1998 - Bergwanderungen im Gschnitztal

 

DER FILM ZUM BERGTOUR-BERICHT (ca. 90Min)

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Bergtour-Bericht in Text und Bild:

Ort und Umgebung:
Trins ist ein beschaulicher kleiner Ort im Gschnitztal, einem Seitental des Wipptales und damit unweit des Brennerübergangs zu Italien. Das Gebiet gehört insgesamt zu den Stubaier Alpen. Trins liegt 1214m über dem Meeresspiegel und hat heute ca. 1200 Einwohner. Es hat reichlich Kultur und Geschichte zu bieten. Besonders sind die beiden Kirchen aus dem 13. Jahrhundert mit ihren wertvollen Fresken zu erwähnen.

Tourplanung und Organisation: 

Norbert Gravermann plante und oganisierte die Tour, die in der Zeit vom 12.09. bis zum 19.09.1998 statt fand. Einzeltouren waren nicht vorgeplant. Die Tagesplanung stimmten wir wetterabhängig täglich vor Ort ab. 
 
Unterkunft:
Die Pension Hörtnagel ist sehr empfehlenswert, denn hier vereinen sich gemütliche Zimmer, erstklassiger Service und reichhaltiges Frühstück mit vernünftigen Preisen.
 
Teilnehmer:
Dieter Henke, Norbert Gravermann, Winfried König, Werner Mengelkamp, Norbert Schmidt

Tourverlauf:

 

 

Samstag 12.09.1998 (Anreisetag)

 

Nachdem wir in den frühen Morgenstunden in Senden losgefahren sind und wetter- bzw. staubedingt erst nachmittags in Trins ankommen, haben wir gerade noch Zeit, nach der Zimmervergabe und dem Auspacken den Ort ein wenig zu erkunden und uns ein geeignetes Restaurant zum Essen zu suchen. Nur Werner findet zwischendurch die Ruhe für ein kleines Schläfchen.
 
Unsere Restaurantwahl fällt auf das Sumpflöchl, wo es uns gleich so gut gefällt, dass wir wissen, wir kommen noch öfter hierhin. Nach dem Abendessen gehen wir zur Pension zurück und lassen den Abend mit Kartenspielen ausklingen.
 
Sonntag 13.09.1998 (1.Tourtag)
Zum Blaser (2241m): Am Morgen dieses Tages stehen wir sehr früh auf, da wir uns noch nicht an die fremden Betten gewöhnt haben. Nach Begutachtung des Wetters planen wir unsere erste Tagestour während des Frühstücks genauer. Beim Anziehen bemerken wir allgemein, dass Werner, Bergtourneuling wie ich auch, brandneue Bundeswehrstiefel zum Wandern dabei hat, warnen ihn und ahnen jetzt schon Böses. Werner, hart im Nehmen, schlägt alle Ratschläge in den Wind.
 
Nach einigem Hin und Her einigen wir uns auf die Tagestour zum Blaser (2241m). Es soll eigentlich eine leichte Einstiegsroute werden, aber es kommt anders. Wir gehen also bei wunderschönem Wetter los und die ersten Schweißtropfen fließen bereits an der ersten ernstzunehmenden Steigung, bei Winfried sind es gleich ganze Bäche.
 
Vorbei an  Schafherden und Lawinenverbauungen geht es dann mehr und mehr der 2000er Höhenmarke entgegen und es wird weißer, denn wir sind an der Schneegrenze angelangt. Als dann die Blaserhütte (2176m) eigentlich auftauchen müßte, sehen wir gar nichts mehr, nicht mal den Weg dorthin, denn frischgefallener Schnee und Verwehungen sind teilweise knietief. Keine Pfadspuren oder die Hütte selbst sind zu entdecken, der Weg nicht mehr auszumachen. Nach einigen Überlegungen, Kartenstudium und Umgebungsortung loten wir die Richtung aus, in der die Hütte stehen müßte und gehen geradewegs querfeldein. Gottseidank ist die Gegend nicht zu steil und über der nächsten Kuppe hinweg taucht dann auch das primäre Ziel auf. Wir denken, wir haben mit Erreichen der Hütte das Schlimmste geschafft, aber das Wetter hat noch mehr Überraschungen für uns parat.
 
