird immer schneller
- 11.15Uhr: Jetzt sind wir schon über vier Stunden unterwegs und immer noch nicht da. Jeder Schritt, jeder Meter muß jetzt hart erkämpft werden. Warum tut man sich das an
- 12.15Uhr: Das Gipfelkreuz ist in Sicht. Jetzt ist klar: die restlichen Meter müssen auch noch geschafft werden
- 12.30Uhr: Geschafft! Ein phantastischer Panoramablick auf die umliegenden Täler und Berge entschädigt für alle Strapazen! Der Gipfelspruch: "So nah waren wir dem Herrgott noch nie. Wir haben mit dem Herrgott gesprochen und er hat gesagt, dass wir brave Jungs sind und  für uns im Himmel immer ein Platz frei ist. Aber bis zum Einzug sollen wir uns noch Zeit lassen.
- 13.30Uhr: Der lange Abstieg beginnt
- 15.30Uhr: Die Wasservoräte sind aufgebraucht und keine Chance zum Nachfüllen
- 16.00Uhr: Der Durst quält. Wir laufen buchstäblich auf dem Trockenen
- 17.00Uhr: Wir sind auf der Amberger Hütte. Das erste Bier, das erste Radler wird in Rekordzeit weggezischt
- 18.00Uhr : Wir gehen den Fahrweg runter bis Gries, wo Winfried und Uwe mit dem Auto warten.
- 20.00Uhr: Wir sind wieder in unserer Unterkunft. Nachdem wir über 12 Stunden unterwegs waren ist die Dusche und die Brotzeit von Karin eine Wohltat. Aber das Schönste ist das Gefühl: Wir haben es geschafft! Der Schrankogel gehört immerhin zu den höchsten Bergen in Österreich

Oben: Auch im Abstieg ist Konzentration, Schwindelfreiheit und Trittsicherheit gefordert  / Unten: Kühle Belohnung

Donnerstag 07.09.2006 (6.Tourtag)
 
Stubaigletscher- Wanderung (2900m-3200m): Am Morgen dieses Tages merken wir das Training der vergangenen Tage. Trotz des gestrigen Gewaltmarsches und der enormen überwundenen Höhenunterschiede sind wir schon wieder fit und planen die Aktivitäten für heute. Wir sind uns heute nur in einem einig: Es soll ein Erholungstag nach der gestrigen Marathontour werden. Zunächst entscheiden wir uns für Minigolfen.
Gleich nach dem Frühstück fahren wir ins Dorf, erledigen Kleineinkäufe und ich hole mir meine goldene Wandernadel heute schon ab und bekomme diese sogar geschenkt. Als wir auf der Rückfahrt den Minigolfplatz wie beschrieben am Sportpark suchen, ist keiner da. Nach Ankunft bei Wegscheiders telefoniert Karin mit demTouristbüro und bekommt bestätigt, was wir schon vermuten: Der Minigolfplatz ist aufgegeben und beseitigt worden.
 
Also suchen wir nach Alternativen und haben gleich den Stubai-Gletscher im Visier. Mit dem Auto und Seibahn auch für unsere Invaliden bequem erreichbar und mit Wandermöglichkeiten für die Alpenjogger versehen. Wir überlegen nur kurz und machen uns um 10.00Uhr auf den Weg, denn noch ist es früh genug für größere Unternehmungen.
 
Um ca. 11.00Uhr sitzen wir bereits in der Seibahngondel und lassen uns hoch über den Hängen des hinteren Stubaitales und die Mittelstation in Höhe der Dresdner Hütte (2308) passierend zur Station Eisgrat (2900m) fahren. In der Station hat man das Gefühl, man befinde sich in einem riesigen Einkaufscenter. Mehrere  Läden, Panorama-Restaurant, Bar etc. sind hier vorhanden und sind ganz auf den Skizirkus ausgerichtet. Auch auf dem Gletscher (bzw. was davon noch übrig ist) herrscht Trubel.
Mehrere Bagger und Pistenraupen arbeiten auf und am Gletscher, er selbst ist mit Liftanlagen total verbaut.
Das Bild gibt mir zu denken: Trägt hier nicht wesentlich der Mensch selbst die Schuld am Gletscherschwund??? Die Raupen und Bagger allein verursachen schon riesige Schäden, da sie bei jeder Fahrt mit ihren Spikesketten fast 30 cm der Eisoberfläche aufwühlen und so die Schmelze beschleunigen. Und als Kontrast dazu versucht man verzweifelt durch großflächige Fliesabdeckungen die Schmelze aufzuhalten. So versucht man am Leben zu erhalten, was man gleichzeitig zerstört. Welch Irrsinn und Widerspüchlichkeit!!!
Nachdem wir uns eine Übersicht verschafft haben, trennen wir uns wieder. Uwe, Werner und Winfried bleiben hier und vertreiben sich die Zeit mit Essen und Trinken, Sonnenbaden und Shoppen (s.u). Dieter, Norbert G. und ich wollen über den gesicherten Gletscherwanderweg die ca 300hm zur Jochdohle hinauf laufen.
 