In der Hütte ist es kuschelig warm und wir trinken Radler und Weizenbier. Durch erneuten, starken Schneefall werden wir länger auf der Hütte festgehalten als geplant und Winfried hat noch Zeit, seine Souvenirjagd zu eröffnen.
 
Als wir endlich aufbrechen, ist der Hüttengipfel namens Blaser im jetzt auftretenden Nebel nicht mehr zu sehen. Wir tasten uns ein bißchen ins Gelände Richtung Gipfel, brechen diesen Versuch dann aber ab, gehen Richtung Tal und das ist gut so. Denn wir sind kaum 15 Minuten gelaufen, da bricht ein Eissturm los, wie wir ihn noch nie erlebt haben und wie es ihn wohl nur in diesen Höhen gibt. Kaum auszudenken, wenn wir jetzt auf dem Gipfel wären. Die Eistropfen fliegen waagerecht und zerren hart an unserer Gesichtshaut und unserem Gemüt. Die Tannen und Sträucher um uns herum erstarren ebenso wie unsere Finger. Da sind wir froh, als wir nach einiger Zeit völlig vereist und durchnäßt wieder grüne Gefilde betreten.
 
Dort erholen wir uns dank frischem Quellwasser aus einer Tränke schnell wieder und gehen gemeinsam weiter ins Tal, wo wir uns dann unter der warmen Dusche weiter regenerieren können, bevor es wieder auf Restaurant-Suche geht.
 
Heute landen wir im Cafe "Max", einem ebenfalls positiv erwähnenswertem Pizza-Bistro, bevor wir wieder mit Kartenspielen in aller Gemütlichkeit den Abend beenden.
 
Gesamtstrecke: 8km / 945hm+ / 945hm- / 4,5Stdn
 
Schwierigkeitsgrad: leicht
Montag 14.09.1998 (2.Tourtag)
 
Zum Eggerjoch (2132m): An diesem wunderschönen Morgen planen wir eine Tour zur Trunahütte (1750m) und zum Leitnerberg (2309m) und hoffen, dass uns das Wetter heute weniger unangenehm überraschen wird.
 
Wir gehen Richtung Talschluß, überqueren den Gschnitzbach hinter der Ortsgrenze und steigen langsam durch den Wald den Berg hinan. Dann sind wir vor die Wahl gestellt: Den Forstweg oder den kürzeren Steilweg. Der Forstweg erscheint uns zu langweilig, so gehen wir den Letzteren. Werner und Winfried nehmen uns das schnell übel, denn der Weg entwickelt sich schon bald zur Mini-Klettertour.
 
Weiter oben an einer Kreuzung zum vermeintlichen Forstweg angelangt, haben die Zwei keine Lust und keine Puste mehr, den Steilweg weiter zu laufen. Also einigen wir uns während der Pause darauf, uns kurzfristig zu trennen. Werner und Winfried wollen den Forstweg weiter begehen, Dieter und Norbert den Steilweg. Weil die Vermutung nahe liegt, dass Winfried und Werner, auf sich alleingelassen, wieder ins Tal absteigen würden, schließe ich mich dieser Gruppe als Motivator an. Dieser Forstweg entpuppt sich aber bald als Seitenweg mit Sackgasse; plötzlich läuft er an einem Wasserfall aus.
 
"Welch eine Verarschung" denken wir. Winfried will sich den Fehler nicht eingestehen und am Bachlauf emporklettern, wovon wir Ihn aber mit eindringlichem Appell abbringen können. Nachdem wir unsere Wasserflaschen wieder aufgefüllt haben, heißt es jetzt: Zurück zur Kreuzung und doch den Steilweg zur Trunahütte (1750m) nehmen. Spätestens jetzt wäre es doch ohne meine Begleitung zum Alleinabstieg der Beiden gekommen. Ich muß schon einige Überredungskünste anwenden, um Sie zum weiteren Anstieg zu motivieren.
 
Mit Mühen oben angelangt, erwarten uns zwei mittlerweile ausgeruhte Bergfreunde, die sich ein leicht schadenfrohes Lächeln nicht verkneifen können. Nach einigen erfrischenden Getränken geht es dann weiter bergauf, nicht mehr so steil, dafür nicht enden wollend zunächst zum Trunajoch (2152m), dann über den Grat vorbei am Lichtsee (2101m) und durch teils wadenhohen Schnee zum Eggerjoch (2132m). Starker Wind pfeift hier oben und die gefühlte Temperatur erreicht Polargrade. Während unserer Pause am Eggerjoch-Kreuz beraten wir, ob wir noch einen Abstecher zum Egger Berg (2280m) oder den Leitnerberg (2309m) machen.
 