Um 11.35Uhr betreten wir erstmals den Gletscher, der hier unmittelbar an der Station mit den eben beschriebenen Fliesplanen abgedeckt ist und ein komisches Gefühl vermittelt. Nach ein paar Metern aber haben wir echtes Eis unter den Schuhen, laufen zunächst etwas steif und unsicher darüber, aber das bessert sich mit jedem Meter. Glatt ist er nicht besonders, da die obere Schicht leicht angetaut und griffig ist. Die weißen Stellen meiden wir dagegen zunehmend, da sie Schneematsch verkünden, auf dem man wiederum schnell zum Rutschen kommt. Auf den Spuren der Pistenfahrzeuge sollte man besser gar nicht laufen, weil das Eis dort wie eben angesprochen stark bearbeitet wurde und mit Tiefschnee zu vergleichen ist. Wir lernen schnell und suchen zunehmend die dunklen Stellen auf dem Eis, die eingelagerten Felsabrieb verraten und der Gletscheroberfläche aus einiger Enfernung gesehen eine schmutziggraue Farbe verleihen. Ganze Bäche rinnen teils über den Gletscher weg, auch diese Stellen meiden wir, da es dort sehr nass ist.
 
Während des Laufens beobachen wir die Aktivitäten des Pistenpersonals und wundern uns, dass hier eine so hektische Betriebsamkeit herrscht. Später erfahren wir, dass hier alles schon auf die im Oktober beginnende Skisaison vorbereitet wird.
 
Um 11.45Uhr können wir uns erste Blicke auf unseren gestern bestiegenen Schrankogel erlauben, der in der Nähe zu sehen ist und um 12.10 befinden wir uns auf der Ebene des Restaurants Jochdohle. Eine gewisse Faszination verbreiten die Pistenbullis ja zugegebener Maßen schon, wenn der Motor angeworfen wird und sie sich im Tiefschnee oder auf dem Pisteneis fortbewegen, dass können wir hier selbst erleben; aber das ändert nichts an ihrer Schädlichkeit.
Von hier oben sieht das Zackenmeer der vielen Gipfel am Alpenhauptkamm fast unwirklich aus, es sind Hunderte, kaum zählbar. Es fällt mir aber auch auf, dass von Südwesten Wolken aufziehen, die eine Wetteränderung ankündigen. Wir genießen diese Aussicht einige Zeit, dann kommt Dieter und Norbert G. die Idee auch noch eben zum kleinen Isidor, dem Hausberg der Jochdohle zu besteigen. 20Minuten soll die Steigzeit bis oben laut Wegweiser betragen. Ich setze mich indes, da ich starken Wind und Kälte vermute und nur mein Hemd anhabe, zu einem Glas Cola ins Restaurant, bevor ich den Abstieg beginne. Dabei kann ich die beiden aus einer bestimmten Position heraus am Gipfekreuz beobachten und filme sie, gehe dann aber weiter.
Wieder auf dem Schaufelferner angelangt wird es so heiß, das ich mit bloßem Oberkörper laufe. Die Sonne "knallt" heute unerbittlich. Linksseitig zeigt sich der Schrankogel noch einmal in voller Pracht und auch sonst herrscht von hier ein tolles Panorama ins Stubaital hinein und darüber hinweg, nur die Verbauung stört ein wenig. Ich filme eine kurze Zeit meinen Gang über den Gletscher und treffe um 13.07Uhr wieder an der Station ein, wo ich von Winfried empfangen werde.
Als die anderen wenig später um 13.15Uhr folgen, gehen wir noch in den Touristenshop, wo ich für meine jüngste Tochter Leandra als "Gag"-Artikel einen Minirucksack mit eingebautem Jodler kaufe, dann gehen wir auf ein Weizenbier ins Restaurant, wo mich dieser Jodelrucksack bald nervt. Anfangs scherzen wir noch, aber als das Jodeln, egal wo ich das Ding hinstecke nicht aufhört, bietet Dieter seine Hilfe und kappt die Batterien. Als Dieter und Norbert erzahlen, dass es am Gipfel angenhem gewesen ist, ärgere ich mich schon ein wenig, dass ich diesmal der Hase und nicht dabei war.
Um 14.00Uhr fahren wir mit der Bahn zurück und sind in etwa 25Minuten an der Basisstation und fahren dann nach Gries-Narötz. Hier läuft alles nach bekanntem Schema ab. Duschen, Essen, Karten spielen. Diskussionen (s.u.) werden jäh durch ein heftiges Gewitter gestört, was sich über den Stubaiern zusammengebraut hat und teils heftig entlädt.
Gesamtstrecke: 5km / 300hm+ / 300hm- / 1,5Stdn
 