Wir können Winfried und Werner zu nichts anderem mehr überzeugen, als ins Tal abzusteigen. Da wir anfangs trödeln, geraten wir rasch in die Dämmerung und wir haben noch ein gutes Stück vor uns. Also müssen wir noch zügiger gehen, worauf Werner einen Satz losläßt, der ihm noch lange nachhängt: "Ich bin in Urlaub und nicht auf der Flucht". An der Gerichtsherrenalm (1663m) machen wir noch eine kurze letzte Pause und gehen anschließend durch relativ stark abfallendes Waldgelände. Viele aus dem Boden herausragende Baumwurzeln erfordern Trittsicherheit und die rasch zunehmende Dämmerung Eile. Jetzt kommt Winfried in Fahrt und meint: "Ihr lauft ja wie die Karnickel durch die Berge".
 
Nachdem wir gerade noch vor Dunkelheit in die Pension eingekeht sind, sehen wir, während wir uns zum Essen fertig machen, Werner`s Maleur und unsere Befürchtungen bestätigt. Er hat sich eine Blase zugezogen, die später seine ganze Ferse überzieht. Jaja, die guten Springerstiefel taugen eben nichts in den Bergen und nicht eingelaufene Schuhe schon mal gar nicht. Wie gut das Dieter sein "Erste-Hilfe-Päckchen" dabei hat.
 
Während des Abendessens bei einem knurigen Gastwirt (die Gaststätte lohnt nicht, erwähnt zu werden) und dem anschließenden obligatorischen Kartenspiel planen wir für den nächsten Tag eine Taltour, da Werner unbedingt weiterhin mitgehen will, statt sich einen Tag auszukurieren.
 
Gesamtstrecke: 12km / 918hm+ / 918hm- / 6Stdn
 
Schwierigkeitsgrad: mittel

 

Dienstag 15.09.1998 (3.Tourtag):
 
Taltour nach Steinach: Wie am Vorabend geplant, unternehmen wir an diesem Tag einstimmig eine Taltour. Diese sollte uns heute in das kleine Nachbarstädtchen Steinach führen.
 
Bevor wir jedoch Trins verlassen, besichtigen wir die schöne Dorfkirche St.-Georg und ihre reichen Kunst-Schätze aus dem frühen Mittelalter. Gut gelaunt und recht zügig bringen wir dann die Kilometer nach Steinach hinter uns, bewundern die herrliche Landschaft und laufen meist parallel des Gschnitzbaches. Wir wandern unter der Brennerautobahn hindurch und erkundigen uns unmittelbar dahinter an der Seilbahn zum Nößlachjochnach nach den Preisen. Etwas später sind wir dann in Steinach (1049m) am Ziel
 
Zunächst machen wir kleine Erledigungen, kaufen Souvenirs (u.a. Tiroler-Hüte und Stöcke) und sorgen am Geldautomat für finanziellen Nachschub. Danach essen wir eine Kleinigkeit und trinken unsere Weizenbierchen und Radler. Dabei werden wir auf eine Minigolf-Anlage aufmerksam und gehen dort spielen. Hier verbringen wir einen Großteil des Nachmittages. Wenn doch bloß die Bierchen vorher nicht gewesen wären, dann wäre der Ball wohl öfter auf der Bahn geblieben. Der Tag war herrlich gemütlich, so eine art Halbzeit unserer Gesamttour und das Wetter spielte auch mit.
 
In der Pension angekommen, pflegen die einen ihre Schuhe, Werner hingegen seine blasenbesetzten Fußsohlen.
 
An diesem Abend nehmen wir unser Essen wieder im "Sumpflöchl" ein. Das Kartenspiel konnten wir heute vergessen, denn wir treffen auf Susan, einem Kroaten und Lebensgefährte unserer netten Bedienung Rosi, mitsamt Freunde. Susan kann uns die Fußball-Bundesligatabelle rauf und runter erklären, mit allen Clubs und Ergebnissen einschließlich Punkteständen. Er nennt Spielernamen und deren Alter aus dem Ef-Ef. Vom BVB ist er besonders begeistert, darauf trinken wir beiden nicht nur einen!
 