Schwierigkeitsgrad: Leicht
 
 
Anekdote 11: "Unwort des Jahres"
 
Die Bergwanderer sind nicht nur fleißig, schlau, gottesfürchtig und gute Esser. Sie sind auch kreativ. Das Unwort des Jahres wurde gefunden: "Zufriedene Resignation"...macht sich breit. Erklärung folgt durch unseren Bergverführer.
 
(Anmerkung des Angesprochenen: "Ohne Worte")
 
Anekdote 12:"Der Souvenirjäger"
 
Wenn man wetten sollte, wer sich die schönsten, die meisten und die teuersten Souvenirs angelt kann die Antwort nur lauten: "der Winni macht´s!" Der Winni kann aber noch viel mehr: Auf das Kommando: "Gib Gummi, Schummi!" zeigt er was in seinem rechten (Blei-)Fuß steckt.
Freitag 08.09.2006 (7.Tourtag)
 
Rundwanderung über Windegg (2577m): Diesen Tag wollen wir für eine kleinere Abschlußtour nutzen, aber es kommt doch wieder ganz anders.
Wir haben uns schon am Vorabend während der Diskussionen für die Tour von Praxmar über das Windegg und Juiffenalm in Abwartung der heutigen Wetterverhältnisse entschieden und nach Anhörung des Wetterberichts soll es auch so sein. Dieter, Norbert G., Werner und ich werden von Uwe und Winfried nach Praxmar gefahren, hier beginnt unsere Tour etwas oberhalb des Dörfchens. Im dichten Nebel laufen wir um 9.40Uhr los und haben kaum 50m Sicht.
 
Wir müssen uns Anfangs voll auf Karte, Kompass, Höhenmesser und natürlich auf die Beschilderung verlassen, die aber leicht missverstänlich angebracht ist. Zwei Wegweiser für ein Ziel zeigen in verschiedene Richtungen. Waren hier Schildbürger am Werk? Nach einiger Beratung entscheiden wir uns Gott sei Dank für den richtigen Steig. In anderer Hinsicht wiederum bezweifeln wir bald die generelle Richtigkeit unsrer heutigen Tourwahl. Wir steigen auf einem relativ steilen Anhang durch Wälder und Wiesen an und das lange Gras und die Kleinsträucher nässen uns die Beinkleider, von oben regnen die Tannen und Zirben ab, so dass wir bald wie geduscht aussehen und uns auch so fühlen, denn zur äusserlichen Nässe kommt unser eigener Schweiß durch das anstrengende Gelände hinzu. Die rutschigen Pfade erschweren den Gang zusätzlich. Um 11.20Uhr machen wir unsere erste Rast, immer noch im dichten Nebel und schwierigem Gelände.
Als wir den Waldgürtel entgültig verlassen haben und sich das Gelände etwas bessert, überrascht uns Dieter um kurz vor 12.00Uhr am Abzweig zur Juiffenalm mit der Aussage, dass er mit Werner den direkten Weg dorthin nimmt und dort auf uns wartet, aber verübeln können wir es ihm nicht.
 
Und wenig später bereue ich sogar, dass ich nicht mitgegangen bin. Das Gelände wird nochmals übelst steil und wir gehen über Grasmatten wie zuletzt am Sellrainer Höhenweg. Später schließt sich Geröllgelände an. Hier hören wir erstmals in dieser Woche Murmeltiere rufen, zu sehen bekommen wir sie leider nicht. Als wir ein Kreuz auf einer Bergkuppe erblicken, denken wir kurz es wäre das Windegg, aber es ist wohl nur ein Höhenkreuz und zugleich Denkmal. Hier machen wir kurz Pause. Langsam lichtet sich auch der Nebel.
Jetzt erst wird der Weg leichter, er führt uns nur noch langsam ansteigend auf den Gratrücken Richtung Windegg  (2577m) und als wir es passieren, können wir gar nicht richtig daran glauben, dass es das ist. Die Orientierungsschwierigkeiten setzen sich zunächst auch unterhalb des Kreuzes erkennen, dass hier ein neuer Weg markiert wurde, der in ähnlicher Richtung verläuft wie der alte, zumal hier oben auch der Weg ins Nachbartal abzweigt.
 
Als wir aber alles richtig erkannt haben, geht es ziemlich schnell den Abhang herunter Richtung Juiffenalm und als wir Hafflinger- Pferde sichten, sind wir sicher, dass wir uns auf dem Almweg befinden, zumal der Steig uns eindeutig in die richtige Himmelsrichtung lenkt.
Um 15.00Uhr treffen wir auf der Juiffenalm (2010m) ein und werden von Ziegen und Almhund sowie der Sennerin freundlich begrüßt. Sie teilt uns mit, dass unsere Bergkameraden vor etwa einer halben Stunde gegangen sind. Wir trinken ein Radler bzw. Weizenbier und machen uns dann ebenso auf den Rückweg nach Narötz. Je weiter wir den Fahrweg herunter wandern, um so mehr kommt dei Sonne durch und es wird uns wieder richtig warm. Wir treffen vor 17.00Uhr bei Wegscheiders ein und genießen die Sonne auf der Terasse. Erst jetzt hat sich auch der Nebel in den Berghängen Richtung Juiffenalm aufgelöst und wir können unser Rastkreuz per Fernglas entdecken.
Wir unterhalten uns noch mit Karin und Max auf der Terasse bei Musik über die vergangene Woche, rechnen abends nach dem Essen ab und packen unsere Sachen schon mal grob zusammen, bevor wir wieder unser alltägliches Abendprogramm absolvieren.
  
Wehmütiger abendlicher Blick auf Windegg, Wegscheider Haus und Lüsener Fernerkogel
 
Gesamtstrecke: 15km / 888hm+ / 1177hm- / 6Stdn
 
Schwierigkeitsgrad: Mittel
 
 
Anekdote 13: "2 goldene Regeln für gutes Wetter"
 
Wir haben die ganze Woche über ein Super- Wanderwetter gehabt. Was muß man dafür tun? Hierfür gibt es zwei Regeln:
 
   1.) Beten
   2.) Immer alle Teller (und Gläser) leer machen
 
Außerdem gilt: Wenn Engel reisen....
 
Anekdote 14: "Hitparade der modernen Musik für Bergwanderer"
 
a) Xavier Naidoo: Der Weg
b) Zillertaler Schürzenjäger: Zum Beten geh´ich in die Berge
c) Nicole: Flieg nicht so hoch......
Samstag 09.09.2006 (Abreisetag)
 
Rückfahrt nach Senden: Heute Morgen herrscht etwas gedrückte Stimmung. Wir müssen uns tatsächlich schon wieder verabschieden, was einige noch gar nicht fassen können. Die Woche war definitiv wieder zu kurz.
 
Nach dem Frühstück verabschieden wir uns herzlich von den beiden, fahren ins Dorf und besorgen noch Fahrtproviant, dann geht es Richtung Kühtai nach Hause. Da in Bayern und Baden-Würtemberg dei Fereien enden und Papst Benedikt in Bayern zu Besuch ist, haben wir diese Mal mehr Verkehr und ein paar Staus, kommen aber doch gut nach Hause.
Fazit der Woche
 
Wir haben auch in diesem Jahr wieder eine wunderschöne Wanderwoche in den Bergen verbracht, woran das prächtig Wetter, das Highlight der Schrankogelbesteigung und schlußendlich die tolle und fürsorgliche Bewirtung durch Karin und Max entscheidenden Anteil hatten.
 
Nur die Tierwelt ist etwas stiefmütterlich ausgefallen. Außer ein paar Murmeltierschreie und einem entfernt segelnden Adler haben wir weder was gehört noch gesehen. Da ist es kein Wunder, wenn man Wunschhaluzinationen bekommt und sich auch noch einen Uhu herbeisieht.
Wir haben eine fast eine Arbeitswoche an Wanderungen absolviert.
 
Werner wird dabei immer mutiger, dieses Jahr schaffte er es bereits auf 3200 Meter, Uwe und Winfried  waren aus bekannten gesundheitlichen Gründen leider (noch) nicht so fit wie gewünscht, sollte sich aber zur nächsten Fahrt wieder bessern, das wünschen ihnen ihre Bergfreunde. Dieter, Norbert G. und Norbert S. wanderten in alter gewohnter Frische und nahmen jede Herausforderung an.
 
Besondere Vorkommnisse gab es auch dieses Jahr nicht.
 
Auf jeden Fall freuen sich alle Teilnehmer jetzt schon wieder auf die nächste Tour und jedenfalls Sebastian S. sollte auch wieder dabei sein.
 
Unsere Wochenleistung: 91km / 5903hm+ / 6656hm- / 37Stdn
 
Schwierigkeitsgrade der Touren von leicht bis schwer
 
Ein dreifaches Berg Heil vom Berg(ver-)führer Norbert Schmidt


 

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