Wir versacken regelrecht und es wird sehr spät, besser gesagt früh.
 
Gesamtstrecke: 12km / 165hm+ / 165hm- / 3Stdn
 
Schwierigkeitsgrad: leicht

 

Mittwoch 16.09.1998 (4.Tourtag):
 
Zum  Leitnerberg (2309m): Heute sieht das Wetter wie jeden Tag morgens prima aus; wir fühlen uns allerdings wegen des langen Vorabends nicht so. Gestern auf den Geschmack gekommen, wandern wir nochmals durch das Tal bis zur Nößlach-Seilbahn (1450m), um mit dieser die ersten Höhenmeter bis zur Nößlachjoch-Hütte zu überwinden und genießen die Aussicht auf die Brenner-Autobahn, die sich von hier oben aus gesehen, baulich doch verhältnismäßig gut in die Landschaft einfügt und mit dieser auf seltsame Weise harmoniert.
 
Leider fährt die Bahn nur die halbe Strecke bis zur Station Bergeralm (1550m). Dann beraten wir, wer woher wohin weitergeht. Werner und Winfried entschließen sich nicht zuletzt wegen der noch nicht abgeheilten Fußblasen den Höhenweg zur Trunahütte weiterzugehen, der ohne große Höhenunterschiede dorthin führt. Norbert, Dieter und ich entschließen uns für die Besteigung des Leitner-Gipfels über das Nößlachjoch. So gehen wir getrennte Wege und wollen uns später an der Trunahütte treffen.
 
Wir nehmen den beschwerlichen und recht steilen, aber landschaftlich wunderschönen Direktweg zur Nößlachjoch-Hütte (2022m) hinauf, im Rücken das herrliche Tuxer Alpenpanorama. Wir freuen uns eigentlich beim Erreichen auf erfrischende Getränke, werden aber enttäuscht, denn die Hütte hat wegen des frühen Wintereinbruchs in den letzten Tagen bereits vorzeitig geschlossen. Also packen wir unsere Fressalien aus dem Rucksack und mixen uns wieder einmal eine Vitamintablette ins mitgeführte Wasser.
 
Nach kurzer Besichtigung der Karte nehmen wir die kommenden Gipfel in Angriff. Da ist zunächst das Nößlachjoch (2231m), von wo die Aussicht um die Umgebung schon prachtvoll ist. Mit immer spektakuläreren Ausblicken gehen wir weiter zum Egger Berg (2280m), von dem wir an diesem Tag einen klaren und prachtvollen Rundumblick über die vielen schneebedeckten Zillertaler- und Rieserferner-Gipfel im Osten, dem Brenner im Süden, die vergletscherten Gipfel der Ötztaler-Alpen im Westen und der Stubaier Alpen im Norden haben. Wir wollen jetzt auch noch den Leitnerberg (2309m) erklimmen, ein vor zwei Tagen abgebrochenes Vorhaben. Ich merke erstmals körperliche Grenzen, aber was wir dann am Gipfelkreuz geboten bekommen, ist einzigartig, faszinierend, wunderbar und entschädigt für alle Strapazen. Hier zeigt sich endlich die wahre Relation von Mensch und Natur. In dieser gewaltigen Gegend kommt man sich so unwichtig und klein vor und fühlt sich doch so großartig.
 
Norbert hat die glorreiche Idee, nach dem Gipfeleintrag (des Bergsteigers erste Pflicht) auch eine Gipfelrede zu halten, die Dieter und ich jeweils mit unseren Cameras festhalten. Nach diesen Höhepunkten steigen wir zur Trunahütte (1750m) ab, treffen aber unsere Kameraden nicht mehr. Wir machen nur noch eine kurze Pause und steigen dann ins Tal ab.
 
Auch heute essen wir wieder im "Sumpflöchl" und werden dort schon als Stammgäste empfangen. Das anschließende Kartenspiel ist schon obligatorisch.
  
Gesamtstrecke:  19km / 1268hm+ / 1508hm- / 7Stdn
 
Schwierigkeitsgrad: mittel
Donnerstag 17.09.1998 (5.Tourtag):
 
Zum Padasterjochhaus (2232m): Das Ende unserer diesjährigen Fahrt schon wieder in Sicht, setzen wir für die letzten beiden Tage noch Höhepunkte. An diesem Tag planen wir eine Tour zum Padasterjochhaus.
 
Bei nicht mehr so ganz schönem Wetter wie in den vergangenen Tagen starten wir. Wir geraten immer wieder in leichten Schneegriesel. Der Anstieg ist auch nicht zu verachten.
 
Dieter, Werner und Norbert versuchen sich dieses Mal am Steilanstieg und können es nicht glauben, dass Winfried und ich auf dem Forstweg schneller sind. Dieter sucht den Trecker, mit dem wir vermeintlich gefahren sind, als wir an der nächsten Schnittstelle warten.
 
Nach anstrengendem weiteren Aufstieg durch eine recht neblige, dustere Gegend erreichen wir schließlich das Padasterjochhaus (2232m). Es ist bei dem Wetter nichts los hier, wir sind die einzigen Gäste. Wir bestellen unsere obligatorischen Kaltgetränke, werden aber vom Hüttenwirt und Skilehrer Paul Pranger zu heißem Jagertee und einer kleinen Hüttenmalzeit bekehrt. Der Jagertee wird ab jetzt zumindest bei kaltem Wetter unser Hüttenstandartgetränk und der extra für uns gefertigte warme Eintopf ist auch ein Genuß. Unsere Mägen und Körper danken es uns, die angegriffene Kondition baut sich schnell wieder auf.
 
Der Hüttenwirt ist sehr nett und gesprächig. Wir unterhalten uns mit ihm über das Wetter heute und in den vergangenen Tagen. Er erzählt uns in diesem Zusammenhang noch von einem Einzel-Wanderer, der erst gestern mit dem Hubschrauber von dieser Hütte abtransportiert wurde. Dieser war von der Innsbrucker Hütte über den Jubiläumssteig, der fast ausschließlich über den Gipfelgrat bis hierhin führt und nur 2-fußbreit ist, unterwegs und in die Dunkelheit geraten, mußte bei Eisestemperaturen auf dem Grat übernachten, da er keine Lampe dabeihatte und rettete sich am nächsten Morgen bis zu dieser Hütte, wo er mit schwersten Erfrierungen gerettet wurde. Er hatte sich zu allem Übel nicht ins Hüttenbuch eingetragen, so daß er auch nicht vermißt und gesucht wurde. Das wissen wir selbst durch unsere bisherigen und zukünftigen Hütten- und Gipfelbucheintragungen zu vermeiden.
 
Der Wiederabstieg ins Tal ist nun nicht mehr so anstrengend und wir spulen unser allabendliches Essen- und Spiel-Programm ab. Heute besuchen wir noch einmal das Cafe "Max" und essen leichte Kost.
 
Dabei legen wir uns für den morgigen Tag auf das Tourziel Tribulaunhütte mit eventuellem Übergang auf die italienische Seite fest.
 
Gesamtstrecke: 17km / 1018hm+ /1018hm- / 6Stdn
 
Schwierigkeitsgrad: mittel
Freitag 18.09.1998 (6. und letzter Tourtag):
 
Zur Tribulaunhütte (2064m): Dieser Tag soll noch einmal ein Glanzpunkt unserer Woche werden. Wir fahren zunächst mit dem Bulli zum Talschluß des Gschnitztales bis zur Gaststätte Feuerstein (1281m). Dort besichtigen wir für einen Moment ein modernes Sägewerk, bevor wir zum Sandesbach und dem gleichnamigen Wasserfall laufen und die gewaltigen Wassermassen beobachten, filmen und fotografieren.
 
Dann steigen wir auf. Dabei sind wir allerdings nur noch zu dritt, da Werner und Winfried es vorziehen, quer durch das Tal wierder nach Trins zu wandern, um dort Einkäufe zu erledigen.
 
Wir gewinnen anfangs schnell an Höhe. Wie am Vortag wird auch heute mit zunehmender Höhe der Nebel immer dichter und wir haben große Mühe, uns zu orientieren. Die extreme Luftfeuchte erschwert uns und besonders Dieter die Atmung. Nach einiger Zeit erreichen wir ein Hochtal, indem sich die Murmeltiere gegenseitig vor uns warnen. Auf immer schmaleren Pfaden ersteigen den Talhang und wir sind für einen Moment irritiert: Vor uns taucht im sich kurzfristig öffnenden Nebelschleier der Talschluß und eine riesige steile Felswand auf. Wir dachten, wir befinden uns schon in unmittelbarer Nähe der Hütte. 
 
Wir glauben kurzfristig, wir haben uns verstiegen, beruhigen uns aber beim Blick auf die Karte. Wir umsteigen diese Felswand und sehen nun die Tribulaunhütte (2064m). Sie steht an exponierter Stelle und ist erst vor ein paar Jahren nach kompletter Lawinenzerstörung wieder neu erbaut worden.
 
Wir ziehen uns um, hängen die verschwitzte Kleidung zum Trocknen an den Ofen. Unsere Sachen scheinen zu brennen, als der Schweiß verdampft. Wir genießen die Hüttengemütlichkeit mit heißem Tee mit Rum, der uns von innen erwärmt. Während unserer Pause beraten wir den weiteren Tourverlauf und kommen zum Entschluß, nicht mehr nach Italien zu wandern, sondern ins Tal abzusteigen. Dieser Entschluß wird noch gefestigt, als wir auf Anfrage hören, dass sich auf dem Übergang (ca. 2700m) seit Tagen meterhohe Schneeverwehungen befinden und dort akute Lawinengefahr besteht.
 
Also machen wir uns auf den Rückweg und werden unmittelbar hinter der Hütte auf einige Gedenksteine bezüglich des Lawinenunglückes und mehrerer tödlicher Bergsteigerunglücke am Übergang und der umliegenden Felsen.
 
Eine Warnung vor falschem Stolz und ein Fingerzeig für die Ernsthaftigkeit unseres geplanten Vorhabens bei diesen Wetterverhältnissen. Wir sind nicht lange unterwegs, da schiebt sich wieder eine Nebelwand den Berg hinauf. Unsere Sicht ist gleich Null und wir sind froh, uns jetzt auf einem sehr gut bezeichneten Weg zu befinden. Nach endlosem Abstieg queren wir irgendwann den Gschnitzbach und bewegen uns bald unterhalb der Waldgrenze auf den Wasserfall zu.
 
In der Pension angekommen, treffen wir auf die anderen, bekleiden uns nach dem Duschen neu und gehen gemeinsam letztmalig zum "Sumpflöchl", wo wir uns heute Herzensmalzeiten auftischen lassen. Wildfleisch und Steaks sind nur einige der heutigen Leckereien. Und zum Abschluß gibt es die obligatorischen Obstler wieder durch Rosi serviert und heute auf Kosten des Hauses. Mit schwerem Bauch gehen wir ebenfalls letzmalig den beschwerlichen Weg hinauf zur Pension, wo wir den Abend wie an den Vortagen gemütlich abschließen.
 
Gesamtstrecke: 12km / 850hm+ / 850hm- / 5Stdn
 
Schwierigkeitsgrad: mittel
Samstag 19.09.1998 (Abreisetag):
 
Nachdem sich unsere Herbergsmutter zum Frühstück noch einmal richtig ins Zeug legt und uns 1A bewirtet, zahlen wir unsere Herbergs- und Getränkekosten und nehmen Abschied von Frau Hörtnagel und ihrem Mann. Vor der eigentlichen Abreise erledigen wir noch ein paar kleinere Souvenir- und Verpflegungseinkäufe.
 
Wir werden die Gegend und vor allem die Herberge Hörtnagel in schöner, dankbarer und vor allem bleibender Erinnerung halten.
 
Fazit der Woche:
Werner wird sich wohl für die nächste Wandertour bald vernünftige Schuhe kaufen. Wir beide waren als Neulinge so begeistert, daß wir das nächste Mal unbedingt wieder dabei sein wollen.
 
Norbert hat seine Sache, die Planung und Organisation, sehr gut gemacht. Nur das Wetter verweigerte ihm zeitweise die Gefolgschaft, aber es hätte schlimmer kommen können, denn wir brauchten diesbezüglich zumindest weder eine Wanderung absagen noch abrechen.
 
Werner und Winfried schwören, in Zukunft durch Training für mehr Kondion zu sorgen. Dieter, Norbert und ich spüren, daß für das nächste Mal eine Hochtour vielleicht für uns alle interessant sein könnte.
 
Und das Wichtigste ist: Wir kommen alle gesund wieder nach Hause!
 
Also: Alles in allem eine verdammt gut gelungene Wochenreise.
 
Unsere Wochenleistung: 80km / 5164hm+ / 5404hm- / 31,5Stdn
 
Bergheil!


 

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